Helmut Fay
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Helmut Fay

Musikant mit Leib und Seele

  • vonRoger Schmidt
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Pohlheim(rge). "Ich bin immer lustig, bin ein Musikant und bekannt im ganzen Land", wird Helmut Fay am heutigen Mittwoch sicherlich anstimmen. Es ist eines der Lieblingslieder des Grüningers, der heute seinen 90. Geburtstag feiert.

Als Alleinunterhalter ist "Helmut der Pohlheimer" weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt. Musik und Gesang gehören fest zu seinem Leben, sind für ihn so notwendig wie das Einatmen der Luft, erklärt er. Wenn er Akkordeon, die Trompete oder das Saxofon spielt und dazu seine Lieder singt, dann ist er in seinem Element. Dann spürt man eine unglaubliche Energie in ihm, die ihn lebensbejahend bis ins hohe Alter führte. "Ich bin mit 90 noch gut bei Stimme", sagt Fay.

Am 3. Juni 1930 erblickte er in Grüningen als Sohn der Familie des ortsbekannten Posthalters das Licht der Welt. Er war eines von drei Kindern, von denen heute noch sein jüngerer Bruder Gerhard lebt, bekannt als "singender Briefträger".

Unfallfreier Fernfahrer

Die Musik liege in der Familie, erklärt der Jubilar: Schon der Opa war Regimentsmusiker. Mit seiner im Alter von 23 Jahren verstorbenen Schwester sang Helmut Fay im Duett.

Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete er in der heimischen Landwirtschaft, musste zudem in der Zeit des Zweiten Weltkriegs die Mutter kräftig unterstützen: Der Vater war im Krieg. Mit 14 Jahren wurde er kurz vor Kriegsende selbst noch zum Einsatz einberufen, bekam eine Schnellausbildung in der Scharnhorst-Kaserne in Gießen. Er wurde nach Darmstadt verlegt. Aber Helmut Fay hatte Glück: Die US-Soldaten schickten ihn heim zu seiner Familie. Nach wochenlangem Fußmarsch kam er am 25. Mai wieder in Grüningen an. Als eine "schlimme Zeit" sind ihm all die Erlebnisse im Gedächtnis geblieben.

Nach dem Krieg machte er den Führerschein, wurde bei der Firma Matrapol Fernfahrer und war ab 1953 im In- und Ausland unterwegs. Später arbeitete er bei der Reiskirchener Firma Gräf mit Schwertransportfahrten. Über all die Jahre bis zur Rente im Alter von 65 blieb er "unfallfrei", wie er betont.

Musizieren und Singen waren daneben immer sein Ding. Bei den Grüninger Gesangvereinen wurde er als Solist entdeckt. Als ihm in jungen Jahren ein Gießener Professor ein Akkordeon schenkte, steigerte dies die Musikbegeisterung. Helmut Fay spielte bei der "Licher Band" und den "Rudi Boys" in den 1950er Jahren, bei der er auch Leiter war.

Er textete zahlreiche Lieder, beispielsweise "Wunderschönes Niddatal" als Ode an den Kurort Bad Salzhausen. Stolz ist er auch auf das "Weihnachtsliedersingen" in seinem Heimatort, bei dem er über die 25 Jahre kein einziges Mal krank war.

In seinem Probenraum kann man Plakate seiner vielen Auftritte und Autogrammkarten von Künstlern sehen. Alles Erinnerungen an schöne Momente in seiner Künstlerkarriere, die Fay gerne stolz präsentiert. In seinem Heimatort Grüningen ist er bis heute langjähriges Mitglied unter anderem bei der Freiwilligen Feuerwehr, dem Fußballclub und der SPD.

Eigentlich hätte Helmut Fay gerne mit Familie, Verwandten, Nachbarn und Freunden gefeiert. Die Corona-Pandemie macht dies aktuell nicht möglich. Jetzt hofft er auf den 9. November. Dann hat seine Ehefrau Gisela 90. Geburtstag. Mit ihr ist er seit 1950 verheiratet.

Helmut Fay hofft, dass das Paar dann gemeinsam mit allen Freunden das Jubiläum richtig feiern kann. Zur Familie gehören zudem die beiden Töchter mit drei Enkeln und vier Urenkeln. FOTO: RGE

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