»Siehsde nird die Säu irm Goarde«?

  • vonRoger Schmidt
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Pohlheim (rge). Wer kennt noch den »Hanfelepp« oder das Lied »Siehsde nird die Säu irm Goarde«? Sicherlich nicht jeder, der diese Zeilen liest, aber der Steinberger Dieter Schäfer. Er kennt zudem die Geschichten dahinter ganz genau und das auch noch in der Mundart des »Stoamorjer Platt«. Der Musiker, Liedermacher, Chorleiter und Komponist hat jetzt ein Lesebuch für Anfänger und Fortgeschrittene unter dem Titel »Hanfelepp Rieloudid« in eben diesem Platt seines Heimatdorfes vorgelegt und ist somit unter die heimatkundlichen Schriftsteller gegangen.

Sein Ziel ist es, dem oberhessischen Platt einen gebührenden Platz und dem Gebrauch der Sprache im gesellschaftlichen Umgang mehr Auftrieb zu geben, damit dieser Dialekt nicht in Vergessenheit gerät.

Leitfaden für korrekte Aussprache

Der Buchtitel bedeutet auch, dass »de Hanfelepp irs wirrer do«, also dass der »Hanfelepp zurück ist«, erläutert Schäfer. Der benannte »Hanfelepp« ist als Ortsname bekannt und entstammt aus dem Gasthof »Zur Krone« aus der Verwandtschaft des Autoren. Und so spinnen sich die Geschichten durch die 100 Seiten des Lesebuches und geben auch einem Nicht-Plattschwätzer einen Leidfaden an die Hand, wie die Laute der Buchstaben richtig ausgesprochen werden. Erklärt wird auch deren Bedeutung.

Schäfer weiß, dass dies von Ortschaft von Ortschaft variierte. Vokale wurden unterschiedlich gebildet, wie beim Wort Schnee, dass mal als »Schnie« oder als »Schnäj« daherkommt. Und auch das gerollte »R« wurde in Richtung Westerwald mehr als langes hartes »RRR« gesprochen, gibt er seinen Lesern mit auf den Weg.

Dass hinter den Redewendungen und Lebensweisheiten meist bestimmte Bedeutungen stecken, die nicht für jeden sofort ersichtlich sind, lässt selbst die Internet-Suchmaschinen in ihrem Textverständnis scheitern. »Gieh mer aus de Fois« (Gehe mir aus den Füßen) zum Beispiel bedeutet soviel wie »Halt Abstand!«.

Schäfer transkribiert die Mundart, wie sie in Steinberg gesprochen wird, mit bekannten Lauten. So kann der Leser in dem reichlich mit Bildern aus dem Familienarchiv der Schäfers aus den zurückliegenden Jahrzehnten bestückten Buch auch die Lebenswirklichkeit der Zeitgenossen erleben. Dadurch werden die in Platt geschriebenen Geschichten noch ein wenig authentischer. Kirmes, Schlachtfest oder Einkaufen gehen - all das wird lebendig.

Wie die Zeit vergeht und sich die Zeiten ändern, stellt der Leser schnell fest. Wer »Hanfelepp« oder den Steinberger Komponisten Hans Weiss, Obba Schorsch und Bürjermoasdisch Katharina in »Geschichde, Läijrer irn Bilder« im »Stoamoarjer Platt« wiedersehen oder kennenlernen möchte, dem ist das Lesebuch zu empfehlen. Für sechs Euro kann man es bei ihm erwerben. Bestellen kann man das Büchlein unter Telefon 0 64 03/ 9 29 84 78 oder per E-Mail an d.schaefer.54@web.de.

Es gibt auch eine CD zum Buch mit »Liedern in Mundart«. Schäfer plant derweil schon weiter für eine Mundartsammlung und will damit Stammtische anspornen, weitere Geschichten und Beispiele zu notieren und ihm zuzusenden.

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