Bernd Schöps Stadtbrandinspektor
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Bernd Schöps Stadtbrandinspektor

Kurze und schnelle Wege

  • vonLena Karber
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Pohlheim(lkl). In den letzten Monaten ist bei der Pohlheimer Feuerwehr eine viel diskutierte Umstrukturierungsmaßnahme endgültig beschlossen und umgesetzt worden: die Zusammenfassung der sechs Stadtteilfeuerwehren zu drei Schutzbereichen. Watzenborn-Steinberg und Hausen bilden nun den Schutzbereich I, der als "Löschzug Nord" bezeichnet wird, Garbenteich und Dorf-Güll den Schutzbereich II, namentlich "Löschzug Ost", und Grüningen und Holzheim den Schutzbereich III, der "Löschzug Süd" genannt wird.

Personelle Probleme als Auslöser

Für den Pohlheimer Stadtbrandinspektor Bernd Schöps war der Vollzug dieses Schrittes nur "eine Frage der Zeit". Hintergrund ist unter anderem, dass sich die Pohlheimer Alarm- und Ausrückeordnung bereits seit über 20 Jahren von der Ordnung der meisten anderen Feuerwehren unterscheidet, nach der eine Stadtteilfeuerwehr bei Bedarf zunächst auf die Unterstützung der Kernstadtwehr zurückgreift. In Pohlheim hingegen bilden in diesem Fall zwei Stadtteile gemeinsam einen Löschzug und nur Sonderfahrzeuge rücken aus Watzenborn-Steinberg an. In der Praxis arbeiteten zwei Stadtteilfeuerwehren also ohnehin bereits als Löschzug zusammen.

Zudem entschieden sich die Führungskräfte 2013 für eine Vereinheitlichung der Ausbildung und Ausrüstung aller Stadtteile, nachdem ein unterschiedlicher Ausbildungsstand in den Löschzügen festgestellt worden war. Entsprechende Einsatz- und Ausbildungskonzepte wurden entwickelt und werden seit 2014 angewendet.

Dass jeder der sechs Stadtteile einen eigenen Wehrführer samt Vertreter hatte, habe folglich weder zu der Pohlheimer Alarm- und Ausrückeordnung noch zu den einheitlichen Konzepten für Einsatz und Ausbildung gepasst.

Als Mitte 2019 in Dorf-Güll keine Nachfolger für den amtierenden Wehrführer und seinen Stellvertreter gefunden wurden, habe es zudem einen konkreten Auslöser gegeben, der eine Entscheidung erfordert habe, sagt Schöps. Durch die Bildung der Schutzbereiche habe man den Bedarf an Wehrführern nun halbiert.

Die Zusammenfassung von zwei Stadtteilen zu einem Schutzbereich betreffe jedoch nur die Führungsebene, betont er. Jeder Stadtteil wird weiterhin seinen separaten Standort im Bereich der eigenen Gemarkung haben.

Bereits im September 2019 wurde die Maßnahme durch den Wehrführerausschuss einstimmig beschlossen. Im Dezember wurde die durch die Umstrukturierung erforderlich gewordene Satzungsänderung durch den Magistrat, den Haupt- und Finanzausschuss und durch die Stadtverordnetenversammlung genehmigt. Im Januar dieses Jahres wurden die neuen Führungskräfte gewählt. Im Rahmen einer Magistratssitzung fanden dann die Ernennungen und Verabschiedungen statt.

Aus Sicht von Stadtbrandinspektor Schöps ist die Entwicklung positiv. "Für mich persönlich bedeutet es, dass ich jetzt noch kürzere Wege und effizientere Sitzungen habe", sagt er. "Ich kann nun zwei Stadtteile über einen Wehrführer koordinieren."

Über die Entscheidung waren jedoch nicht alle Mitglieder der Pohlheimer Feuerwehr glücklich. Es habe "Befürchtungen und Ängste" gegeben, die den Bereich des Zwischenmenschlichen betroffen hätten, berichtet Schöps. Dabei hätten alle Kritiker im Grunde Verständnis für die Überlegung gehabt und eingeräumt, dass eine Zusammenfassung durch die einheitliche Ausstattung und Ausbildung unproblematisch sei. Ihre Sorge habe sich darauf bezogen, keinen direkten Ansprechpartner mehr im Ort zu haben. Einige wenige hätten ihm sogar gesagt, dass sie im Falle der Zusammenfassung aus der Feuerwehr austreten würden. "Bis heute ist jedoch niemand ausgetreten", sagt Schöps. Negative Folgen seien daher bislang "zum Glück" ausgeblieben.

Bislang eher positives Feedback

Aufgrund der Corona-Pandemie habe es erst eine Wehrführersitzung gegeben, auf der das Feedback eher positiv gewesen sei, sagt er. "Es ist alles noch ganz frisch, aber die meisten sind jetzt beruhigt, weil es einfach funktioniert."

Schöps ist überzeugt davon, dass es der richtige Schritt war. "In der aktuellen Situation, wo ich kurze, schnelle Wege zu den Wehrführern brauche, hat es sich bereits ein Stück weit ausgezahlt." FOTO: PM

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