Prozessauftakt

"Pflaume" und "Sliwowitz" vertickt?

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Ein in Pohlheim wohnender 40-jähriger Mann muss sich wegen Waffen- und Drogenhandels vor Gericht verantworten.

Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und der Handel mit Betäubungsmitteln - diese Taten werden einem in Pohlheim wohnenden Mann zur Last gelegt. Am gestrigen Montag begann vor der 2. Strafkammer am Landgericht Gießen unter Vorsitz von Richter Jost Holtzmann die Verhandlung gegen den 40-Jährigen.

Staatsanwalt Rouven Spieler warf dem Angeklagten in seiner Anklageschrift vor, gewerblich und teilweise gemeinschaftlich in insgesamt zwölf Fällen dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterstehende Waffen samt Munition erworben, befördert und verkauft sowie mit Cannabis beziehungsweise Marihuana in nicht geringen Mengen gehandelt zu haben.

Im Zeitraum vom 25. Februar bis zum 7. April 2020 wurden vom Beklagten demnach Maschinenpistolen vom Typ "Skorpion" und "Uzi" samt Munition sowie Pistolen in Mönchengladbach und Krefeld gekauft und unter anderem in Londorf und Münchholzhausen verkauft. Dem in Pohlheim wohnenden polnischen Staatsbürger sei bewusst gewesen, dafür keine Genehmigung zu haben. Sichergestellte Pistolen, etwa 9600 Euro Bargeld und ein Mercedes seien einzuziehen, sagte Spieler.

Der Beschuldigte wollte zu den Vorwürfen keine Angaben machen, über seine Verteidiger ließ er aber verlauten, dies eventuell zu einem späteren Zeitpunkt zu tun.

Als erster Zeuge beantwortete ein Kriminalbeamter vom Polizeipräsidium Mittelhessen die Fragen von Richter Holtzmann zu einzelnen Tatvorwürfen und wie es überhaupt zu den Ermittlungen gegen den Angeklagten gekommen sei. Initial war demnach die Überwachung eines anderen Verdächtigen aus Gießen im Innenraum eines Pkw an jenem 25. Februar, an dem die Fahrt nach Londorf ging. Als der nunmehr Beklagte identifiziert wurde, folgte die Überwachung der familiären Telefonanschlüsse und schließlich die Ortung seines Wagens.

Der Handel mit Betäubungsmitteln habe erst nicht im Fokus gestanden, sagte der Beamte. Das hätte sich dann aber aus der Auswertung von Chat-Protokollen, die teilweise auf Deutsch und teilweise auf Polnisch waren, ergeben. Belegen lasse sich etwa der Verkauf an den eigenen Sohn.

Detaillierte Auskünfte wollte der Vorsitzende Richter zu der mutmaßlichen Übergabe einer Maschinenpistole in Londorf Ende März bekommen. Wie der Kripo-Beamte ausführte, fuhr der Pohlheimer zunächst nach Gießen in die Weststadt. Auf dem Parkplatz eines Getränkemarktes sei jener Verdächtige aus Gießen zugestiegen, und man sei in die Rabenau gefahren. Dort habe man die "Skorpion" samt Munition - zwei Tage zuvor in Krefeld erworben - an eine unbekannte Person übergeben.

Die weiteren Auswertungen der Überwachung hätten ergeben, dass die Waffe für 2500 Euro verkauft worden sei, einem marktüblichen Preis, wie der Beamte sagte. Drei Tage später seien dann 1000 Euro nach Polen bar überwiesen worden.

Ermittlungen gegen Ehefrau und Sohn

"In den Chat-Verläufen wurde nicht immer Klartext gesprochen", sagte der Beamte auf Nachfrage. Die Maschinenpistolen seien etwa als "Pflaume", "Sliwowitz" oder "Nudel" bezeichnet worden.

Beim letzten Waffenverkauf am 6. und 7. April sei es dann zur Festnahme des Angeklagten gekommen. Dieser sei zunächst mit einem weiteren Verdächtigen aus Münchholzhausen nach Krefeld gefahren und habe eine dort erworbene "Uzi" noch in der selben Nacht in Münchholzhausen an einen Dritten übergeben - gewissermaßen zum Selbstkostenpreis, weil er bei diesem noch Schulden gehabt habe, so die Vermutung der Ermittler.

Das Ende ist dramatisch. Nachdem der Pohlheimer zehn Minuten später in Kleinlinden festgenommen wurde, lieferte sich der Dritte eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, die von Langgöns über Land bis nach Gambach ging. Dort flüchtete er schließlich zu Fuß in eine Scheune. Die Polizeibeamten fanden ihn dort leblos auf. Die Obduktion habe ergeben, dass er an einer Vorerkrankung des Herzens gelitten und unter Drogeneinfluss gestanden habe, so der Zeuge.

Der Angeklagte sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Ermittlungen laufen auch gegen seinen Sohn und seine Ehefrau, immerhin wurden Waffen und Munition in der gemeinsamen Wohnung gefunden. Dass seine Frau zudem von Dezember 2019 an einige Zeit im Polizeipräsidium als Putzfrau gearbeitet hat, gibt dem Ganzen jedenfalls noch einen Beigeschmack.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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