Thomas Landgraf (r.) ist neuer Ortsvorsteher, zu seinem Stellvertreter wurde Ulrich Hutzfeld (l.) gewählt. FOTO: SRS
+
Thomas Landgraf (r.) ist neuer Ortsvorsteher, zu seinem Stellvertreter wurde Ulrich Hutzfeld (l.) gewählt. FOTO: SRS

Peinliche Scharmützel

  • vonStefan Schaal
    schließen

Pohlheim(srs). Trauer und stilles Gedenken prägten die Sitzung des Ortsbeirats am Dienstag in Garbenteich. Es war die erste Versammlung des Gremiums nach dem Tod von Hartmut Lutz, der in Garbenteich 19 Jahre lang als Ortsvorsteher diente. Thomas Landgraf (Freie Wähler) wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Doch neben Trauer überschatteten Streitigkeiten zwischen Bürgermeister Udo Schöffmann (CDU) und Vertretern des Ortsbeirats die Sitzung.

Nickeligkeiten traten vor allem bei der Wahl des neuen Ortsgerichtsvorstehers offen zutage. Sven Weigel von der SPD-Fraktion beantragte eine geheime Abstimmung. Dies ist ungewöhnlich bei derartigen Wahlen, aber legitim. Schöffmann allerdings reagierte verärgert. "Ich bin sauer", sagte er. Die Sitzung werde verzögert. "Dass hier derart verhärtete Fronten existieren, hätte ich mir nicht träumen lassen." Peter Alexander von der SPD-Fraktion entgegnete: Zwischen den Mitgliedern des Ortsbeirats gebe es keine Konflikte. "Wer bringt denn hier die Härte rein? Das sind doch Sie, Herr Bürgermeister."

Kurz darauf erklärte Alexander in ironischem Ton: "Entschuldigung, dass wir von unserem Recht Gebrauch machen, eine geheime Wahl zu beantragen."

Die Scharmützel wurden immer peinlicher. "Sie verstehen es nicht", raunte der Bürgermeister. "Nein, Sie verstehen es nicht", sagte Alexander. Die Schlusspointe setzte Weigel. Eigentlich habe er den Antrag auf geheime Wahl wieder zurückziehen wollen. Doch während der Diskussion sei seine Wortmeldung übersehen worden - so kam es zur geheimen Wahl, bei der Ulrich Hutzfeld (CDU) als neuer Ortsgerichtsvorsteher hervorging.

Auch die Wahl des Ortsvorstehers verlief nicht reibungslos. Siglinde Michen (SPD) äußerte bei der Austeilung der Wahlzettel ihre Verwunderung, dass dort der Name des Kandidaten Thomas Landgraf bereits abgedruckt war, während die SPD-Kandidatin Michen von einer Mitarbeiterin der Verwaltung handschriftlich eingetragen war. "Das ist enttäuschend." Der Kandidat der Freien Wähler sei der Verwaltung im Vorfeld genannt worden und die SPD-Kandidatin erst kurz vor der Wahl, erklärte Schöffmann. Die Verwaltung könne nur Namen von Kandidaten auf dem Wahlzettel abdrucken, "die ihr vorher mitgeteilt werden".

Landgraf wurde mit fünf Stimmen zum Ortsvorsteher gewählt, auf Michen entfielen drei Stimmen. Landgraf war zuvor stellvertretender Ortsvorsteher. Zu Landgrafs Stellvertreter wurde Ulrich Hutzfeld gewählt.

Einigkeit kehrte am Ende dann doch noch ein: In Gedenken an Hartmut Lutz soll eine Straße nach ihm benannt werden, voraussichtlich in Zukunft in einem Neubaugebiet. Einen entsprechenden Antrag an den Magistrat verabschiedete der Ortsbeirat einstimmig. Vom Vorschlag Marianne Schindlers (CDU), die Ringstraße in Hartmut-Lutz-Straße umzubenennen, nahm das Gremium nach Schöffmanns Einwand Abstand, da auf Anwohner eine Adressänderung zukäme und Widerstand zu erwarten sei. Die SPD regt an, grundsätzlich in allen Stadtteilen Straßen nach verdienstvollen ehrenamtlichen Kommunalpolitikern zu benennen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare