Verwerfliche Tat

In Pohlheim wurden 2017 Senioren von einem Heim-Pfleger beklaut

  • vonKatharina Gerung
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Geld, EC-Karten und die dazugehörenden Pins - Ein junger Pfleger nutzte das Vertrauen von Senioren schamlos aus und beklaute sie. Seine Ehefrau half ihm beim Abheben von gut 2000 Euro.

Die Geldbörsen lagen auf den Nachttischen - so viel Vertrauen hatten die Bewohner eines Seniorenheims in Watzenborn-Steinberg in das Personal dort. Vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Gießen mussten sich gestern jedoch ein 26-jähriger Ex-Pfleger aus Pohlheim und seine 22-jährige Frau für mehrfachen Diebstahl und Betrug verantworten. Im Herbst 2017 stahl der damals 23-jährige Angeklagte zwei Senioren nicht nur Geld, sondern auch EC-Karten samt Pin. Die ebenfalls angeklagte Ehefrau, damals 20 Jahre alt, half ihm beim Abheben. Gut 2000 Euro konnten sie so erbeuten.

Richterin Birgit Ruppel verurteilte den Angeklagten für den Diebstahl und Betrug zu einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung. Bei ihm greife das Erwachsenenrecht, so die Richterin: "Wer so schäbig handelt, muss mit einer Freiheitsstrafe rechnen." Zusätzlich müssen er und seine Frau mit je mindestens 25 Euro monatlich den Schaden bei den zwei Opfern ausgleichen.

Pohlheim: Schwere Kindheit

Die beiden Angeklagten hatten keine leichte Vergangenheit, das ging aus dem Bericht des zuständigen Jugendgerichtshelfers deutlich hervor. Schon die Kindheit war schwer, Heimaufenthalte wurden erwähnt, ebenso gewalttätige und verantwortungslose Erwachsene, Missbrauchsfälle und drogenabhängige Eltern.

2016 heiratete das Paar, zu diesem Zeitpunkt hatte die Angeklagte bereits ein Kind aus einer früheren Beziehung - das befindet sich aktuell in einer Pflegefamilie. Die finanzielle Situation der beiden sei stets schwierig gewesen, beschreibt es die Sozialarbeiterin, die die Angeklagte betreut. Erschwerend hinzu kämen bei beiden mehrere psychische Erkrankungen sowie eine Kaufsucht. Letztere sei mitverantwortlich an einen Schuldenberg von gut 40 000 Euro.

Pohlheim: 40 000 Euro Schulden

Als der Angeklagte im Herbst 2017 fälschlicherweise in eine andere Steuerklasse eingestuft wurde, verringerte sich sein Einkommen und die ohnehin schwierige finanzielle Lage verschlimmerte sich noch. Eine Situation, für die das junge Paar am Ende nur noch einen Ausweg sah. "Ich wusste nicht, wie wir die Miete noch bezahlen sollten", sagte die Angeklagte. Nachdem Staatsanwältin Daniela Zahr die Anklage vorgelesen hatte, brach die 22-Jährige in Tränen aus. "Ich kann immer nur an meine eigene Oma denken", sagt sie, "ich schäme mich so."

Mit den gestohlenen Karten hatte sie 2017 fünfmal versucht Geld abzuheben, in zwei Fällen hatte sie Erfolg. Die Vorwürfe des zweifachen Diebstahls und Betrugs in fünf Fällen stritt das Paar nicht ab. "Ich weiß nicht, was mich geritten hat", sagte der 26-Jährige. Beiden täte es sehr leid.

Pohlheim: Angeklagte zeigen Reue

"Die Menschen dort haben ihnen vertraut", sagt die Richterin in ihrem Urteil. Die Tat sei darum besonders verwerflich, weil der Angeklagte die Heimbewohner als ihr Pfleger beklaute. Die Reue der beiden Angeklagten und ihre positive Entwicklung aber seien maßgebend für die Entscheidung des Gerichts gewesen. Mit Hilfe von Betreuern solle das Paar nun versuchen, in einen geregelten Alltag ohne Schulden zu steuern. "Ich will einfach nur ein normales Leben", sagt die junge Frau abschließend.

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