Anne Christin Fay (Foto: pm)
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Anne Christin Fay (Foto: pm)

Agrar-Familie 2017

So plant Familie Fay den Bauernhof der Zukunft

  • vonStefan Schaal
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Familie Fay ist "Agrar-Familie 2017". Und die Pohlheimer haben noch einiges vor. Neue Geschäftsfelder wie ein Drive-In-Schalter sollen die Zukunft sichern. Was die Fays sonst noch machen wollen.

Der Himmel ist dunkelgrau, es regnet den ganzen Morgen. Ein guter Tag, um Familie Fay auf ihrem landwirtschaftlichen Hof südlich von Watzenborn-Steinberg zu besuchen. "Wäre es trocken, würden wir auf den Feldern arbeiten", sagt Catja Fay. "Am Sonntag haben wir bis nachts um 1 Uhr Raps gedroschen." Die Fays sind – wie berichtet – die "Agrar-Familie 2017". Bei einem Wettbewerb der Landwirtschaftlichen Wochenblätter und der Internetplattform "agrarheute" erhielten sie die meisten Stimmen. Eine bedeutende Rolle spielte dabei, dass sich alle drei Kinder in dem Betrieb einbringen – und selbst Landwirte werden wollen.

Wenn alle Kinder den Hof gemeinsam führen wollen, gibt es Stress

Catja Fay

Der 25-jährige Philipp und seine 22-jährige Schwester Anne Christin studieren Agrarwirtschaft, haben während ihrer Ausbildung bereits auf Bauernhöfen in Neuseeland gearbeitet. Den selben Weg strebt der 18 Jahre junge Thomas an, der gerade sein Fachabitur abgelegt hat. Wie seine Geschwister unterstützt er die Eltern und Großvater Walter bei der Arbeit. "Wenn alle drei Kinder den familiären Hof gemeinsam führen wollen, gibt es aber Stress", hält Catja Fay fest. Ihr Mann ergänzt: "Die Kinder müssen neue Geschäftsfelder finden." Möglich seien zum Beispiel ein Obst- und Gemüsehandel oder die Einrichtung eines Parcours für Fußballgolf. "Ich und meine Frau sind über 50", sagt er indes. "Wir müssen nichts entscheiden." Online Rindersteaks, Kartoffeln und Eier bestellen  

Philipp Fay hat kürzlich seine Bachelorarbeit über die Entwicklung eines Internet-Versandhandels für landwirtschaftliche Produkte geschrieben. "Wir wollen einen Drive-In-Schalter aufbauen", erklärt er. "Kunden können online Rindersteaks, Kartoffeln oder Eier bestellen. Dann fahren sie in Schrittgeschwindigkeit einen Rundweg auf dem Hof, vorbei an Hühnern, Rindern und Schweinen, bis sie an einem Schalter die Waren erhalten." Die Hälfte des Rundwegs ist bereits gepflastert. "Auch die Baugenehmigung für einen neuen Hofladen haben wir, dieses Jahr wollen wir mit den Arbeiten anfangen." Der Laden ist derzeit in einer ehemaligen Waschküche untergebracht.

400 Hühner, 100 Rinder, 20 Schweine Die Familie bewirtschaftet 150 Hektar Ackerfläche. Außerdem hält sie 400 Hühner, 100 Rinder und 20 Schweine. Ein Metzgermeister schlachtet alle zwei Wochen zwei Schweine und ein Rind auf dem Hof. Eine Hälfte des 280 Kilogramm schweren Rindfleischs verkaufen sie im Hofladen, die andere Hälfte geht an die Limesmetzger in Hungen.

Der Beruf des Landwirts ist anstrengend, bisweilen aufreibend. "Es geht auch mal an die Nerven", gesteht Catja Fay – eine gelernte Krankenschwester. Kürzlich wollte sich die 49-Jährige, die den Hofladen führt, ein paar freie Tage gönnen. Schilder machten auf den Urlaub aufmerksam. "Es kamen so viele Leute auf den Hof, am Ende habe ich dann doch Eier verkauft. Es ist gar nicht so einfach, Raum und Zeit für sich zu finden."  

Die schönen Seiten des Berufs

Warum streben ihre Kinder dann den Beruf an? Philipp lacht auf. "Falsche Erziehung", sagt er im Scherz. "Zweifel habe ich immer noch", gesteht er dann. "Aber unsere Eltern haben nie gejammert." Sicher gebe es Jobs, in denen man acht Stunden im Büro sitzt und mehr Freizeit hat. Doch als Landwirt sei er sein eigener Herr. "Abends über die Wiesen schlendern, die Tiere, die Natur – es gibt schöne Seiten des Berufs." Freunde, fügt er hinzu, könne er weiterhin treffen. "Sie kommen meistens eben hierher, treffen sich bei uns auf dem Hof."

Hofladen in Betriebsferien

Der Hofladen im Obersteinberger Hof hat derzeit Betriebsferien, öffnet erst wieder am 11. und 12. August seine Pforten. Was die Fays als "Agrarfamilie 2017" mit den 12 000 Euro Preisgeld unternimmt? Catja Fay lässt durchscheinen, was sie bevorzugt: "Unser Jüngster, Thomas, hat einen gemeinsamen Urlaub vorgeschlagen."

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