Auf 4,5 Hektar Acker, Wiese und Streuobstareal soll hier für den Naturschutz eine Ausgleichsfläche für den Bau von 70 Häusern in Hausen entstehen.
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Auf 4,5 Hektar Acker, Wiese und Streuobstareal soll hier für den Naturschutz eine Ausgleichsfläche für den Bau von 70 Häusern in Hausen entstehen.

Elf Jahre Warten

Pohlheim droht Konflikt mit Landwirt: „Es geht um die Existenz meines Betriebs“

  • vonStefan Schaal
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Seit 2009 muss sich Landwirt Edwin Zulauf aus Pohlheim in Geduld üben. Weil sich ein Baugebiet in Hausen erheblich verzögert hat, muss Zulauf seitdem warten, bis beschlossene Ausgleichsflächen auf seinem Gebiet entstehen können. Dabei geht es auch um viel Geld.

  • In Pohlheim droht Ärger zwischen der Stadt und einem örtlichen Landwirt.
  • Seit elf Jahren hält Edwin Zulauf 4,5 Hektar Ackerflächen für die Kommune frei.
  • Die Warterei macht den Pohlheimer unruhig, es geht um die Existenz seines Betriebs, sagt er.

Pohlheim – Friedliche Stille herrscht am östlichen Rand Hausens. Am Horizont reicht der Blick bis zum Hoherodskopf. Die Schritte neugieriger Schafe lösen ein leises Rascheln aus. »Ja«, sagt Edwin Zulauf trocken, während er an der Koppel steht. Hier, auf dem Ackerland des 67 Jahre alten Pohlheimers, soll für den Naturschutz eine 4,5 Hektar große Ausgleichsfläche für den Bau von 70 Häusern in Hausen entstehen. Doch Zulauf wartet - seit inzwischen elf Jahren.

Pohlheim: Landwirt fürchtet „enormen Schaden“

Zulauf hat seinen landwirtschaftlichen Betrieb 2008 auch vor dem Hintergrund dieser Ausgleichsfläche gegründet. »Ich habe im Stadtparlament von allen Fraktionen den Auftrag bekommen, diese Flächen zu schaffen«, sagt er. »Ich halte die 4,5 Hektar daher frei. Wenn es zu diesen Ausgleichsflächen nicht kommt, wäre der Schaden enorm.« Ihm gehe es auch um Vertrauen.

Zulauf pflegt insgesamt 18 Hektar Acker, Grünland und Streuobstwiesen, hält knapp 20 Kühe und einige Schafe. Er sei Biolandwirt im Nebenerwerb, sagt er. »Ich verzichte komplett auf Pestizide und Herbizide.« Er habe damals Flächen übernommen, »die auch vorher schon immer ohne Chemikalien bewirtschaftet worden sind«. Auch daher sind seine Flächen als Ausgleichsgebiet bestens geeignet.

Landwirt beschwert sich über Pohlheimer Politik: „Nichts passiert“

Das Pohlheimer Stadtparlament hat seine Flächen bei der Verabschiedung des Bebauungsplans festgelegt. »Meine Flächen stehen schwarz auf weiß im Beschluss«, sagt Zulauf. »Das ruht bis heute. Und es passiert nichts.«

Zumindest am Baugebiet Hausen-Ost tut sich allmählich endlich etwas, nachdem sich die Stadt beim Kauf der Grundstücke lange Jahre die Zähne ausgebissen hat. Der erste Bauabschnitt wird momentan erschlossen.

Freilich geht es für Zulauf bei den Ausgleichsflächen auch um Geld. Um viel Geld. Stellt er die 4,5 Hektar zur Verfügung, würde das von der Stadt kompensiert werden. Rund 650 000 Ökopunkte sind nach damaligem Naturschutzrecht als Ausgleich für das Baugebiet Hausen-Ost veranschlagt worden. Zulauf rechnet mit rund 6000 Euro pro Jahr, die er erhalten könnte. Bei einer Laufzeit von 30 Jahren wohlgemerkt. »Das ist noch Verhandlungssache, diese Summen sind noch nicht festgelegt.« Es wären allerdings mehr Einnahmen als die Fördergelder, die er derzeit für den Biolandbau erhält, ist sich Zulauf sicher. »Es geht um die Existenz meines Betriebs«, fügt er hinzu.

Pohlheim: Landwirt will im Zweifel klagen

Zulauf erwartet, dass in naher Zukunft ein städtebaulicher Vertrag mit ihm geschlossen wird. Gerade weil es um viel Geld geht, befürchtet Zulauf, dass er leer ausgeht. »Am Ende könnten meine Flächen aus dem Bebauungsplan fliegen«, sagt er. »Das wäre nicht rechtens.«

Zulauf vermutet, dass die Stadt die Ausgleichsflächen auf den nahe gelegenen Kuhberg verlegen könnte. Diese Fläche gehört der Stadt und steht ihr nach Verpachtung - einst übrigens an Zulauf - inzwischen frei zur Verfügung, Kompensationszahlungen wären somit überflüssig. Allerdings will der Landwirt nicht klein beigeben. Er habe einen Rechtsanwalt eingeschaltet, berichtet der Hausener. »Sollte ich per Beschluss im Stadtparlament rausgeworfen werden, was die Ausgleichsflächen angeht, dann werde ich klagen.«

Der Fall zeigt Konsequenzen aus Verzögerungen bei Bauvorhaben auf, die sonst eher wenig beachtet werden. Er sei zu Gesprächen und Lösungen bereit, betont Zulauf. Entschieden ist in der Sache noch nichts. Die Stadt Pohlheim hat ihm allerdings bereits 2013 geschrieben, dass sich bei den Ausgleichsflächen für das Baugebiet Hausen-Ost »die politischen Prioritäten verschoben« haben. »Eines der Ziele ist, den Haushalt durch den Verkauf von Öko-Punkten zu entlasten.« Es sei daher möglich, »dass die Ausgleichsflächen für das Baugebiet Hausen-Ost auf politischer Ebene überprüft werden könnten«.

Stadt Pohlheim sieht nicht, dass die Zeit drängt

Da die Flächen von Zulauf inzwischen landwirtschaftlich genutzt werden, »erfolgt eine Wertschöpfung«, die dem Landwirt doch zugutekomme, erklärt die Stadt. Und auch wenn der Hausener Landwirt nun schon seit mehreren Jahren warte, dränge die Zeit noch lange nicht. »Ausgleichsmaßnahmen werden umgesetzt, wenn etwa 60 Prozent der Baumaßnahmen umgesetzt worden sind.«

Und so muss Zulauf zunächst weiter warten. Der frühere stellvertretende Stadtbrandinspektor Pohlheims war in seiner Stadt nie politisch aktiv. Nun bereitet er sich auf einen Konflikt mit der Stadt vor. Notfalls vor Gericht.

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