Auf der Großbaustelle an der Ecke des Lückebachs und der Herderstraße in Pohlheim in Landkreis Gießen ist es zu einem Rohrbruch mit schweren Folgen gekommen.
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Auf der Großbaustelle an der Ecke des Lückebachs und der Herderstraße in Pohlheim in Landkreis Gießen ist es zu einem Rohrbruch mit schweren Folgen gekommen.

Einer Katastrophe entgangen

Baustelle: Erst Rohrbruch, dann Unfall – Bürgersteig sackt ab, Arbeiter schwer verletzt

  • vonAlexander Stripling
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In Pohlheim im Landkreis Gießen ist es auf einer Baustelle zu einem Rohrbruch gekommen, der es in sich hatte. Beim Sichern wurde ein Arbeiter schwer verletzt.

  • In Pohlheim im Landkreis Gießen hatte ein Rohrbruch auf einer Großbaustelle schwere Folgen 
  • Ein Bürgersteig sackte ab und eine Evakuierung stand im Raum
  • Bei Sicherungsarbeiten wurde ein Arbeiter schwer verletzt

Pohlheim - Ein vermeintlich gewöhnlicher Rohrbruch der Wasserleitung führt am späten Samstagabend (13.06.2020) in Watzenborn-Steinberg zu gravierenden Folgen vor allem für den Baustellenbetreiber einer Wohnanlage an der Herderstraße. Bei den Arbeiten wird im Laufe der Nacht nach der Kollision eines Baggers mit einem Kran ein Bauarbeiter schwer verletzt. 

Es begann am späten Samstagnachmittag, als gegen 17.50 Uhr die Feuerwehr um Hilfe gerufen wurde von den Anwohnern des Hauses Herderstraße 20, denen der eigene Gehsteig vor dem Haus buchstäblich unter den Füßen wegrutschte. Der Fußweg, der direkt an die Baugrube der anliegenden Baustelle angrenzt und von dieser durch einen Zaun geschützt wird, hatte sich bei Ankunft der Feuerwehr bereits um etwa 10 Zentimeter gesenkt – Grund dafür war die Unterspülung durch den Bruch eines Wasserrohres unter dem Gehweg. 

Pohlheim bei Gießen: Rohrbruch auf Baustelle sorgt für Großaufgebot

Wie der Einsatzleiter der Pohlheimer Feuerwehr, Bernd Schöps, erläuterte, wurde sogleich festgestellt, dass auch der stählerne Spundbohlen-Verbau, der die Baugrube vor einem Erdrutsch sichern sollte, durch die Unterspülung in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Spundwand hatte sich um etwa 15 Zentimeter zur Baugrube hin gefährlich geneigt. 

Von nun an herrschte reger Betrieb an der Unfallstelle. Der Wasserversorger schickte Mitarbeiter, die die Wasserleitung absperrten, damit der Gehweg und die Spundwand nicht weiter unterspült werden. Für das betroffene Haus wurde eine Notleitung installiert. Weil die Feuerwehr unter dem Gehweg eine bereits teilweise freigespülte Gasleitung entdeckte, wurden auch die Vertreter der Stadtwerke Gießen an die Unfallstelle gerufen, die aber befanden, dass dies nicht gefährlich sei. Auch der Baustellenbetreiber wurde sofort informiert, der vorab einen Statiker und einen Bodengutacher entsendete. 

Rohrbruch auf Baustelle in Pohlheim bei Gießen: Evakuierung wurde in Betracht gezogen

Das Technische Hilfswerk wurde um Hilfe gebeten, ein Baufachberater des Landkreises hinzugezogen, ein Rettungswagen der Johanniter zur eigenen Sicherheit der an der Unfallstelle anwesenden Menschen gerufen und der Bürgermeister der Stadt Pohlheim informiert, der auch sofort an die Unfallstelle eilte. Die erste Sorge galt dabei den Bewohnern des betroffenen Hausblocks, dessen Zuhause dem Gehsteig gleich auch abzusacken drohte. Die Feuerwehr und die Stadt bereiteten sich darauf vor, das Haus zu evakuieren müssen. Nach eingehender Untersuchung beurteilte der Baufachberater des Landkreises schließlich, dass das Wohnhaus nicht gefährdet ist. Das Spezialteam für Gebäudesicherheit des THW aus Bad Nauheim schloss sich diesem Urteil an.

Der Gehweg an der Herderstraße war in der Folge des Rohrbruchs abgesackt. Er wurde mit Planen und Sandsäcken abgeriegelt.

Trotzdem wurden am Haus von THW-Spezialisten mehrere Markierungen angebracht, um durch ein Spezialgerät zu beobachten, ob sich das Haus in Richtung des Erdrutsches bewegt oder nicht. Mittlerweile waren 32 Kräfte der Feuerwehr mit Absicherungsmaßnahmen und Beleuchtung der Unfallstelle beschäftigt. Der abgesackte Gehweg wurde mit einer Plane abgedeckt und mit Sandsäcken abgeriegelt, um aufkommendes Regenwasser abzupumpen.

Schwerer Unfall bei Arbeiten nach Rohrbruch auf Baustelle in Pohlheim bei Gießen

Zwischenzeitlich waren auch die Verantwortlichen des Bauunternehmens vor Ort und beschlossen als Sofortmaßnahme, die Spundwand mit 1800 Tonnen Schotter und Steinerde gegen das Abrutschen zu verfestigen. Schweres Gerät - Bagger und Lastkraftwagen rollten an und dabei kam es zu einem Unfall. Nachdem ein Bagger von einem LKW abgeladen wurde, ging der Baggerführer derart übermotiviert ans Werk, dass er einen nebenan arbeitenden Kran nicht beachtete. 

Die Baggerschaufel verfing sich dabei in den Stahlseilen des Krans, an dessen Haken ein Bauarbeiter gerade eine Last befestigte. Der Bagger zog derart stark an den Seilen, dass der große Baukran ins gefährliche Schwanken geriet und die schaulustigen Personen am Straßenrand in die Flucht trieb. Der Bauarbeiter wurde unter einer Palette Steine begraben, befreite sich jedoch selbständig unter großen Schmerzen. Er wurde von den anwesenden Sanitätern der Johanniter behandelt, ein Notarzt wurde hinzugerufen. Der schwerverletzte Mann wurde schließlich in ein Krankenhaus gebracht. 

Nach Rohrbruch auf Baustelle: Fertigstellung der Wohnanlage in Pohlheim bei Gießen verschiebt sich

Die Großbaustelle an der Ecke des Lückebachs und der Herderstraße hatte erst vor Kurzem nach vielem hin und her Gestalt angenommen. Bis 2021 sollen hier 46 Wohneinheiten, verteilt auf drei Gebäude, sowie eine Tiefgarage und Hofanlage entstehen. Nach diesem Zwischenfall in der Nacht auf Sonntag (14.06.2020) wird der Termin der Fertigstellung offensichtlich in weite Ferne rücken. Die ganze Nacht hindurch wurde an der Unfallstelle gearbeitet. Rund 1500 Tonnen Kies und Steinerde wurden per LKW herbeigeschafft und entlang der Spundwand aufgeschüttet und verfestigt. Erst um 7.00 Uhr morgens herrschte wieder Ruhe in der beschaulichen und stillen Ecke von Watzenborn-Steinberg. 

Nach noch nicht offiziell bestätigten Informationen führte die fehlerhafte Statikberechnung und infolge dessen nicht ausreichend stabil verbaute Spundbohlenwand zu diesen gravierenden Folgen an der Baustelle an der Herderstraße. Erst das Nachgeben der stählernen Wand - die ebendies verhindern sollte – unter der Last der Erde führte demnach zum Rohrbruch und der Unterspülung des Gehwegs samt der Wand selbst. Die Verantwortlichen des Bauprojektes sind haarscharf an einer großen Katastrophe vorbeigeschlittert.

ast

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