Sefer Be Josef
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Sefer Be Josef

Sefer Be Josef wird heute 100 Jahre alt

  • vonRoger Schmidt
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Pohlheim(rge). Heute wird der Pohlheimer Sefer Be Josef (früher Budak) 100 Jahre alt. Geboren wurde der aramäische Christ im kleinen Dorf Girgi Shamo im Turabdin-Gebiet des heutigen syrisch-türkischen Grenzgebietes. Der Geist des Hundertjährigen ist noch hellwach, er hat viel zu erzählen. Seine Lebensgeschichten handeln vom harten Leben am Fuße einer Bergregion, in der die Menschen von den kargen Böden ihre Nahrung abtrotzen, sowie von Ausgrenzung und Verfolgung. Heute ist Pohlheim seine Heimat.

Schon kurz nach seiner Geburt wurde sein Vater von muslimischen Rebellen erschossen, seine Mutter verstarb im Jahr darauf. Nach dem Tod der Eltern nahm ihn sein Onkel auf. Er wuchs auf in einem Leben, das von Landwirtschaft und Viehhaltung geprägt war und hütete auf den Feldern als Schäfer Ziegen und Schafe. Es gab keine Schule im Ort, so lernte er erst spät bei der türkischen Armee, die ihn von 1940 bis 1943 einzog, Lesen und Schreiben.

1944 heiratete er seine 1980 verstorbene Frau Sare. Aus dieser Ehe gingen neun Söhne hervor, von denen einer verstarb. Auch die einzige Tochter Garibe verstarb früh als Jugendliche.

1984 folgte Sefer Be Josef im Alter von 64 Jahren seinen Söhnen nach Deutschland. Die Familie der acht noch lebenden Söhne besteht aus 41 Enkeln und 32 Urenkeln.

Sein Großneffe, Israel Be Josef, der das Interview aus dem Aramäischen ins Deutsche übersetzte, schildert den Jubilar als einen Menschen, der sich im Einsatz und Treue für seine Familie bis heute auszeichnet.

In Pohlheim fühlt sich der Jubilar sehr wohl: "Meine Heimat ist jetzt hier." Als persönlich wichtigstes Ereignis bezeichnete er den Besuch des Patriarchen, dem Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche, in seinem Haus im letzten Jahr. FOTO: RGE

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