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Auf dem Wiesenstück links, in direkter Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet »Lückebachaue«, soll bis Herbst 2023 eine neue Kita entstehen.

Priorität für Kita-Neubau gesetzt

  • VonStefan Schaal
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Das Ende der Pläne einer Groß-Kita in Watzenborn-Steinberg ist so gut wie besiegelt. Das geht nun auch aus einem Beschluss des Pohlheimer Stadtparlaments hervor.

Noch ist über die Qualität und beispielsweise über die Umwelteigenschaften des Standorts nicht allzu viel bekannt: Es ist eine 5756 Quadratmeter große Wiesenfläche am westlichen Rand Steinbergs an der Magdeburger Straße, der Flurname lautet »Am schwarzen Morgen«, das Areal liegt in direkter Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet »Lückebachaue«. Fest steht allerdings, dass dort der nächste neue Kindergarten in Pohlheim gebaut werden soll.

Das Stadtparlament hat mit der Mehrheit aus SPD, Grünen und FDP die Priorität für dieses Gelände am Donnerstag per Beschluss untermauert. Sobald die Stadt in vollständigem Besitz der Fläche an der Magdeburger Straße ist, soll die derzeit pausierte Planung eines Kita-Neubaus mit acht Gruppen an der Kirchstraße beendet und eingestellt werden.

Das Gelände »Am Schwarzen Morgen« besteht aus drei Grundstücken. Zwei davon sind in Besitz der Stadt, eine 1162 Quadratmeter große Fläche allerdings befindet sich in Privateigenum. Bürgermeister Andreas Ruck hat am 17. Juni mit dem Besitzer eine Kaufabsichtserklärung geschlossen.

Vor allem Steinberg sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen, sagte Prof. Ernst-Ulrich Huster von der SPD-Fraktion. Dort leben viele Kinder. Daher wolle man dort die erste Priorität für einen Kita-Neubau setzen.

Mit dem Beschluss und der klaren Prioritätensetzung für die Fläche an der Magdeburger Straße reagieren die Mehrheitsfraktionen auf einen Antrag der CDU und der Freien Wähler, die auf eine Entscheidung zu den Kita-Planungen an der Kirchstraße gedrängt hatten. »Ein Beschluss, eine ordentliche Entscheidung ist zwingend notwendig«, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Malke Aydin.

Prof. Helge Stadelmann von der CDU-Fraktion wirft SPD, Grünen und FDP unterdessen mit ihrem Vorhaben an der Magdeburger Straße »ein dunkles Verhalten« vor. Weder Planung, Fakten oder Konzepte zu dem Projekt lägen auf dem Tisch, sagte Stadelmann. Auch eine Umweltprüfung stehe für das Gelände noch aus. »Hier wird einfach in das Dunkle hinein abgestimmt.«

Eckart Hafemann von den Grünen widersprach: Vor zwei Jahren habe das Parlament für einen Kita-Neubau an der Kirchstraße votiert - »mit Zahlen, die damals nicht gestimmt haben«. Hafemann betonte: »Das war blindes Verhalten.« Ein Neubau »von der Stange« nun an der Magdeburger Straße bis 2023 zu moderaten Kosten sei realisierbar, sagte er. »Wir schaffen das.«

Zu dem Neubau an der Magdeburger Straße existiert eine erste Kosteneinschätzung, die die Stadtverwaltung den Fraktionen zur Verfügung gestellt hat. Demnach soll der Kindergarten 4,7 Millionen Euro kosten. »Das sind verlässliche Zahlen der Verwaltung«, sagte Peter Alexander, der SPD-Fraktionsvorsitzende. Bisher gebe es keine Zeitverzögerung. Ein Bau bis spätestens Herbst 2023 sei realistisch.

Jakob-Ernst Kandel von der CDU-Fraktion wies darauf hin, dass der Flächennutzungsplan noch geändert werden und ein Bebauungsplan aufgestellt werden muss. Außerdem sei noch zu klären, ob durch die Nähe zum Naturschutzgebiet Auflagen für den Bau entstehen. »Zeit ist unser größter Gegner«, sagte Aydin. Die Gefahr bestehe, »dass sich zwei bis drei Jahre nichts tut. Überdenken Sie Ihre Haltung«, appellierte er an die Mehrheitsfraktionen. Zum Vorhaben an der Magdeburger Straße, sagte er, fehlen noch Angaben zum Beispiel zur Bauweise und zur Geschossigkeit, zu Fragen der Barrierefreiheit und zu energetischen Standards. Aydins Fraktionskollege Risko Bulut plädierte dafür, die Pläne für die achtgruppige Kita an der Kirchstraße beizubehalten, dort sei die Planung abgeschlossen, und der Bau könne beginnen. »Lieber habe ich einen Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.«

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