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Ehemalige Treppenanlage

Neue Pläne beschlossen: Was aus Pohlheims Schandfleck werden soll

  • vonStefan Schaal
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Seit Jahren wuchert hinter Absperrgittern Unkraut auf einem Abhang in Watzenborn-Steinberg. 2016 wurde hier eine öffentliche Treppe abgerissen, die zur Mockswiese führt, seitdem hat sich nichts getan. Nun aber gibt es konkrete Pläne, einen der hässlichsten und stark vernachlässigten Flecken Pohlheims neu zu gestalten.

Königskerzen wachsen meterhoch auf dem steilen Abhang, Unkraut wuchert hinter Absperrgittern. Seit vier Jahren, seit dem Abriss einer öffentlichen Treppe, die Bahnhofstraße und Mockswiese in Watzenborn-Steinberg verbindet, hat sich hier nichts getan. Bei Regen fließen Schlamm und Geröll hinab. Abgesperrt ist der Schandfleck bereits seit 2013, nun aber zeichnet sich eine Lösung ab.

Wenn alles glatt läuft, könnten Spaziergänger bereits im kommenden Jahr auf einem neu angelegten, serpentinenartigen Weg mit vereinzelten Treppenstufen schlendern. Blühflächen, Bienenweiden sowie Bäume und Sträucher sollen gepflanzt werden. Ein Insektenhotel ist geplant, unten soll ein Biotop für Zauneidechsen angelegt werden. Wenige Meter entfernt, am Fuß des Abhangs, soll außerdem ein kleiner Park entstehen.

Das Stadtparlament hat die Pläne bereits einstimmig verabschiedet. Der Erste Stadtrat Ewald Seidler (Freie Wähler) hat das Projekt mit dem Dezernat für Stadtentwicklung, Umwelt, Klima, Energie und Tourismus ausgearbeitet.

Dabei soll ein alter Quellbrunnen stärker in den Mittelpunkt rücken. Seit 1954 bereits plätschert dort an einer Treppenanlage Wasser in Richtung Flachsbach, in den heißen Sommermonaten gönnen sich bisweilen Hunde und Katzen an der Stelle Erfrischung, ansonsten wird der Ort momentan noch wenig beachtet. Nun soll der Wiesbach naturnah freigelegt und eine Art Teich gebaut werden, ein Tisch und Sitzbänke sollen aufgestellt werden. "Der Wiesbach hätte plötzlich "einen hohen Wert für Erholung, Wasserspiele, Kinder und Natur- erleben", sagt Seidler.

Die Maßnahme soll laut Seidler 75 000 Euro kosten. Die Pläne würden mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Regierungspräsidium abgestimmt. Außerdem bemühe sich die Stadt um Fördergelder. "Wir führen Gespräche mit dem Verein ›Gießener Land‹, um Fördermittel zu bekommen", berichtet Seidler. Man wolle Gelder aus dem LEADER-Programm für den ländlichen Raum beantragen. Er hält eine Förderung des Vorhabens in Höhe von 32 000 Euro für realistisch.

"Das Ziel ist ein natürlich gestalteter Naherholungsraum", sagt Seidler. "Der Wiesborn-Park soll zum Verweilen einladen und den Panoramaweg an der Mockswiese attraktiver gestalten."

Jahrelang haben Pohlheimer den Bürgermeister und Vertreter der Stadtverwaltung auf das brach liegende Grundstück angesprochen. Der Abriss der Treppenanlage hatte 2016 für mächtig Ärger gesorgt. Anwohner beklagen, dass sie nicht mehr direkt auf das Areal rund um die Mockswiese gelangen können. Stattdessen müssen sie einen Umweg entlang der Bahnhofstraße wählen, der besonders für Kinder gefährlich sei, da auf der viel genutzten Straße der Bürgersteig sehr schmal und kaum vorhanden ist, monieren die Anwohner, die eine Unterschriftenliste ins Rathaus geschickt haben.

Vor dem Abriss war die Treppe aufgrund ihres maroden Zustands bereits mehr als drei Jahre gesperrt gewesen. Danach war lange Zeit über eine Wiederherstellung diskutiert worden. Diese hätte aber nach Schätzung des Bauamts der Stadt 100 000 Euro gekostet, eine behindertengerechte Variante 135 000 Euro. Dies lehnte der Ortsbeirat Watzenborn-Steinberg aus Kostengründen ab. Im Oktober 2017 hatte das Stadtparlament vor diesem Hintergrund beschlossen, die abgerissene Treppenanlage nicht wieder herzustellen.

Zweifellos handelt es sich bei dem Vorhaben auch um ein Wahlkampf-Projekt der Koalition aus CDU und Freien Wählern angesichts der Bürgermeisterwahl im November dieses Jahres und der Kommunalwahl im Frühjahr 2021. Zumal ein ähnlicher Antrag der SPD vor vier Jahren im September 2016 durch die Koalition noch abgelehnt wurde. Der Bürgermeister sprach damals von einem "Treppenwitz", die Freien Wähler von einem "toten Pferd", das die SPD nicht wieder reiten solle. "Nun wird das tote Pferd von den Freien Wählern wiederbelebt", sagte Peter Alexander von der SPD-Fraktion. "Und der Bürgermeister hat offenbar seine Witzigkeit verloren." Eitelkeiten seien fehl am Platz, riet derweil Reimar Stenzel von den Grünen, alle Fraktionen stimmten für das Vorhaben.

Nur eines könnte noch dazwischenkommen. Sollte Pohlheim den Gürtel aufgrund der Auswirkungen von Corona enger schnallen müssen, könnte das Projekt geschoben werden. Nach vier Jahren Stillstand aber gibt es zur Beseitigung des Pohlheimer Schandflecks einen konkreten Plan, einen Beschluss im Stadtparlament - und Bewegung.

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