Immer mehr Tests im Kreis auf Corona fallen in Pohlheim positiv aus. Im Rathaus wünscht man sich mehr Briefwahl bei der anstehenden Bürgermeisterwahl (Symbolbild).
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Immer mehr Tests im Kreis auf Corona fallen in Pohlheim positiv aus. Im Rathaus wünscht man sich mehr Briefwahl bei der anstehenden Bürgermeisterwahl (Symbolbild).

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Pohlheim: Lässt die Corona-Inzidenz von 159,9 die Bürgermeisterwahl wackeln?

  • vonStefan Schaal
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Vor allem in Pohlheim sind die Corona-Fallzahlen stark angestiegen. Die Stadt hat nun gar eine Inzidenz von 159,9 erreicht. Welche Folgen haben die hohen Fallzahlen für die anstehende Bürgermeisterwahl?

  • Im Kreis Gießen ist die Zahl der Corona-Infektionen in die Höhe geschnellt.
  • In Pohlheim ist die Inzidenz mit 159,9 besonders hoch.
  • Vor der Bürgermeisterwahl am 1. November sind die Sorgen nun riesig.

Pohlheim – Es sind besorgniserregende Zahlen. Während im gesamten Landkreis die rote und vierte von fünf Eskalationsstufen bei den Corona-Fallzahlen erreicht worden ist, steigt die Kurve der festgestellten Infektionen in Pohlheim in den vergangenen sieben Tagen noch deutlich schneller. Für die Stadt im Südkreis wurde am Montag eine Inzidenz von 159,9 vermeldet. Und so kommt die Frage auf, ob die Zahlen Auswirkungen auf das politische Geschehen haben. Muss wegen der Pandemie möglicherweise die in knapp zwei Wochen vorgesehene Bürgermeisterwahl in Pohlheim ausfallen?

Die hohe Sieben-Tage-Inzidenz sei beunruhigend, räumte auf Nachfrage der amtierende Rathauschef Udo Schöffmann ein. An der Wahl und am Termin am 1. November indes wird sich - zumindest nach jetzigem Stand - nichts ändern. Die Wahl war wegen Corona bereits von 23. August auf November verschoben worden. Durch ein im Landtag verabschiedetes Gesetz zum Schutz vor der Pandemie sind Wahlen erst wieder ab Sonntag kommender Woche erlaubt. Weil die Amtsperiode Schöffmanns am 31. Januar 2021 endet, ist der 1. November der einzige mögliche Termin aufgrund von Vorgaben in der Hessischen Gemeindeordnung für die Zeitspanne zwischen Wahl und Amtsantritt.

Coeona in Pohlheim: „Reine Briefwahl wäre anfechtbar“

Am gestrigen Montag hat Schöffmann indes mit dem hessischen Innenministerium konferiert und erörtert, ob zum Schutz vor der Pandemie eine ausschließliche Briefwahl denkbar wäre und ob die Wahllokale am 1. November geschlossen bleiben könnten. »Das gibt aber das Kommunalwahlrecht nicht her«, erklärt der Bürgermeister. »Eine reine Briefwahl wäre anfechtbar.«

In Bayern hatte es zwar im März dieses Jahres Stichwahlen bei den Kommunalentscheidungen ausschließlich per Brief gegeben. »Das war aber nur wegen eines allgemeinen Beschlusses im Landtag möglich«, erklärt Schöffmann (CDU), der am 1. November gegen den von der SPD, den Grünen und der FDP unterstützten parteilosen Herausforderer Andreas Ruck antritt.

Pohlheim: Bürgermeister hofft wegen Corona-Zahlen auf Briefwahl

»Trotzdem hoffe ich, dass möglichst viele Pohlheimer die Möglichkeit der Briefwahl nutzen.« Bisher seien im Rahmen der Bürgermeisterwahl per Brief 1700 Stimmzettel eingegangen. Eine Wahlbeteiligung von mehr als 30 oder 40 Prozent zeichne sich dadurch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ab. »Momentan liegen wir eher bei 15 Prozent«, sagte Schöffmann. Sein Gegenkandidat Ruck hat in den vergangenen Tagen seinen Wahlkampf von Tür zu Tür wegen der steigenden Corona-Fallzahlen eingestellt, Schöffmann hat darauf den gesamten Wahlkampf über verzichtet.

Im Laufe der vergangenen sieben Tage wurden rund 30 Pohlheimer positiv auf Corona getestet, dies hat für die Inzidenz von 159,9 gesorgt. »Das hört sich zunächst nicht nach einer hohen Zahl an«, sagte Schöffmann. »Die machen ja nicht mal einen halben Bus voll.« Allerdings handle es sich - abgesehen von einer fünfköpfigen Familie - überwiegend um voneinander unabhängige Ansteckungen in den Stadtteilen. Die Gefahr, dass sich bei einzelnen Infizierten die Ansteckung vervielfacht, sei größer. Gleichzeiteig falle die Zurückverfolgung der Infektionsketten zunehmend schwer.

Corona im Kreis Gießen: Lollar noch vor Pohlheim bei der Inzidenz

Schöffmann berichtete, dass im Lauf der Woche eine weitere Allgemeinverfügung zu erwarten ist. Dann soll es eine einheitliche Entscheidung aller Kommunen im Kreis zur Nutzung und zur Schließung von Hallen geben. Die Bürgermeister werden darüber am morgigen Mittwoch beraten.

Pohlheim ist im Kreis unterdessen nicht die Gemeinde mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz. Lollar weist mit 174,6 einen höheren Wert auf. In Wettenberg liegt die Inzidenz (Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner) bei 103,4.

Kreis Gießen: Inzidenz in Pohlheim und Lollar hoch – Privatfeiern spielen Rolle

Bereits in der vergangenen Woche war aufgefallen, dass die Corona-Fallzahlen in den Teilräumen des Kreisgebiets sehr unterschiedlich sind und der Teilraum Nord, zu dem auch Lollar zählt, im Vergleich zum gesamten Kreisgebiet eine recht hoche Infektionsrate aufweist. Laut Kreis-Pressesprecherin Nadine Jung ließen sich vergangene Woche 16 von 55 aktiven Fällen in den Teilräumen Nord und West auf eine Trauerfeier zurückführen, die außerhalb des Gießener Landkreises stattgefunden haben soll.

Landrätin Anita Schneider hat laut Schöffmann in einem Gespräch am Montag deutlich gemacht, dass Privatfeiern eine wesentliche Ursache für den aktuellen Anstieg der Fallzahlen seien. »Privatfeiern«, sagte Schöffmann, »das wird aktuell deutlich, sind maßgebliche Infektionsherde.«

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