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Vor der Kulturhalle in Garbenteich sind die Bänke bereits einbetoniert. Dennoch werden sie regelmäßig demoliert.

Wegen Vandalismus

Videoüberwachung in Garbenteich wegen Vandalismus?

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In Pohlheim ist die Kriminalitätsrate im Vergleich niedrig. Doch rund um die Kulturhalle Garbenteich kommt es oft zu Vandalismus. Die Stadt denkt nun über eine zeitweise Videoüberwachung nach.

Pohlheim - Pohlheim ist kein gefährliches Pflaster: Während hessenweit statistisch betrachtet 6000 Straftaten auf 100 000 Bürger pro Jahr kommen, sind es in Pohlheim - wenn man die Zahlen hochrechnet - 2600. Dennoch fühlen sich die Bürger unsicherer als früher. Um dem entgegenzuwirken, nimmt die Limesstadt nun als vierte Kommune im Landkreis an dem "Kompass"-Projekt teil. Ein Schwerpunkt könnte hierbei das Areal um die Sporthalle in Garbenteich werden.

Hinter der Abkürzung "Kompass" verbirgt sich das "Kommunalprogramm Sicherheitssiegel" des Landes Hessen. Buseck, Biebertal und Heuchelheim machen bereits mit, die Stadt Gießen stößt kommenden Monat dazu. Ein Ziel ist es, die Zusammenarbeit der Kommunen mit der Polizei weiter auszubauen. Außerdem sollen zielgruppenorientierte und auf die jeweilige Kommune angepasste Lösungen entwickelt werden. Kriminalhauptkommissar und "Kompass"-Koordinator Jörg Schormann erklärte, dass es beispielsweise für eine Schule andere Maßnahmen als für ein Seniorenzentrum brauche. Probleme, die es in manchen Städten gibt, seien auf dem Land unbekannt - und umgekehrt. Deshalb sei eine Bürgerbefragung geplant, um zu erfahren, was den Pohlheimer Sorgen bereitet und wo sie gefährliche Stellen sehen.

Bürger kennen Problemstellen am Besten

"Der Bürger selbst weiß am besten, wo der Schuh drückt", sagte Bürgermeister Udo Schöffmann. Auf die Frage nach Brennpunkten in Pohlheim musste er erst einmal überlegen. Punktuell käme es immer wieder zu Vandalismus. Diesen versuche man jedoch mit regelmäßigen Streifen des Freiwilligen Polizeidienst einzudämmen. Der Bereich um die Kulturhalle in Garbenteich habe sich jedoch als ein Hotspot der Zerstörungswut herausgestellt. Hier würden alle paar Tage die Mülleimer zerstört und selbst die einbetonierten Bänke herausgerissen. "Die Täter kann man nur kriegen, wenn man sie direkt aufzeichnet", sagte Schöffmann.

Videoüberwachung senkt in Gießener Ludwigstraße Diebstahlrate

Polizeidirektor Marc Göbel brachte hierfür die Möglichkeit einer zeitweiligen Videoüberwachung ins Spiel. In Gießen habe man diese zum Beispiel während der Fastnachtszeit in der Ludwigsstraße ausprobiert - mit dem Ergebnis, dass die Diebstahlrate auf fast null sank. Schöffmann begrüßte diese Idee. Beim Pohlheimer Wiesnfest sieht Göbel für solch eine Überwachung übrigens keinen Bedarf: Die Veranstaltung habe einen solch friedlichen Charakter und es gebe nur so wenig Fälle, dass dies nicht angemessen wäre.

Einen Bedarf für eine dauerhafte Videoüberwachung erwartet Schöffmann auch dann nicht, wenn das Mahnmal zum Völkermord an den christlichen Minderheiten vor 100 Jahren im Osmanischen Reich steht: "Aus Pohlheim kommt da keiner, der das demoliert." 20 Prozent der Pohlheimer Bevölkerung seien Aramäer. Die Pohlheimer mit türkischen Wurzeln würden das Mahnmal entspannt sehen, "die, die hier leben, haben damit kein Problem".

Keine Angst ums Völkermord-Mahnmal

Kritik sei vor allem von außerhalb und aus der Türkei gekommen. Zur Demonstration gegen das Denkmal vor ein paar Tagen seien Teilnehmer von Frankfurt aus angereist. Auf den Hinweis, dass der Beschluss für das Mahnmal wegen einer Kundgebung kaum zurückgenommen wird, sagte damals eine Demonstrantin: "Wenn in zehn Jahren mehr Türken hier leben, vielleicht schon." Gegen solche Aussagen müsse der Staat vorgehen, sagte Schöffmann. "Wer so denkt, kann in die Türkei zurückgehen. Hier muss man Mehrheitsentscheidungen akzeptieren."

Die Kritik aus türkischen Regierungskreisen habe eher dafür gesorgt, dass sich noch mehr Pohlheimer hinter das Mahnmalprojekt gestellt hätten, sagte der Bürgermeister. "Wir lassen uns nicht von der Türkei vorschreiben, was wir in unserer Stadt machen."

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