Verbrechen in Garbenteich

Sohn ermordet seinen eigenen Vater

  • Susanne Riess
    vonSusanne Riess
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Einen Tag vor der Tat fasst Peter Z. den folgenschweren Beschluss und setzt ihn 24 Stunden später ohne zu zögern in die Tat um: Der 28-Jährige ersticht seinen eigenen Vater.

Es ist der 18. Juni 1986 als es in der Küche einer Drei-Zimmer-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Garbenteich mal wieder zu einem Streit zwischen Vater und Sohn kommt. Wie so oft dreht sich die Auseinandersetzung ums Geld.

"Gib mir Geld für den Bus, damit ich zu meiner Freundin nach Gießen fahren kann", sagt der 28-Jährige zu seinem Vater. Doch Thomas Z. kommt der Bitte seines Sohnes nicht nach und wendet sich nach Disput von ihm ab. Er geht zum Küchenfenster und blickt hinaus.

Messer in den Rücken gerammt

Dann spürt der 48-Jährige plötzlich einen stechenden Schmerz in seinem Rücken. Er dreht sich verwundert um, wird dann von seinem Sohn am Hals gepackt und gewürgt, sackt kurze Zeit später leblos in sich zusammen und verblutet. Das 35 Zentimeter lange Messer, das Peter Z. seinem Vater mit voller Wucht zwischen Schulterblatt und Wirbelsäule gerammt hat, hatte er kurz vor der Tat in unbeobachteten Moment aus der Schublade des Küchenschrankes genommen und in seinen Hosenbund gesteckt. Er gibt später ohne Umschweife zu: "Ich wollte meinen Vater umbringen." Den Beschluss habe er einen Tag zuvor gefasst.

Blutspritzer vom Fenster gewischt

Nach dem schrecklichen Verbrechen Tat säubert Peter Z. den Tatort, entfernt sorgfältig die Blutspritzer vom Küchenfenster, verlässt mit zwei gepackten Koffern die Wohnung in Garbenteich. Er macht sich auf den Weg zu seiner Freundin in Gießen.

Es ist die Verlobte von Thomas Z., die die Leiche ihres zukünftigen Gatten in der Küche findet. Nachdem sie mehrfach vergeblich versucht habe, ihn telefonisch zu erreichen, sei sie schließlich zu der Wohnung in dem Mehrfamilienhaus gefahren. Ein ungutes Gefühl habe sie beschlichen. Völlig zu recht.

Noch in der Nacht wird der 28-jährige Täter in der Rodheimer Straße in Gießen festgenommen und sagt gegenüber der Polizei: "Jetzt fühle ich mich freier."

Nicht nur Streit ums Geld

Knapp ein Jahr später beginnt im Mai 1987 der Prozess gegen Peter Z. Er muss sich wegen Mordes an seinem Vater verantworten. Die Frage, die im Raum steht: Wie konnte es zu diesem schrecklichen Verbrechen kommen?

Wie sich vor Gericht herausstellt, war der Streit ums Geld für die Busfahrkarte nur ein Teilaspekt der tödlichen Auseinandersetzung. Denn Peter Z.s Stiefmutter in spe hatte ihren zukünftigen Ehemann gedrängt, Ordnung in die finanziellen Verhältnisse zwischen Vater und Sohn zu bringen.

Der 48-Jährige hatte die Bürgschaft für einen Kredit in Höhe von 7500 D-Markt für seinen Sohn inne. Vor der Hochzeit sollte das aus ihrer Sicht vom Tisch sein.

Hassliebe zwischen Vater und Sohn

Geldprobleme begleiten den 28-Jährigen seit seiner Jugend. Er wird früh spielsüchtig und erinnert sich vor Gericht: "In 13 Jahren habe ich etwa 100 000 D-Mark an Spielautomaten verzockt." Er hat hohe Schulden, diverse Pfändungen schließen sich an. Durch die Scheidung seiner Eltern 1969 habe er einen "seelischen Knacks" bekommen. Nach der Ausbildung zum Weißbinder habe sein langsamer aber stetiger Abstieg begonnen. Nicht nur die Spielsucht auch der Alkohol spielen eine vordergründige Rolle in seinem Leben. Mehrmals wird Peter Z. in psychiatrischen Krankenhäusern untergebracht.

Glaubt man den Schilderungen des Psychiaters, basiert das Verhältnis zwischen Vater und Sohn schon lange Zeit auf einer Hassliebe. Peter Z. sagt aus, seinen Vater zu hassen, weil der seine Schwester angeblich bevorzugte: "Mein Vater warf mir immer wieder Unfähigkeit vor und demütigte mich häufig." Er habe ihn wie einen kleinen Jungen behandelt. Außerdem habe er ihn gedrängt, aus der Wohnung in Garbenteich auszuziehen, wo er vorübergehend wohnte. Wohl sei ihm dabei nicht gewesen. "Aus Angst, er würde mich plötzlich angreifen, versteckte ich unterm Kopfkissen ein Messer und unter der Couch eine Axt."

Haftstrafe wegen Mordes

Was ihn letzten Ende zu dem Mord an seinem Vater am 18. Juni 1986 bewogen hat, gibt Peter Z. so zu Protokoll: "Er hatte mich an jenem Abend provoziert. Augenblicke, bevor ich ihm das Messer in den Rücken stieß, hakte bei mir was aus. Alles, was sich jahrelang an Wut in mir angestaut hatte, kam plötzlich hoch. Dann stach ich zu." Peter Z. wird wegen Mordes an seinem Vater schließlich zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Außerdem ordnet der Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an und sieht aufgrund des psychiatrischen Gutachtens eine verminderte Schuldfähigkeit des Täters. Ansonsten wäre die Haftstrafe für den Vatermörder von Pohlheim wohl wesentlich höher ausgefallen.

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