Noch kein 100-jähriger Schlaf

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Leise surren die Spinnräder. Die Frauen des Spinnkreises in der Pohlheimer Heimatstube in Watzenborn-Steinberg lassen die Wolle über die Spindeln laufen, wie sie es schon seit den 1990ern immer in der kalten Jahreszeit gemacht haben. Seit 25 Jahren haben sie ihr Quartier in der Heimatstube.

Leise surren die Spinnräder. Die Frauen des Spinnkreises in der Pohlheimer Heimatstube in Watzenborn-Steinberg lassen die Wolle über die Spindeln laufen, wie sie es schon seit den 1990ern immer in der kalten Jahreszeit gemacht haben. Seit 25 Jahren haben sie ihr Quartier in der Heimatstube.

Die wurde in diesem Jahr vor einem Vierteljahrhundert im ehemaligen Haus der Stadt mit ihrer zentralen Gut Stub’ und dem liebevoll gestalteten Museum drum herum eingerichtet. Am 19. Mai 1994 wurde die Heimatstube eröffnet. Davor war der Spinnkreis im alten Schulsaal der Volkshalle beheimatet.

Zu den fleißigen Frauen gehören bis heute Gerlinde Erhardt, Hannelore Schmandt, Christel Velten, Helga Moos, Ursula Alker, Irmgard Ertle und Swantje Klingelhöfer. Sie treffen sich alle 14 Tage donnerstags. Frauen der ersten Stunde des Spinnkreises waren Marie Kolmer, Anni Philipp und Gerlinde Erhardt.

Zwei Männer waren damals am Erfolg maßgeblich beteiligt, denn die beiden bereits verstorbenen Otto Philipp und Helmut Münch bauten neue Spinnräder, restaurierten die bis zu 100 Jahre alten Räder und hielten sie immer in Schuss. Sie laufen bis heute, wie geschmiert.

Wolle aus der Region

Bis heute lieben die Frauen die Arbeit mit der Wolle hin zum fertigen Produkt und die dabei erlebte Gemeinschaft, denn sie möchten dieses historische Handwerk erhalten. Das ist gar nicht so einfach. "In den Schulen ist das Spinnen kein Thema mehr", beobachten sie. Früher war man Gast in den Schulen oder Klassen oder Gruppen aus Schulen und Kindergärten besuchten sie. Das ist einige Zeit her. Die Kinder erinnerten sich dann oft an das Grimmsche Märchen "Dornröschen", bei dem die Prinzessin nach dem Stich einer Spindel in einen hundertjährigen Schlaf fiel.

Da konnten die Frauen immer beruhigen, denn das passierte bei ihnen noch nie, berichteten sie dann immer lachend. Erstaunlich ist für sie, dass meist die aramäischen Kinder noch gut über das Spinnen Bescheid wussten, weil sie es in ihren Familien selbst erlebt hatten.

In der Vergangenheit waren sie zudem beim Hessentag und bei Dorffesten, wie in Garbenteich, Lich und Reinhardshain mit Schauvorführungen des alten Handwerks dabei. Die Schafwolle, die sie nutzen, stammt übrigens weitgehend vom Stadtschäfer Andreas Rinker, aber auch von einem Lieferanten aus Norddeich an der Küste. Ins benachbarte Grünberg wird die Wolle dann zum Waschen, Trocknen und Wollkämen gebracht. Dort wird sie auch auf Wunsch gefärbt.

Am Ende bleibt nach der Arbeit an den Spinnrädern, das heimische Stricken, Häckeln oder Weben. Meist verschenken die Frauen dann ihre Ergebnisse, wie Socken und Bilder, innerhalb der Familie.

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Wer sich ein Bild von der Arbeit am Spinnrad machen will, ist zu den Treffen eingeladen. Man triffst sich noch bis April alle 14 Tage donnerstags in der Gut Stub’ der Heimatstube Pohlheim von 15 bis 17 Uhr.

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