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Mode made in Pohlheim – Wie Anna Dziwik die Branche erobern will

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Von wegen Fliegen sind nur was für den gestandenen Mann. Gerade junge Herren fliegen auf die Modelle von Anna Dziwik. Mit ihrem Label "anna dezet" will die Pohlheimerin die Modewelt erobern.

In Berlin treffen sich derzeit die angesagtesten Mode-Designer auf die Fashion Week und zeigen was bei Frau und Mann en vogue ist. So weit ist Newcomerin Anna Dziwik aus Pohlheim mit ihrem Label "anna dezet" zwar noch nicht, aber in diesem Jahr hat sie ihre erste eigene Kollektion auf den Markt gebracht. Und damit sorgt sie zumindest schon mal in Berlin in zwei Läden in Prenzlauer Berg und Mitte für Furore.

Es handelt sich nicht um Hose, Kleid, Hemd oder Bluse, sondern um ein wichtiges Modeaccessoire für den Mann von Welt. Als "Herrin der Fliegen" ist es Dziwiks Mission, den Männern den richtigen Pfiff zum Hemd mit passender Fliege statt klassischer Krawatte zu geben.

Ich habe eine Chance, weil der Markt der Modeaccessoires total eintönig ist

Anna Dziwik

Die kleine Schleife hat Potenzial, denn der Trend vor allem bei jungen Männern geht wieder eindeutig zur Fliege, ist sie sich sicher. "Ich habe eine Chance, weil der Markt der Modeaccessoires total eintönig ist." sagt Dziwik.

Ihre Karriere begann nach dem Besuch der Adolf-Reichwein-Schule Pohlheim und ihrem Abitur an der Liebigschule Gießen ganz gewöhnlich. Dziwik studierte BWL, allerdings stellte sie schon in jungen Jahren fest, dass sie ein Auge für Geschmack und den richtigen Schnitt in der Mode hatte. Zuhause nähte sie für sich selbst und ohne großes Wissen.

Durch das ERASMUS-Programm kam sie während des Studiums nach Vilnius (Litauen), und dort erlebte sie bei ihrer morgendlichen Tramfahrt zur Uni die nahe liegende Kunstakademie. "Ich dachte, dort will ich viel lieber sein." Das "Modedesigner-Virus" hat sie dort infizierte, sagt sie heute.

Auslandssemester in Amsterdam

Gedacht, getan. Sie bewarb sich mit einer Mappe ihrer Ideen bei der Mediadesign-Hochschule in Düsseldorf. Sie bestand den Eignungstest, gewann gar ein Stipendium. Während der dreieinhalb Jahren Studium war sie zum Auslandssemester in Amsterdam.

Das stellte sich im Nachhinein als große Inspiration heraus. Bei der dortigen Designerin Iris van Herpen, beliebt auch bei Stars wie Lady Gaga oder Björk, lernte sie besondere Techniken, experimentierte mit Materialien und spielte vor allem mit ihrer Kreativität.

Als Jahrgangsbeste schloss sie 2016 ihr Bachelor-Studium für Modedesign. Ihr erster Job war dann auch gleich bei einem der internationalen Modeunternehmen in Düsseldorf. Bei Peek & Cloppenburg zeichnete sie für die Jakes Collection mitverantwortlich. "Eine super Erfahrung" sagt sie zu ihren zurückliegenden zwei Berufsjahren.

Mit einer Fliege für ihren Freund fing alles an

Während dieser Zeit kam die Idee mit den Fliegen. Ihrem Freund hatte sie eine selbst entworfene und hergestellte zu Weihnachten geschenkt. Die kam an und auch seine Freunde wollten so eine haben. Ihre ersten drei Modelle waren aus Laser-Cut-Leder, handbemalter Seide, und Reststoffen gefertigt. Alles Handarbeit.Das ist bis heute so.

Gerade bei Hochzeiten und anderen besonderen Anlässen, aber auch in Freizeit und Beruf schmücke man sich gerne mit etwas Luxus, um sich von der Masse zu unterscheiden, sagt die 29-Jährige. Nach nur kurzer Zeit hat sie inzwischen 50 Fliegen im Angebot, darunter sogar eine vegane Fliege aus Kork.

Mit Lasertechnik und Bemalung werden auch individuelle Wünsche auf Baumwolle und Seide erfüllt. 60 Farben stehen alleine beim Leder zur Auswahl.

36-seitiger Katalog

Inspirieren lässt sie sich übrigens von der abstrakten Malerei. Einen 36-seitigen Katalog mit ihrer Kollektion hat Dziwik bereits. Eines ihrer Exemplare ist ab 89 Euro zu haben. Dafür hat man etwas Besonderes.

Die Referenzliste nach nur wenigen Monaten kann sich schon sehen lassen. Modegeschäfte in Berlin, Frankfurt, Köln, Konstanz, Krefeld und Magdeburg hat sie bereits überzeugt. Zusätzlich ist sie auf ihrem eigenen Online-Shop www.annadezet.com vertreten.

Jetzt plant Dziwik schon weiter, denn für die Männer gibt es noch einiges in der Mode zu tun. Individuelle Hosenträger, Einstecktücher und Manschettenknöpfe etwa. Experimentieren mit ungewöhnlichen Materialien, das ist ihre Welt.

In Gießen sucht sie allerdings noch ein Modegeschäft für ihre Kollektion, hofft aber bald fündig zu werden. Vielleicht passt ja auch ein Barbershop, den dort geht der modebewusste Mann mit Bart schon heute hin, findet die Pohlheimerin. Unter dem modellierten Bart eine schicke Fliege, das ist doch was, passt aber auch ohne Bart.

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