Fuchswoche

Schubsereien und Beschimpfungen: Tierschützer demonstrieren in Pohlheim gegen Jagd auf Füchse

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Tierschützer beschimpfen Jäger als "Mörder". Diese verweisen darauf, dass es bei dichten Tierbeständen Seuchen gibt. In Pohlheim trafen Demonstranten und Jäger aufeinander.

Schüsse fallen. Alle 30 Sekunden hallen sie durch den Wald zwischen Garbenteich und Lich – und übertönen am Samstagnachmittag immer wieder für einen Augenblick die Rufe vor dem Gelände des Jagdvereins "Hubertus". "Mörder", brüllt eine Frau. Zwei Dutzend Tierschützer stehen vor einer Schranke aus rot-weißem Plastikband. Einige stecken in Kostümen und sind als Füchse und Waschbären verkleidet. "Wir sind hier", schreien sie im Chor. "Für das Tier."

Schubsereien und Beschimpfungen

Hinter der Schranke üben sich Jäger am Schießstand. Gleichzeitig begehen die Vereinsmitglieder das Ende einer einwöchigen Fuchsjagd. Als sie allerdings das Gelände betreten wollen, müssen sie an den eng zusammenstehenden Demonstranten vom "Aktionsbündnis Fuchs" und vom Verein "TierfreundLich" vorbei. Es kommt zu kleinen Schubsern und Beschimpfungen. "Als Mörder lass ich mich nicht bezeichnen", wehrt sich einer der Jäger, der 78 Jahre alte Karl-Heinz Müller, während er sich an den Protestlern vorbei drängt. "Da hört’s auf", sagt der Muschenheimer und zeigt den Tierschützern den Vogel. Ein Polizeibeamter redet auf ihn ein. "Das hätten sie nicht machen sollen." Müller hält mit einem leichten Schmunzeln fest: "Ich hab’s trotzdem gemacht."

Ernsthafte Vorfälle bleiben unterdessen aus. Mit gelassener Miene verfolgen Polizeibeamte die Demonstration. Ohnehin steckt in der Auseinandersetzung zwischen "Hubertus"-Mitgliedern und Tierschützern bereits viel Routine. Alle zwei Jahre lädt der Jagdverein zur "Fuchswoche", jedes Mal wird diese von Protesten begleitet. Dieter Mackenrodt, der Vereinsvorsitzende, hat im Vorfeld dazu aufgerufen, sich nicht provozieren zu lassen.

Kein Dialog

Zwei Welten prallen aufeinander. Auf die Proteste sei man eingerichtet, sagt Mackenrodt. "Das ist Demokratie." Zu einem Dialog kommt es allerdings nicht. "Stoppt die Fuchsjagd", appellieren die Demonstranten Es sei kaum zu ertragen, die erlegten Tiere zu sehen, ruft Tierschützer Daniel Peller in ein Megafon. "Ihr empfindet offenbar Stolz und Freude."

Doch die Rufe dringen nicht 200 Meter weiter nach oben, wo die Jäger versammelt auf einem Feld stehen. 23 erlegte Füchse und fünf tote Waschbären liegen auf einem Bett aus Fichtenzweigen. Unter den Jägern ist auch Hubertus Sarger mit seinen beiden Kleinen Münsterländern "Baron" und "Nero". Unter Mondschein habe er auf einem Feld in der Nähe des Gießener Hardthofs einen Fuchs erlegt. Bei der Jagd gehe es ihm um den Schutz beispielsweise von Rebhühnern auf dem von ihm gepachteten Areal. Der Jagdverein "Hubertus" verweist unter anderem auf viele Fälle der Krankheit Fuchsräude, die Reduzierung des Bestands sei daher wichtig. Auch freilaufende Hunde und Katzen könnten sich anstecken. Sarger bläst in ein Jagdhorn. Er und Vereinskameraden läuten das Ende der Jagd ein – das Halali.

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