Landrätin "überrascht" von Skepsis in Pohlheim

  • vonStefan Schaal
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Pohlheim/Gießen(pm/srs). Aussagen von Pohlheims Bürgermeister Udo Schöffmann zur demografischen Entwicklung seiner Stadt sorgen bei Landrätin Anita Schneider (SPD) für Widerspruch.

Sie sei "überrascht", betont Schneider in einer Pressemitteilung. Schöffmann hatte in einem Gespräch mit dieser Zeitung Zweifel am Demografie-Atlas des Landkreises und der Prognose geäußert, dass Pohlheim bis 2030 um 10,77 Prozent wächst. Angesichts von Schwierigkeiten bei sämtlichen großen Bauprojekten der Stadt sei von einer deutlichen Zunahme der Bevölkerung eher nicht auszugehen. "Wir müssen nicht wachsen", hatte der Bürgermeister außerdem erklärt.

Die Landrätin räumt ein, dass Pohlheim in den vergangenen vier Jahren etwas langsamer als erwartet gewachsen sei, von 19 303 auf 19 354 Bürger. Dennoch steige die Einwohnerzahl in einem ähnlichen Tempo wie zwischen 2012 und 2016 weiter an. "In diesem Zeitraum", sagt Schneider, "gab es beispielsweise in Watzenborn-Steinberg keine Ausweisung von Neubaugebieten." Nun aber fange man an, wieder Baugebiete auszuweisen. "Das heißt, es wird mehr gemacht als in dem fortgeschriebenen Zeitraum."

Hinzu kämen Standortvorteile Pohlheims wie die direkte Nachbarschaft zum Oberzentrum Gießen, die Autobahnnähe, mögliche Gewerbeansiedlungen und ein "homogenes Versorgungszentrum" inklusive medizinischer Angebote, die ein weiteres Wachstum der Stadt begünstigen könnten.

Abweichen von Konsens bedauert

Der Demografie-Atlas sei in Abstimmung mit allen Kreiskommunen erarbeitet worden, fügt Schneider hinzu. Zu oft sei in der Vergangenheit mit unterschiedlichen Prognosen gearbeitet worden. "Umso bedauerlicher" sei "das Abweichen des Pohlheimer Bürgermeisters von diesem Konsens."

2018 hatten sich die Bürgermeister im Kreis Gießen in Zusammenarbeit mit dem damaligen Demografiebeauftragten des Landkreises, Julien Neubert, auf ein Prognoseszenario für ihre jeweilige Kommune festgelegt. Schneider äußert ihre Irritation darüber, "dass man zwei Jahre später dem vereinbarten Szenario zur Bevölkerungsprognose widerspricht."

Während das Land für den Zeitraum zwischen den Jahren 2015 und 2030 ein Anwachsen der Einwohnerzahl Hessens von 2,5 Prozent voraussagt, rechnet der Landkreis Gießen übrigens mit einem wesentlich größeren Wachstumspotenzial von knapp 5,3 Prozentpunkten zwischen 2016 und 2030. "Damit entwickelt sich die Bevölkerung im Vergleich sogar dynamischer als in vielen Landkreisen des Rhein-Main-Gebiets", erklärt die Landrätin.

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