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Am Samstag ist das Denkmal in Pohlheim enthüllt worden.

Am Samstag enthüllt

So sieht das Pohlheimer Denkmal für die Opfer des Völkermords im Osmanischen Reich aus

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Die türkische Regierung hatte gegen das Vorhaben protestiert, nun aber ist es eingeweiht. Am Samstag wurde in Pohlheim das Denkmal in Erinnerung an die Opfer des Völkermords im Osmanischen Reich vor hundert Jahren enthüllt.

Das Denkmal in Pohlheim in Erinnerung an die Opfer des Völkermords im Osmanischen Reich ist am Samstag enthüllt worden. 200 Menschen nahmen an der Feierstunde in Watzenborn-Steinberg auf einem Rasenstück an der Christuskirche teil.

Am Samstag ist das Denkmal in Pohlheim enthüllt worden.

Die Einweihungsfeier verlief friedlich und ohne Proteste. Die Stadt Pohlheim hatte die Enthüllung nicht groß angekündigt. "Dieser Tag heute ist einmalig“, sagte Pohlheims Bürgermeister Udo Schöffmann. Das Denkmal solle zum Ermahnen und Erinnern aufrufen. Ein Kunstwerk werde enthüllt, das über die Grenzen Deutschlands Aufmerksamkeit gefunden habe. „Wir wollen ermahnen, dass sich diese furchtbaren Gräueltaten von 1915 niemals mehr wiederholen. Wir wollen trauern um die Menschen, die damals ermordet wurden und wir wollen versöhnen. Wir wollen alle zur Versöhnung aufrufen, die dafür bereit sind und damit die Vergangenheit aufarbeiten wollen.“

Trauer, Erinnerung und Versöhnung

Das Mahnmal lade alle zu Trauer, zur Erinnerung und zur Versöhnung ein, sagte der Stadtverordnetenvorsteher Pohlheims, Prof. Helge Stadelmann. „Versöhnung setzt allerdings auch das Eingeständnis der Schuld der Täter voraus.“

200 Menschen nahmen an der Einweihung teil.

Zwischen 1915 und 1917 wurden die Armenier, das älteste christliche Volk, fast vollständig vernichtet. 1,5 Millionen Menschen fielen dem Genozid im Osmanischen Reich zum Opfer. Im Landkreis Gießen leben zahlreiche Nachfahren der Opfer, mehr als 1000 aramäische, assyrische und chaldäische Familien. Der überwiegende Teil von ihnen wohnt in Pohlheim. Vor allem für sie ist es von zentraler Bedeutung, dass man die Wahrheit des Genozids im Osmanischen Reich, den Sayfo, kennt und öffentlich macht.

Proteste der türkischen Regierung

Das mannshohe Mahnmal hat die Form eines Zylinders: Symbolhaft ist die Geschichte des Genozids vor rund 100 Jahren dargestellt. Menschen in Flucht und Vertreibung sind vor hügeligen Landschaften zu sehen. Ein osmanisches Schwert soll den Völkermord symbolisieren, Tropfen das vergossene Blut. Abends ist das Denkmal in rotem Licht illuminiert.

"Ein historischer Moment"

Ursprünglich war die Einweihung des Mahnmals bereits im Juni vorgesehen. Das Pohlheimer Stadtparlament hatte im November 2017 einstimmig beschlossen, den Bau des Denkmals zu unterstützen. Die Entscheidung für das Werk hatte danach indes hohe Wellen geschlagen. Der türkische Generalkonsul bat die Stadt Pohlheim, das Vorhaben zurückzunehmen. Im Namen der türkischen Gemeinde erwarte er, "dass Sie gemeinsam mit den Vertretern des Stadtparlaments diese Entscheidung überdenken und von dem Fortschreiten dieses Vorhabens abgesehen wird", schrieb er. Die türkische Regierung lehnt den Begriff Völkermord ab und spricht von Massakern.

Nachts ist das Denkmal in rotem Licht illuminiert

„Ein historischer Moment“, sagte Pfarrer Kenan Budak von der syrisch-orthodoxen Gemeinde Mor Barsaumo in Garbenteich während der Enthüllung. Das Mahnmal solle als Schlüssel zum Dialog, als Zeichen der Versöhnung und als Symbol des Friedens dienen.

Die Kosten für das Denkmal in vierstelliger Höhe werden durch Spenden getragen.

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