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Gelandet: Diese Brieftaube ist auf den Weg in den Schlag. Die Gitter öffnen sich nur nach innen, sodass die Tauben nicht gleich wieder ausfliegen können.

Brieftaube vs. Stadttaube

Pohlheimer Taubenzüchter fordert bessere Geburtenkontrolle bei Stadttauben

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Hans Horn ist Brieftaubenzüchter aus Leidenschaft. Die Kritik der Großstadtbewohner an der ausufernden Zahl der Stadttauben kann er verstehen.

Hans Horn sitzt in Watzenborn-Steinberg auf seiner Terrasse, das Fernglas griffbereit. Doch nicht etwa die atemberaubende Aussicht auf die Felder und die Hügellandschaft zwischen Gleiberg und Taunus hat ihn hierher gelockt. Praktisch jeden Samstag im Sommer sitzt er hier und blickt geduldig in den Himmel. Horn wartet auf die Rückkehr seiner Brieftauben.

Immer wieder wird Brieftaubenzüchtern vorgeworfen, sie hätten Schuld an den Taubenplagen in Großstädten. "Das stimmt nicht", sagt Horn. Zwar komme es auch vor, dass sich mal eine Brieftaube in die Stadt verirre. Das Problem seien jedoch die bereits vorhandenen Taubenbestände. "Die werden nicht bekämpft, Stadttauben haben drei bis vier Mal im Jahr Junge. Da müsste eine Kontr olle da sein, um das zu reduzieren."

Züchter holen Tauben ab

Zumal die Züchter ein Interesse haben, dass ihre Tauben zurückkommen. Eine erfolgrei che Brieftaube kann mehrere zehntausend Euro wert sein. Darum trägt jedes Tier einen Ring mit der Telefonnummer des Besitzers. "Wenn ich einen Anruf bekomme, dass eine meiner Tauben irgendwo sitzt und nicht mehr heim findet, hole ich sie", sagt Horn. Damit die Tauben gar nicht erst auf der Strecke bleiben, sind etwa Flüge bei großer Hitze verboten. "Daran hält man sich als Züchter schon im Interesse der Tauben." Eines können die Züchter jedoch nicht verhindern: Wenn sich ein Wanderfalke oder ein Habicht eine Taube holt, dann wartet er vergeblich auf deren Rückkehr.

Seit 69 Jahren Züchter

Als er zehn war, hat er mit der Taubenzucht begonnen. "Es kam von einem Schulfreund", erinnert er sich. Dieser hatte einen Taubenschlag. Horn fand das interessant. Also baute er selbst einen Holzverschlag und fing auf dem heimischen Dachboden mit der Zucht an. Seitdem hat ihn das Hobby nie wieder losgelassen. Heute ist er 79. Er liebt seine Tiere. "Ich habe noch nie Taubenfleisch gegessen" sagt er.

Am Himmel über Watzenborn-Steinberg herrscht zwar tierischer Flugverkehr, Spatzen und Schwalben fliegen umher. Horns Tauben sind jedoch noch nicht zu sehen. Am Morgen sind sie in Frankreich gestartet, nun wird es langsam Mittag. Die Spannung bei Horn steigt. Immer wieder blickt er hinüber zum Taubenschlag.

Geburtenkontrolle bei Taubenzucht

1988 hat Horn mit den Brieftaubenflügen begonnen. An die Teilnahme sind einige Vorschriften geknüpft: Mitmachen darf nur, wer in einem Ortsverein für Brieftauben Mitglied ist. Außerdem gibt es strenge Anforderungen daran, wie die Taubenschläge auszusehen haben, etwa in puncto artgerechter Haltung.

Da noch keine Taube zu sehen ist, schaut Horn im Schlag in seinem Garten vorbei. Die Männchen und Weibchen werden hier die größte Zeit über getrennt gehalten. Das hat einen ganz einfachen Grund: die Geburtenkontrolle. Ende Februar bildet Horn gezielt die Paare. Nach ein paar Tagen haben sie sich aneinander gewöhnt, nach zehn Tagen werden Eier gelegt, dann 19 Tage gebrütet. Vier Wochen später sind die Küken so groß, dass sie in ein separates Abteil gebracht werden können.

Zu diesem Zeitpunkt werden die Brutpärchen wieder getrennt. Nun beginnt die Vorbereitung auf die Brieftaubenflüge. Neben den täglichen Rundflügen um den heimischen Schlag gibt es mehrere Vorbereitungsflüge. 13 Preisflüge sind für die Meisterschaft 2019 der Reisevereinigung Hüttenberg geplant. Ist ein Geschlecht denn schneller? "Das ist unterschiedlich, das kann man so nicht sagen", sagt Horn. Manche Züchter würden nur Männchen oder nur Weibchen an den Start schicken, bei Horn fliegen beide Geschlechter.

Erfassung per Chip

In diesem Moment taucht die erste Taube am Himmel auf. Sofort sucht sie den Weg in den Schlag. Am Fuß trägt sie einen Ring mit einem Chip. Sekundengenau wird vom Computer an Horns Taubenschlag erfasst, wann sie gelandet ist. Da die Taubenschläge der Züchter an verschiedenen Stellen stehen, die Tiere so unterschiedlich lange Strecken fliegen müssen, errechnet der Computer aus der durchschnittlichen Geschwindigkeit die Platzierungen.

Während der Züchter auf die Ergebnisse gespannt wartet, sehnt sich die Taube vor allem nach einem: ihren Partner wiederzusehen. Sofort ist ein lautes Gurren im Schlag zu hören, das mit jedem Rückkehrer lauter wird. Nach dem Flug bleiben die Pärchen ein paar Stunden zusammen. Dann werden sie für den Rest der Woche wieder getrennt. "Das nennt man Witwerschaft", erklärt Horn. "Damit die Männer auch den Heimkehrwillen haben."

Den Spaß an den Tauben hat Horn nach nun fast 70 Jahren noch immer nicht verloren. Und das, obwohl es ihm noch nie gelungen ist, die Meisterschaft zu holen. "Einmal war ich ganz oben", erinnert er sich. "Aber dann ist eine Taube zehn Minuten zu spät gekommen."

Tauben im Nachrichtendienst

Wer glaubt, Brieftaube fliegen zu jeder beliebigen Adresse, der ist auf dem Holzweg: Die Tauben finden stets nur in ihren heimischen Schlag zurück. Genau dieses Verhalten macht sich der Mensch seit Jahrhunderten zunutze, um kleine Nachrichten zu überbringen. Die Tauben werden einfach an den Absendeort mitgenommen, ihnen dann ein kleiner Zettel am Fuß befestigt, und sie werden auf die Reise geschickt.

Besonders in Kriegen dienten Tauben als Boten. Die Taube "G.I. Joe" etwa überbrachte 1943 in Italien eine Nachricht der Briten an die Amerikaner, dass ein bereits geplanter Bombenangriff auf Calvi Vecchia abgesagt werden sollte. Während die Übermittlung per Funk fehlschlug, erreichte die Taube noch rechtzeitig ihr Ziel. Tausende Zivilisten und hunderte Soldaten wurden dadurch gerettet. (Quelle: Wikipedia)

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