+
Rainer Hustedt spielt in Erinnerung an Robert Sommer die singende Säge.

Psychologie und singende Säge

  • schließen

Pohlheim (con). "Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert": Dieses Zitat von Johann Wolfgang Goethe, dürfte wohl auch dem Gießener Prof. Dr. Robert Sommer gefallen haben. Psychiater, Forscher, Erfinder und Familienforscher war Sommer und dazu auch ein großer Verehrer Goethes. Eine Wanderung durch das Leben und Wirken von Sommer erwartete am Sonntagnachmittag die Besucher in der Heimatstube in Watzenborn-Steinberg.

1901 prägte Sommer den Begriff der "Psychohygiene". Er begründete den "Deutschen Verband für Psychohygiene" sowie die "Gesellschaft für experimentelle Psychologie" (seit 1929 Deutsche Gesellschaft für Psychologie). Doch beschäftigte er sich auch mit vielen anderen Disziplinen: Für seine Forschungen entwickelte er viele Apparaturen selbst und war auch in anderen Bereichen als Erfinder tätig. So beantragte er ein Patent für sogenannte "Wasserschuhe" - skiähnliche Schuhe, mit denen tatsächlich ein Gang übers Wasser möglich war.

Zeitreise mit Rezitator

Aber Sommers Herz schlug auch fürs Wandern und die Heimatgeschichte. So stieß er auf den nördlichsten Punkt des Wetterauer Limes bei Grüningen und kaufte später das entsprechende Grundstück. Dieses vermachte er der Heimatvereinigung Schiffenberg, die dort 1967 den Limesturm errichtete. Eben jene Verbindung zur Heimatgeschichte war auch der Grund dafür, dass die Ortsgruppe Watzenborn-Steinberg der Heimatvereinigung Schiffenberg den 37. Erzählnachmittag ganz in Erinnerung an Sommer veranstaltete. "Es gibt einfach Sprüche von Prof. Dr. Sommer, die passen auch heute noch", sagte der Vorsitzende des Vereins, Prof. Dr. Georg Erhardt.

Die Erinnerungen an Sommer zogen viel Publikum an. Für den Nachmittag hatte sich der Verein auch einen besonderen Rezitator gesucht: Schauspieler Rainer Hustedt vom Stadttheater Gießen lud mit einer musikalischen Lesung zu einem Einblick in das Leben des Professors Sommer ein. Dabei standen viel weniger wichtige Leistungen im Vordergrund, als einige Einblicke in Texte Sommers, die seine Verehrung Goethes und seine Leidenschaft als Wanderer unter Beweis stellten.

Gerade die Leidenschaft für Goethe sieht man auch daran, dass Sommer zur Eröffnung des Liebigmuseums am 26. März 1920 ein Theaterstück frei nach Goethes Faust verfasste: Darin will Mephisto den Doktor Faustus Liebig aus Gießen vertreiben - was Hustedt musikalisch auf einer Säge begleitete - "denn was passt besser zum Teufel als eine singende Säge?".

Schon am kommenden Sonntag, dem 8. September, steht die nächste Veranstaltung in der Heimatstube in Watzenborn-Steinberg an: Dann findet dort ab 14 Uhr das Hoffest zum 25-jährigen Bestehen des Heimatmuseums statt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare