Positive Bilanz nach schwerem Corona-Jahr

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Pohlheim (pm). Kürzlich fand die Mitgliederversammlung des Vereins Lebenshilfe Gießen in der Kantine der Limeswerkstatt in Garbenteich statt. Unter der Leitung der ehrenamtlichen Aufsichtsratsvorsitzenden Maren Müller-Erichsen zogen gut 50 der über 600 Mitglieder des gemeinnützigen Vereinsbilanz eines außergewöhnlichen Geschäftsjahres 2020. »Das letzte Jahr war geprägt von der Corona-Pandemie, unter der Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen ganz besonders zu leiden hatten«, sagte Müller-Erichsen.

Besonders zu Beginn der Pandemie seien sie regelmäßig schlicht vergessen worden von Politik und Behörden. Immer wieder mussten Organisationen wie die Lebenshilfe an diese Zielgruppe und ihre Bedürfnisse erinnern.

Dirk Oßwald, seit 2017 hauptamtlicher Vorstand der Lebenshilfe Gießen, stellte seinen Tätigkeitsbericht vor. Die Lebenshilfe ist danach auch im Corona-Jahr 2020 weiter gewachsen.

Ende des Jahres waren im gesamten Unternehmensverbund - dem Verein und den neun Tochtergesellschaften - 2326 Personen beschäftigt. »Das sind 7,3 Prozent mehr Kolleginnen und Kollegen als im Vorjahr, die alle deutlich machen, dass unsere Arbeit zwischen Marburg und Bad Nauheim mit dem Schwerpunkt in Stadt und Landkreis Gießen weiter hochgeschätzt und stark nachgefragt wird«, so Oßwald.

Zu dieser Zahl gehören auch 823 Menschen mit Handicap, die von der Lebenshilfe in Werkstätten und dem Berufsbildungsbereich begleitet werden, sowie 52 rein ehrenamtlich tätige Personen.

Immer mehr Kindertagesstätten

Vorstand und Aufsichtsrat ließen keinen Zweifel daran, dass der Wachstumskurs gerade in der Hochphase der Pandemie für die Beschäftigten besonders belastend war: »Ohne den hohen Einsatz, den unsere Beschäftigten in den zurückliegenden anderthalb Jahren gezeigt haben, hätten wir die Krisenzeit nicht bewältigt. Und auch bei ihnen als Mitglieder und Angehörige möchte ich mich für das Vertrauen bedanken«, sagte Müller-Erichsen.

Trotz des Pandemiejahres konnten im vergangenen Jahr viele neue Bauvorhaben realisiert werden. So wurden beispielsweise die Wohnstätten Staufenberg, Watzenborn und Linden weiter energetisch und barrierefrei saniert und mit Aufzügen ausgestattet. Auch in der Limeswerkstatt als ältestem Werkstatt-Standort investierte man weiter kräftig in Brandschutz, einen neuen Eingangsbereich und in neue Sanitäranlagen.

Die größten Investitionen aber gingen in den Neubau einer Wohnstätte für Autisten in der Rödgener Straße in Gießen (Bezug in wenigen Tagen) und einer Wohnstätte in Langgöns (Bezug Herbst 2022), berichtete Oßwald, der die Lebenshilfe zusammen mit den Geschäftsführerinnen Ursel Seifert und Linda Hauk führt.

Das stärkste Wachstum aller Lebenshilfe-Bereiche hatten 2020/21 die Kindertagesstätten zu verzeichnen: »Wir freuen uns sehr über die große Nachfrage als Träger. Seit 2020 konnten wir die Anzahl der Kitas in Stadt und Kreis von elf auf 13 erhöhen und haben in unseren Kitas mittlerweile 45 Kindergruppen mit über 900 Plätzen und fast 200 pädagogischen Fachkräften«, berichtete Oßwald den Mitgliedern.

Mitten im Pandemie-Jahr 2020 eröffnete die Bauernhof-Kita in Buseck mit einem ganz besonderen pädagogischen Konzept. Anfang 2021 folgte dann das Kinder- und Familienzentrum Sophie-Scholl auf dem Gelände des Alten Flughafens in Gießen. Im selben Gebäude befindet sich die zweite Inklusive Wohngemeinschaft sowie das hessenweite Pilot-Projekt »Begleitete Elternschaft«.

Gesundheitliche Vorsorge

Neben Berichten gab es auch Einblicke in neue Projekte. So hielten Stefan Lind und Petra Wagner von der Familienberatungsstelle der Lebenshilfe einen Fachvortrag über das Projekt »Behandlung im Voraus planen«.

Ziel des Angebots ist es, frühzeitig über Leben, Tod und Sterben nachzudenken und gemeinsam mit den Klienten zu überlegen, wie sie im medizinischen Notfall behandelt werden möchten.

Darüber hinaus spiele die inklusive gesundheitliche Vorsorge für Personal und Werkstatt-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter bei der Lebenshilfe eine große Rolle: »Für die Gesundheit unserer Beschäftigten in den Werkstätten und der Verwaltung ist es eminent wichtig, dass wir ihre physische und psychische Situation im Blick haben und laufend verbessern. Deswegen haben wir das Inklusive Gesundheitsmanagement geschaffen«, erklärte Oßwald.

In den kommenden Jahren will sich die Lebenshilfe verstärkt um die Mitglieder- betreuung kümmern. Neben der Werbung von neuen Mitgliedern, soll der Service für die aktuell rund 600 Mitglieder ausgebaut und verbessert werden.

Bei der Versammlung in Garbenteich wurde seitens der Mitglieder der Wunsch geäußert, künftig mehr Raum für Austausch und Begegnung zu erhalten.

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