Die Arbeiten am Bau von 46 Wohnungen für 7,5 Millionen Euro werden bereits wieder fortgesetzt.
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Die Arbeiten am Bau von 46 Wohnungen für 7,5 Millionen Euro werden bereits wieder fortgesetzt.

Ursachenforschung

Pfusch am Bau? Wer ist verantwortlich für Unglück von Pohlheim?

  • vonStefan Schaal
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Wohl mehr als 200 000 Euro Schaden sind beim folgenschweren Wasserrohrbruch in Watzenborn-Steinberg entstanden. Nun läuft die Ursachenforschung.

Der Wasserrohrbruch am vergangenen Wochenende an einer Baustelle in Watzenborn-Steinberg dürfte die beteiligten Bauunternehmen noch über Jahre beschäftigen. Die Frage, wie es zur gefährlichen Neigung einer Spundwand gekommen ist und wer die Schuld trägt, wird vermutlich erst vor Gericht geklärt werden.

Während die Arbeiten für 7,5 Millionen Euro am Bau von 46 Wohnungen aktuell bereits wieder fortgesetzt werden, schätzt ein Fachberater den Schaden durch den Rohrbruch auf mehr als 200 000 Euro. Vieles deutet darauf hin, dass auf der Baustelle gepfuscht worden ist. Die Frage ist nur: An welcher Stelle? "Die Spundwand zum Schutz der Baugrube war nicht ausreichend verankert", sagt Gerhard Klingelhöfer, Fachberater an dem Bauprojekt. Darauf sei bei einem Treffen der beteiligten Bauunternehmen am 20. Mai hingewiesen worden. Eine Planung für eine Rückverankerung der Spundwand stehe auf der Baustelle seit Monaten aus. Die Bauaufsicht des Landkreises berichtet, dass nun erneut geprüft werde, ob eine Verankerung der Spundwände oder eine Abstützung durch Stahlträger möglich ist.

Gehweg hat sich bereits Anfang vergangener Woche abgesenkt

Klingelhöfer berichtet, dass sich der Gehweg an der Baustelle, unter dem es zum Rohrbruch gekommen ist, bereits Anfang vergangener Woche um zehn Zentimeter abgesenkt habe. "Die Stützwand hat sich verformt, das Erdreich ist abgesunken." Dies habe den Rohrbruch verursacht. Das Grundstück war seit 1954 in Besitz der Familie Klingelhöfers. 2018 musste sie es aufgrund einer Insolvenz der Firma des Sohnes verkaufen, es ging an das Unternehmen GHI in Linden. Dieses wiederum verkaufte es an den heutigen Bauträger, die 4V Bau GmbH. Vertreter der GmbH wollten sich nicht äußern.

Widerspruch erhält Klingelhöfer von Dr. Frank Aschenbrenner, der auf der Baustelle als Statiker und Bodengutachter tätig ist. Die Spundwand sei ausreichend stabil gebaut, betont er. "Es wurde zu viel Erde ausgebaggert", vermutet er - und richtet den Vorwurf damit an Klingelhöfers Sohn, der auf der Baustelle für Abbruch und Erdbau verantwortlich ist.

Wasserleitung im vergangenen Jahr erneuert

Einen weiteren Verdacht äußert ein Anwohner. Esref Günes berichtet, dass an der Stelle, an der der Rohrbruch aufgetreten ist, im vergangenen Jahr die Wasserleitung erneuert worden sei. "Nicht ordentlich", glaubt Günes. Er hatte am Samstag die Feuerwehr gerufen. Am frühen Nachmittag bereits hatte er entdeckt, dass der Gehweg vibrierte und ein tiefes Brodeln zu hören war.

Bei allen Vermutungen und Vorwürfen gibt es indes eine gute Nachricht: Dem in der Nacht auf Sonntag verunglückten Arbeiter geht es den Umständen entsprechend gut. Beim Sichern der Baustelle waren von einer Palette Steine auf ihn herabgefallen, glücklicherweise ist er mit Prellungen, blauen Flecken und dem Schrecken davongekommen.

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