Unscheinbar, aber effektiv. Das Streuobstwiesenprojekt in Grüningen bewerten die Teilnehmer als Erfolg. FOTO: AGE
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Unscheinbar, aber effektiv. Das Streuobstwiesenprojekt in Grüningen bewerten die Teilnehmer als Erfolg. FOTO: AGE

Obstbäume mit alten Sorten gepflanzt

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Pohlheim(age). Obstbäume zieren nicht nur das hiesige Landschaftsbild, sie prägen es regelrecht. Doch das könnte sich allmählich verändern. Denn es gibt immer weniger Menschen, die bereit sind, sich um diese regionaltypische Besonderheit zu kümmern. Deshalb führte in den Jahren 2018 und 2019 die Landschaftspflegevereinigung Gießen (LPV) auf Anregung des Landkreises Gießen ein Streuobstprojekt am Rande von Grüningen durch - in Kooperation mit dem Regierungspräsidien Gießen und Darmstadt sowie gefördert von Bund und Land aus der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz.

Mit dem Ergebnis ist man zufrieden. Das wurde bei einem Ortstermin mit Vertretern der beteiligten Institutionen im Südwesten der Ortslage deutlich. Auf der rund 13 Hektar großen Fläche seien zunächst die etwa 360 bestehenden, teilweise arg pflegebedürftigen Obstbäume fachgerecht geschnitten worden, überwiegend von Mitgliedern des Kreisverbands für Obstbau, Garten- und Landschaftspflege, erläuterten Fabian Zech und Lisa Schäfer von der LPV. 110 hochstämmige Obstbäume alter heimischer Sorten seien in Abstimmung mit den Wünschen der Eigentümer gepflanzt worden - mit Unterstützung durch die Stadt Pohlheim und durch den Bauhof der Gemeinde Reiskirchen. Dort gab es auf der "Hohl" ein ähnliches Projekt. Der Informationsbedarf sei bei einigen Besitzern so groß gewesen, dass die LPV auch einen Schnittkurs vor Ort organisiert habe.

Viele Eigentümer hätten Nistkästen aufgehängt, sagte Zech. Auch Vögel wie der Steinkauz, der Gartenrotschwanz oder Fledermäuse profitierten von gepflegten Steuobstwiesen. Der Schnitt der jungen Bäume sei im Jahr 2021 vorgesehen.

Nachwuchs fehlt

Zech berichtete von weiteren Erfahrungen bei der Durchführung des Projekts. So hätten manch angesprochene Eigentümer gar nichts mehr von der Existenz der Flächen gewusst. Es sei allgemein schwierig, jüngere Leute für die Mitarbeit zu gewinnen und langfristig Streuobstwiesen instandzuhalten. Deshalb seien solche Projekte dazu da, Interessierte zusammenzubringen.

Die Limeswerkstatt beteiligte sich in großem Umfang an den Neuanpflanzungen und hat für dieses Jahr die weitere Bewässerung der neu gepflanzten Bäume übernommen.

Involviert in die Arbeiten waren auch der Obst- und Gartenbauverein Langgöns, die Gesellschaft für Integration und Jugendbildung Gießen und weitere örtliche Akteure. Trotz des großen ehrenamtlichen Engagements mussten einige Arbeiten von regionalen Garten- und Landschaftspflegebetrieben erledigt werden.

Mit der Umsetzung zeigten sich Daniela Hanz und Gerhard Schulze-Velmede vom Regierungspräsidium insgesamt zufrieden. An Landes- und Bundesmitteln seien 29 000 Euro in das Projekt geflossen.

Umweltdezernentin Dr. Christiane Schmahl brachte einen wirtschaftlichen Aspekt ins Spiel. Wenn man an der mobilen Kelter fünf Liter Apfelsaft für nur 6,50 Euro verkaufe, werde die Arbeit, die eigentlich drinstecke, nicht bezahlt. Es fehle die richtige Wertschätzung. Und dann auch noch das Einkaufsverhalten zu ändern, sei sehr schwierig.

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