+
Der Auftakt eines Prozesses wegen gewerbsmäßigem Bandendiebstahl nimmt einen überraschenden Verlauf.

Landgericht

Komplettes Flugzeug in Pohlheim gestohlen: Kurioser Verlauf vor Gericht

  • schließen

Ein 42-Jähriger soll unter anderem ein Kleinflugzeug aus der Halle eines Flugplatzes in Pohlheim gestohlen haben. Nun muss neu verhandelt werden, weil es eine überraschende Verbindung eines Schöffen zu einer Zeugin gibt.

Pohlheim - Die Prozessbeteiligten hatten sich schon auf einen langen Tag vor Gericht eingestellt, mehrere Zeugen sollten am Montag gehört werden. Statt dessen gab es am Vormittag mehrere Unterbrechungen und am Ende ein Kuriosum: Weil dem Befangenheitsantrag des Verteidigers gegen einen beteiligten Schöffen stattgegeben wurde, muss der Prozess wegen gewerbsmäßigen Bandendiebstahls erneut verhandelt werden - mit einem anderen Schöffen und voraussichtlich im Frühjahr. 

Der Grund für die kurzfristige Änderung: Die Tochter des ehrenamtlichen Schöffen war in dem Fall "Ermittlungsführerin" bei der Polizei. Auch sie hätte im Laufe des Montags als Zeugin gehört werden sollen.

Prozess um Flugzeugdiebstahl in Pohlheim: "Besorgnis der Befangenheit"

In einer Sitzungsunterbrechung, noch bevor der erste Zeuge an der Reihe war, wies der Schöffe den Vorsitzenden Richter auf das verwandschaftliche Verhältnis hin. Dieser informierte dann Staatsanwaltschaft und Verteidigung darüber. Die persönliche Nähe des Schöffen zur Zeugin liege "auf der Hand", sagte der Verteidiger. Wegen der "Besorgnis der Befangenheit" lehnte er den ehrenamtlichen Richter ab - mit dem Hinweis, dass dies nicht gegen ihn persönlich gerichtet sei. 

Nach abermaliger Pause folgte das Gericht dem Ablehnungsgesuch. Allein wegen des Verwandtschaftsverhältnisses sei die Sorge, der Schöffe könne nicht unvoreingenommen sein, begründet.

Schöffen, die als gewählte Laienrichter gemeinsam mit Berufsrichtern an Urteilen mitwirken, werden erst kurzfristig informiert, welche Fälle ihnen zugewiesen werden - dies erklärt möglicherweise, warum das Verwandtschaftsverhältnis in diesem Fall nicht früher aufgefallen ist. Da kurzfristig kein anderer Schöffe gefunden werden konnte, der am Montag hätte nachrücken können, wurde die Verhandlung vorerst abgesetzt. Die neue Verhandlung wird voraussichtlich im Februar stattfinden.

Prozess um Flugzeugdiebstahl in Pohlheim: "Vermutlich weggefahren"

Der Fall, der am Montag eigentlich hätte ausführlich behandelt werden sollen, lässt aufhorchen: Einem 42-Jährigen wird vorgeworfen, sich Ende März 2018 mit zwei anderen Personen zusammengetan zu haben und in eine Halle eines Flugplatzes in Pohlheim eingestiegen zu sein. 

Der Litauer, der am Montag in Handschellen vorgeführt wurde, soll dann ein Ultraleichtflugzeug im Wert von gut 150 000 Euro, einen Motor und andere Gegenstände gestohlen, durch ein Schiebetor aus der Halle gebracht und "vermutlich weggefahren" haben, wie es in der Anklageschrift heißt. Die Staatsanwaltschaft legt ihm gewerbsmäßigen Bandendiebstahl zur Last.

Prozess um Flugzeugdiebstahl Pohlheim: Auslieferungshaft in Polen

Zu den Vorwürfen wollte sich der Angeklagte vor Gericht vorerst nicht äußern, lediglich zu seinen persönlichen Verhältnissen. Er lebe in Litauen und habe zwei Töchter. Unter anderem habe er als Mechaniker gearbeitet sowie Fahrzeuge vermietet, sei auch Jäger und habe zwei Jahre beim Militär verbracht, übersetzte eine Dolmetscherin. Der Mann war im Oktober 2018 nach Deutschland gebracht worden, zuvor hatte er in Polen in Auslieferungshaft gesessen. 

Zurzeit sitzt er in einem deutschen Gefängnis in Strafhaft. Wegen "gleichgelagerter Delikte" wie nun in Gießen sei er in Gera verurteilt worden, hieß es auf Nachfrage seitens der Staatsanwaltschaft. Der Tatverdacht bezüglich des Diebstahls in Pohlheim gründet sich offenbar unter anderem auf DNA-Spuren, dazu hätte am Dienstag ein Sachverständiger aussagen sollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare