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Zwölf Tonnen schwer und groß wie ein Bus: das Wohnmobil von Olaf Bappert.

Wohnmobil-Zoff

Posse um geparkten Zwölftonner in Pohlheim hat ernsthafte Folgen - Übler Erdogan-Vergleich

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Vordergründig ist es ein privater Streit: Wegen eines Parkverbots für sein Wohnmobil geht Olaf Bappert, Lautsprecher der Bürgerinitiative Garbenteich, gegen die Stadt Pohlheim auf die Barrikaden. Doch er trägt den Konflikt im Namen der BI aus, beschimpft den Bürgermeister massiv - und die Posse hat Folgen.

Zwölf Tonnen ist es schwer - und sorgt für massiven Ärger in Pohlheim. Die triviale Frage, ob ein Wohnmobil in einer kleinen Straße in Garbenteich stehen darf, hat zu einem Streit zwischen Olaf Bappert - Lautsprecher der früheren Outlet-Center-Gegner der Bürgerinitative (BI) Garbenteich - und der Stadt Pohlheim geführt. Gleichzeitig treten aber auch Konflikte innerhalb der BI offen zutage. Ein Vorstandsmitglied hat angekündigt zurückzutreten. Zudem fallen üble Beschimpfungen.

Der Auslöser ist ein neu aufgestelltes Verkehrsschild: Bappert darf seinen Zwölftonner nicht mehr direkt vor seinem Haus in Garbenteich parken. Kurzerhand stellte er das Wohnmobil vor dem Haus des Bürgermeisters Udo Schöffmann ab. Doch Bappert trug den Konflikt nicht privat aus, sondern über den Facebook-Account der BI und schoss dabei scharf gegen den Bürgermeister. Bappert schrieb: Schöffmann greife richtig an. "So wie Erdogan". Es ist ein Vergleich mit dem türkischen Staatspräsidenten, der soeben mit einer Militäroffensive in Nordsyrien den Bürgerkrieg in der Region neu angefacht hat. Auf Nachfrage nimmt Bappert die Worte nicht zurück. "Der Vergleich hinkt nicht mal", sagt er.

Pohlheim: Strafanzeige gegen Bürgermeister soll folgen

Der stellvertretende BI-Vorsitzende kündigt außerdem an, er werde aufgrund des Konflikts um das Wohnmobil Strafanzeige gegen den Bürgermeister stellen. "Wegen Nötigung und Amtsmissbrauch."

Es ist eine Posse. Allerdings, wie es aussieht, mit ernsthaften Folgen. Dass die Internetseite der Bürgerinitiative nicht mehr abrufbar ist, seitdem Bappert den Konflikt um das Wohnmobil öffentlich gemacht hat, ist ein Hinweis darauf. Auch über Facebook ist die BI derzeit nicht erreichbar.

Ist Bappert diesmal selbst für seine Mitstreiter zu weit gegangen? Bappert erklärt, die Veröffentlichung auf Facebook über den Account der BI sei ein Versehen gewesen. Die Homepage der BI habe er nun selbst vom Netz genommen. "Ich trage privat die Kosten für die Seite", sagt er. Er erhalte "null Unterstützung" vonseiten der BI-Kollegen.

Pohlheim: Stadt Pohlheim reagiert nüchtern

Michel Kögler vom Vorstand der BI hat derweil angekündigt zurückzutreten. Dass Bappert private Angelegenheiten im Namen der BI austrage, ärgere ihn. "Das hat der Bürgerinitiative sehr geschadet." Immerhin ist die BI aktiv, auch wenn das Outlet-Center-Projekt längst gestorben ist. Noch immer steht im Raum, was auf dem 35 Hektar großen Gewerbegebiet in Garbenteich entstehen soll.

Seine Vorstandskollegen haben Kögler gebeten, den angekündigten Rücktritt zu überdenken. Der Vorsitzende der BI, Prof. Bernd Smarsly, spricht von einer "Einzelaktion" Bapperts. Insbesondere den Erdogan-Vergleich lehnt er ab.

Unaufgeregt und nüchtern reagiert unterdessen die Stadt Pohlheim. Es sei schlicht nicht zulässig, ein so schweres Fahrzeug dauerhaft in geschlossener Ortschaft zu parken, betont Carsten Nowak, der Leiter des Ordnungsamts. "Wer ein solches Fahrzeug kauft, muss auch daran denken, wo er es abstellt." Stromkabel zwischen Wohnmobil und dem Haus Bapperts hätten immer wieder Passanten auf dem Gehweg gestört. Auch daher habe man sich für das Verkehrsschild entschieden.

Das Wohnmobil stand unterdessen nur eine Nacht vor dem Haus des Bürgermeisters. Danach stellte Bappert den Zwölftonner vor seinem Haus an der anderen Straßenseite ab, wo das Parkverbot nicht gilt. Schöffmann äußerte sich nicht zu der Angelegenheit. Er wolle der Sache nicht zu viel Aufmerksamkeit verleihen. "Hochgradig peinlich", sagte er nur.

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