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Reinhard Schall kennt die "Songlines" bestens vom hr4-Chorwettbewerb 2018.

"Man muss moderne Sachen ins Repertoire aufnehmen"

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Pohlheim/Lich (pad). Reinhard Schall kennt man als Reporter des Hessischen Rundfunks, der von den schönsten Ecken Hessens berichtet. Zudem moderiert er den hr4-Chorwettbewerb - und am Samstag das Benefizkonzert des Licher Chors "Songlines" in Pohlheim. Warum er den Chor besonders in sein Herz geschlossen hat und was Ensembles tun müssen, um junge Leute zu erreichen, beantwortet er im Interview.

Herr Schall, mit dem hr4-Chorwettbewerb zeigt der Hessische Rundfunk, welche Vielfalt es an Chören in Hessen gibt. Ist der Wettbewerb für Sie auch eine Herzensangelegenheit?

Reinhard Schall:Unbedingt. Erstens mag ich die Musik. Zweitens kommen damit Chöre in die Öffentlichkeit, von denen man vorher noch nicht viel gehört hat. Und wir zeigen, wie schön und wichtig gemeinsames Singen für viele Leute ist - und das in einer Zeit, die von "Deutschland sucht den Superstar" geprägt ist, mit viel Inszenierung und Schminke. Im Chorgesang gibt es so etwas gar nicht. Hier geht es nicht um Selbstinszenierung, sondern um gemeinsames Singen für andere.

Geht die Bedeutung der Chöre über das gemeinsame Singen hinaus?

Schall:Die Chöre sind auch sozial und für die Region engagiert. Das ist auch bei den Teilnehmern des aktuellen Wettbewerbs wieder so. Ein Beispiel: Dieses Jahr ist auch ein Chor aus Steinbach bei Hünfeld mit dabei. In dem Dorf gibt es mehrere Chöre, 16,8 Prozent der Bevölkerung singen hier. Auch die Licher "Songlines" sind in diesem Jahr wieder mit dabei.

Mit den "Songlines" haben Sie bereits beim letzten Wettbewerb viel Zeit verbracht...

Schall:Ich habe sie sofort in mein Herz geschlossen. Dabei haben die alle zunächst gedacht, ich könnte sie nicht leiden. Wegen meines grimmigen Gesichtsausdrucks. Bei unserem ersten Aufeinandertreffen in der Kneipe des Licher Kinos "Traumstern" hatte ich allerdings erstmal nur nach Steckdosen für das Licht gesucht und deswegen so geschaut. Aber am Ende des Drehtages war das Missverständnis ausgeräumt. Spätestens.

Was macht den jungen Chor so besonders?

Schall:Sie sind jung, sie singen toll und was die Songlines für einen Rabbatz auf der Bühne machen, ist bemerkenswert. Da sieht man richtig: Gemeinsames Singen ist nicht nur anstrengend, sondern macht auch Spaß. Ich war auch bei ihrem Weihnachtskonzert und ihrem letzten Konzert vor wenigen Wochen zu Gast. Beide Male war die Marienstiftskirche in Lich voll - und die ist nicht klein. Das ist mal eine Hausnummer, denn tatsächlich können Chöre eine ganze Kirche füllen.

Während die "Songlines" aus vielen jungen Sängern bestehen, gibt es andere Chöre, die vom Aussterben bedroht sind.

Schall:Noch immer sterben ältere Chöre aus, aber es kommen auch junge Chorleiter von den Hochschulen in die Chöre. Die jungen Chorleiter bringen frische Musikliteratur mit. Wenn man für den Nachwuchs was machen will, muss man moderne Sachen ins Repertoire mit aufnehmen. Ein gutes Beispiel ist der Wettbewerbssieger des vergangenen Jahres, der Frauenchor aus Waldsolms. Da fängt es bei der Studentin an und die älteste Sängerin ist erst um die 40. Wenn man junge Leute für das Singen im Chor gewinnen kann, ist das eine tolle Sache.

Beim Benefizkonzert am 18. Mai sind neben den "Songlines" auch "Vocalive" und "Get together" mit von der Partie. Der Erlös geht an die Deutsche Gesellschaft für Knochenmarkspender. Haben Sie die Moderation des Abends gern übernommen?

Schall:Wenn man selbst aktiv werden kann, kann man nie genug machen. Die Chöre hatten sich bereits im August zusammengesetzt und beschlossen, ein Benefizkonzert zu machen. Da habe ich gesagt: Da bin ich natürlich dabei. Ich kenne alle jetzt seit einem Jahr, habe mit ihnen die Weihnachtszeit verbracht, sie auf den Konzerten begleitet und eine Chorreportage gedreht, die wurde Heiligabend im hr-Fernsehen ausgestrahlt. Und ich muss sagen, das war schon eine tolle Zeit.

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Das Konzert beginnt am Samstag, 18. Mai, um 19 Uhr in der Volkshalle Watzenborn-Steinberg. Einlass ist ab eine Stunde zuvor. Kostenlose Eintrittskarten gibt es per E-Mail unter eintracht.steinberg@gmx.de oder telefonisch unter 0170-1850594.

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