Nach dem Jawort folgt die Hochzeitsfeier. In Pohlheim können Heiratswillige dafür derzeit keine städtischen Hallen und Bürgerhäuser mieten. Die Stadt will so die Verbreitung von Covid-19 auf privaten Feiern verhindern. SYMBOLFOTO: DPA
+
Nach dem Jawort folgt die Hochzeitsfeier. In Pohlheim können Heiratswillige dafür derzeit keine städtischen Hallen und Bürgerhäuser mieten. Die Stadt will so die Verbreitung von Covid-19 auf privaten Feiern verhindern. SYMBOLFOTO: DPA

Wegen Corona

Pohlheim sperrt Hallen für Hochzeitsfeiern

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
    schließen

Weil sich bei Hochzeitsfeiern im Rhein-Main-Gebiet zig Menschen mit Corona angesteckt haben, will die Stadt Pohlheim ihre Hallen nicht mehr für private Feiern vermieten.

In Hessen sind in den vergangenen Wochen die Corona-Fallzahlen stark gestiegen. Eine der Hauptursachen waren neben Reiserückkehrern Hochzeits- und Familienfeiern. So haben sich etwa bei Hochzeitsfeiern in Kelsterbach und Wiesbaden weit über 60 Menschen mit dem Virus angesteckt.

Die Stadt Pohlheim will sich in die Reihe dieser "Hotspots" nicht einreihen. Bürgermeister Udo Schöffmann kündigte nun in den "Pohlheimer Nachrichten" an, dass die Stadt ihre Liegenschaften - sprich Hallen und Dorfgemeinschaftshäuser - nicht mehr für private Feiern vermieten werde.

"Die Hotspots sind bei den Privatfeiern entstanden", sagte Schöffmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Während sich die Menschen in den Supermärkten oder Apotheken an die Abstandsregeln und Maskenpflicht halten würden, sei dies bei Familienfeiern kaum der Fall: "Spätestens nach dem dritten Bier ist das vergessen."

Ordnungsamt muss einschreiten

In den vergangenen Wochen habe das Ordnungsamt bereits mehrfach Feiern auf privaten und öffentlichen Grundstücken auflösen müssen. Dabei habe es Licht und Schatten gegeben: Vielen hätten sich einsichtig gezeigt. In solchen Fällen habe es das Ordnungsamt meist bei einer Ermahnung und der Auflösung der Feier belassen. Wenn jedoch dieselben Personen ein paar Tage später erneut unter Missachtung der Hygieneregeln Party gemacht hätten, seien Bußgelder verhängt worden.

Dem Ordnungsamt der Stadt Pohlheim obliege es, die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln in ihren Gebäuden bei Feiern zu überprüfen. Schöffmann hält dies in der Praxis für kaum umsetzbar: Ein oder zwei Ordnungsamtsmitarbeiter könnten sich gegen eine große Gruppe Feiernder nur bedingt durchsetzen. "Die Einsicht der Feiernden zu später Stunde und bei ausgelassener Stimmung" tendiere gegen Null. Zudem würden die personellen Kapazitäten fehlen, um Feiern durchgehend zu überwachen. Daher würden Hallen und Bürgerhäuser zunächst bis zum 31. Oktober nicht mehr für Privatfeiern vermietet.

Andere Städte ziehen nicht nach

Mit diesem Schritt steht der Pohlheimer Bürgermeister im Landkreis Gießen bislang allein da, wie eine stichpunktartige Nachfrage in anderen Kommunen zeigt. Der Wettenberger Bürgermeister Thomas Brunner erklärte, dass derzeit nur wenige Vermietungen für private Feiern stattfinden würden, da die Nachfrage gering sei.

"Die Hygienekonzepte stehen in der Verantwortung des jeweiligen Nutzers und sind von diesem vorzuhalten", sagt Brunner. Gesundheitsamt, Polizei oder gemeindliches Ordnungsamt könnten diese kontrollieren. "Wir haben aktuell keine Hinweise, dass die Veranstaltungen in der Vergangenheit unter Missachtung der in Hessen geltenden Regeln stattgefunden haben." Er sieht eher Feiern im privaten Umfeld als kritisch, von denen die Behörden keine Kenntnis hätten. Dort seien "wahrscheinlich auch keine Konzepte zur Hygiene- und Sicherheit erarbeitet" worden.

Die Stadt Lich plant derzeit ebenfalls kein Vermietungsverbot, sagte Bürgermeister Dr. Julien Neubert. "Wir werden das Infektionsgeschehen weiterhin nach wie vor beobachten und setzen auf die Vernunft der Bürger, sich vor einer Ansteckung zu schützen."

Bislang habe er diese Vernunft in der Bevölkerung feststellen können: "Wenn ich aktuell Besuche anlässlich von Ehejubiläen durchführe und dort auch kleinen Privatfeiern beiwohne, kann ich keinerlei Verstöße gegen die nach wie vor geltenden Abstands- und Hygieneregeln feststellen", sagt Neubert.

Unkoordinierte Vorstöße einzelner Kommunen sieht man im Licher Rathaus mit Skepsis: "Sollten wir nun in der nächsten Zeit zu der Erkenntnis kommen, dass die Bereitstellung unserer Dorfgemeinschaftshäuser für Feierlichkeiten zu einer Verschärfung des Infektionsgeschehens führt, dann wünsche ich mir eine Abstimmung zwischen den Kommunen, um auch wirklich effektiv einer zunehmenden Ausbreitung des Corona-Virus entgegenwirken zu können", sagt Neubert.

Auch in Langgöns sieht man bislang keinen Handlungsbedarf - da es noch keine Familienfeiern gab. "Im Moment gibt es keine Bestrebungen, an den Bedingungen etwas zu ändern", sagte der Erste Beigeordnete Hans Noormann. "Wenn Feiern stattfinden, wird auch kontrolliert." Bislang habe das Langgönser Ordnungsamt lediglich zwei größere Vereinsveranstaltungen verzeichnet: eine Helferfeier der Burschenschaft Dornholzhausen und den Zürich-Cup der Handballer in der Sporthalle. "Beide Veranstaltungen wurden kontrolliert."

Vereine nicht betroffen

Die Vereine seien von dem Vermietungsverbot nicht betroffen, betont Pohlheims Bürgermeister Schöffmann. Diese würden für ihre Veranstaltungen Hygienekonzepte vorlegen. Bisher habe man dort keine Probleme festgestellt, da die Vereine selbst ein Interesse an der Einhaltung haben: "Sie sehen sich selbst in der Pflicht und wollen, das es weiter geht."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare