Kita im Wald

Pohlheim plant Waldkindergarten am Schiffenberg

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Wo einst Indianer ihr Unwesen getrieben haben, könnten schon Bald Kinder die Natur entdecken. Der geplante Waldkindergarten soll aber nicht nur Pohlheimer Eltern ansprechen.

Zurück zu den Wurzeln könnte es bald für Pohlheimer Kinder heißen – und zwar im buchstäblichen Sinne. Die Stadt erörtert gerade die Möglichkeit, am Schiffenberg einen Waldkindergarten zu errichten. Standort soll das ehemalige Westernlager »Rocky Hill« sein, wie Bürgermeister Udo Schöffmann am Dienstagabend den Mitgliedern des Sozialausschusses mitteilte. Grundlage war ein Antrag der Freien Wähler, die die Errichtung eines Waldkindergartens angeregt hatten.

Es waren die 60er und 70er Jahre, als die Indianer den Schiffenberg eroberten. Beziehungsweise Karl-May-Fans, die am Gießener Hausberg ihre Westernleidenschaft auslebten, in Indianerkostümen gemeinsam Zeit verbrachten und neben Hütten sogar eine Kirche mit Glockenturm errichteten. Quasi eine Bad Segeberg im Kleinen. Diese Bautätigkeit der »Sioux« und »Apachen« könnte den Pohlheimer Politikern nun in die Karten spielen. Denn noch heute stehen einige Gebäude, die vom Waldkindergarten genutzt werden könnten. Nicht nur deshalb bezeichnete Schöffmann den Platz als ideal für das Vorhaben. So könne zum Beispiel der nahe in Hausen gelegene ehemalige Jugendraum als Notquartier genutzt werden, wenn das Wetter einen Aufenthalt im Wald mal verhindern sollte.

»Einen besseren Ort für einen Waldkindergarten werden wir nicht finden«, betonte Schöffmann.

Wir heißt in diesem Fall Pohlheim und Gießen. Denn die beiden Städte planen den Waldkindergarten gemeinsam zu nutzen, wobei Pohlheim laut Schöffmann die Trägerschaft übernehmen soll. Es könne aber auch sein, dass die Trägerschaft an die Lebenshilfe vergeben werde. Die ist seit vielen Jahren Pächter dieses Areals, genutzt wird es aber schon lange nicht mehr. Gemeinsam mit Gießens Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich und Lebenshilfe-Chef Dirk Oßwald habe man das Areal bereits besichtigt und als prädestiniert eingestuft. »Es müssen aber auch Gebäudeteile abgerissen werden«, sagte Schöffmann den Ausschussmitgliedern. Gießen werde nun eruieren, welche Kosten durch die Instandsetzung fällig würden und wie mit der Verkehrssicherheit umzugehen sei, schließlich liege das Areal nicht weit entfernt von der Kreisstraße zwischen Hausen und Gießen an der Abzweigung nach Petersweiher.

Das Gelände wurde also für gut befunden. Was jetzt noch fehlt, sind die passenden Erzieher. »Das wird eine schwieriges Unterfangen«, prophezeite Schöffmann. Man könne die Aufgabe nicht einfach auf eine klassische Erzieherin überstülpen. »Für diese Arbeit muss man geboren sein.« Sobald Zahlenmaterial aus Gießen vorliege und die Trägerschaft von den Pohlheimer Stadtverordneten geklärt sei, werde man sich auf die Suche machen.

Die Suche nach interessierten Eltern dürfte hingegen wesentlich einfacher ausfallen. Bei einer Befragung von Eltern aktueller Kindergartenkinder hätten sich viele Mütter und Väter für die Errichtung eines Waldkindergartens ausgesprochen. »44 Eltern würden sogar wechseln. Wenn es nur die Hälfte machen würde, hätten wir die Gruppe schon voll«, sagte Schöffmann. Und wenn wider Erwarten doch nicht genügend Pohlheimer Eltern Interesse zeigten, würden sich bestimmt Eltern aus angrenzenden Kommunen freuen.

Reiner Leidich (CDU) konnte nur zustimmen. »Der Waldkindergarten in Allendorf/Lumda ist voll, der in Gießen und Leihgestern auch. Landauf, landab wird über diese Form diskutiert. Ich finde die Stoßrichtung daher richtig. Wenn es klappt, wäre das eine schöne Sache.«

Sozialdemokrat Prof. Ernst-Ulrich Huster sah es ähnlich. Er sei Anhänger dieser Erziehungsform, Kinder würden so frühzeitig an die Natur herangeführt und in ihrer Persönlichkeitsbildung gestärkt. Wichtig sei aber, ein passendes pädagogisches Konzept anzubieten. Doch Huster sparte auch nicht an Kritik: »Wir fordern seit geraumer Zeit ein übergreifendes Konzept für die Kindergartenbetreuung in Pohlheim. Das wird immer wieder durch Einzelanträge konterkariert.« An seiner generellen Zustimmung änderte das aber nichts.

Lediglich Reimar Stenzel von den Grünen hatte so seine Probleme mit dem Thema. Das lag weniger am Waldkindergarten an sich, sondern vielmehr an der anvisierten Lokalität. »Ein Waldkindergarten sollte so gelegt sein, dass ihn alle Pohlheimer Eltern erreichen können.« Wer kein Auto habe, sei von dem Angebot ausgeschlossen. »Das ist ein großer Fehler in dem Konzept«, monierte Stenzel. Fabian Schäfer (FDP) erinnerte jedoch daran, dass an der Kreuzung Schiffenberg/Petersweiher ein Bus halte.

Abschließend stimmten alle Ausschussmitglieder dafür, das Vorhaben weiter zu verfolgen. Ab wann die Kinder den »Rocky Hill« besiedeln können und wer die Trägerschaft schlussendlich übernehmen wird, steht aber noch in der Sternen. Die Antwort kennt nur der große Manitu.

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