"Mollys" kämpfen um Titel "Hessens Kappen-Klub"

Hunderte Scheinwerfer, ein Dutzend Kameras und eine Bühne: Montag hat der Watzenborn-Steinberger Fastnachtsverein "Mollys"seinen großen Auftritt bei "Hessens bester Kappen-Klub". Die Gießener Allgemeine Zeitung war bei der Aufzeichnung am Mittwoch in Rödermark dabei – und verrät hier nicht das Ergebnis.

Pohlheim/Rödermark (pad). Es braucht Geduld, Geduld, Geduld. "Fernsehen ist viel Warten", sagt eine junge Te chnikerin, das Klemmbrett mit dem Probenablauf in der Hand. 165 Minuten soll die fertige Sendung am Montagabend dauern – der Dreh hingegen braucht fast einen ganzen Tag. Zum zweiten Mal sucht der Hessische Rundfunk Hessens besten Kappen-Klub. 31 Vereine haben sich beworben, fünf wurden ausgewählt. Die "Mollys" aus Watzenborn-Steinberg vertreten Mittelhessen.

Woher kommt der Name Mollys?

Der Name sorgt bei der Fernsehcrew und den vier anderen Vereinen für neugierige Fragen, und so erklärt Sitzungspräsident Reinhold Junker immer wieder, dass er von der Gesangsformation stammt, die einst schon bei "Holgers Waschsalon" und "Hessen lacht zur Fassenacht" im Hessischen Rundfunk Fernseherfahrung sammelte. "Für die Leute hier ist es aber Neuland", schmunzelt er, während er die Proben der "Konkurrenz" aus Eiterfeld beobachtet. Wobei die Karnevalisten selbst natürlich schon zu Hause ausgiebig geübt haben. "Fasching ist eine ernste Sache", sagt Junker. "Nur aus Spaß und Dollerei kann man sich nicht auf die Bühne stellen." Die Nummern und Tänze sind aber nicht exklusiv für das Fernsehen einstudiert worden, sondern Bestandteil der diesjährigen Kampagne. Und die sitzen natürlich.

Nur kennen die TV-Leute sie noch nicht. Damit Kameraleute, Bühnentechniker und Beleuchter später wissen, wo die Teilnehmer auf der Bühne stehen, welche Nummer auf welche folgt und wo Instrumente stehen sollen, wird ab 16 Uhr in Stellproben die gesamte Sendung durchgegangen. Die Büttenredner müssen ihre Nummern nach ein paar Sätzen abbrechen, die Garden dürfen auf der ungewohnten Bühne komplett durchtanzen. Während Eppertshausen gerade dabei ist, werden die 16 Tänzerinnen und ein Tänzer aus Watzenborn-Steinberg geschminkt.

Warten auf den Bus

Für die "Mollys" begann der Aufnahmetag mit einem kleinen Schock: Der Bus kam erst eine Stunde später zur Abholstelle, "die hätten uns fast vergessen", berichtet Büttenrednerin Melanie Patt. Um etwas von den anderen Gruppen zu sehen, sitzen sie daher nun noch im Publikumsbereich – die eigentliche Show sehen sie später nur Backstage.

Denn so groß, wie sie später im Fernsehen wirken wird, ist die Kulturhalle Rödermark eigentlich nicht. Gut 300 Besucher finden an den Tischen Platz – damit kommt auf zwei Gäste ein Scheinwerfer. Denn weit über 100 Stück hat der HR an der Hallendecke montiert. Vom Mischpult auf der Empore aus beobachten die Techniker die Proben, steuern die Scheinwerfer und Anlagen. Schnell wird es hier oben mollig warm.

Entspannte Proben

Die Mollys hingegen kommen noch nicht ins Schwitzen. Dieter Schäfer lehnt entspannt an der Dekoration. Er ist Sänger bei den Mollynos. Mit einigen Eppertshäusern hat er sich noch vor ein paar Minuten über die Chorszene der Region unterhalten – denn in Südhessen ist man genauso wie in Pohlheim dem Gesang sehr verbunden, gibt es dort zahlreiche bekannte Chöre. "Wir freuen uns, das wir hier sind, das ist der olympische Gedanke", schmunzelt er. Roger Burger und er waren schon bei der Gesangsformation Mollys dabei, Beate Pflugrath ist neu im Trio.

Als die Mollys zur Jahrtausendwende bei "Hessen lacht zur Fasenacht" auftraten, waren die meisten Gardetänzerinnen noch in der Grundschule. Durch Turnier- und Meisterschaftsteilnahmen haben sie aber auch schon einiges an Bühnenerfahrung, Fernsehen ist jedoch auch für sie etwas besonderes. "Wir sind froh über die Gelegenheit, hier auftreten zu können", sagt Tänzerin Natascha Sitniansky. Einige haben extra einen Tag Urlaub genommen, andere wurden von der Schule freigestellt. "Der Spaß steht im Vordergrund", sagt Sitniansky. Lampenfieber? "Noch sind wir entspannt, aber nachher sind wir garantiert aufgeregt", lächelt sie. Und schon geht es zur Probe. Die Moderatoren Simone Kienast und Jens Kölker führen die Gruppe auf die Bühne. Kölker moderiert neben "Hallo Hessen" auch immer die Final-Sendung zum "Dollen Dorf"-Wettstreit. Er ist gut aufgelegt, obwohl er eigentlich eher Fußballfan als Karnevalist ist. "Aber wenn man mitmacht und nicht nur zuschaut, macht das richtig Spa?, sagt er. Kienast bezaubert durch ihre natürliche Ausstrahlung, die Wetterfrau der Hessenschau strahlt mit den Rampenlichtern um die Wette.

Ausstrahlung am Montag

Halb sieben sind die Proben vorbei – 90 Minuten bis zur Aufzeichnung. Vor der Essensausgabe bildet sich eine lange Schlange, die Gruppen schauen das Handballspiel Deutschland gegen Dänemark auf den Monitoren hinter der Bühne an, während die Betreuer bei ihnen noch einmal Wimperntusche und Schminke auftragen. Die Entspannung bei den Akteuren weicht langsam einer gewissen Aufregung, die sich noch einmal kurz in Jubel verwandelt, als die Aufnahmeleitung den Sieg im Sport verkündet.

Wie weit die Mollys im Kappen-Klub-Wettbewerb kommen, welche Meinung Star-Choreograph Markus Schöffl zum Auftritt der Garde hat und ob die Nerven der Watzenborn-Steinberger dem Lampenfieber standhalten, sehen Sie am Montagabend um 20.15 Uhr im Hessischen Rundfunk – oder lesen es am Dienstag in der Gießener Allgemeinen Zeitung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare