Kriminalistischer Spürsinn: Betrug aufgedeckt

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Pohlheim (pm). Ab und zu spielt der Kommissar Zufall Fahndern in die Hände, wenn sie ein »schwarzes Schaf« aus dem Verkehr ziehen, ab und zu hat eine Zivilstreife der Polizei aber auch einfach den richtigen Riecher. So geschehen auf der A 5 bei Pohlheim. Die Streife erwischte einen Betrüger, der zuvor in Fernwald eine Frau hereingelegt hatte.

Zur Kontrolle eines schwarzen Pkw entschlossen sich Zivilfahnder am Nachmittag des 10. Juni, als der Wagen bei Fernwald auf die A 5 auffuhr. Wie eine Sprecherin des Polizeipräsidiums in Gießen jetzt berichtete, lotsten die Polizisten den Passat auf den Parkplatz Limes-West. Sie trafen am Steuer einen 24-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen an. Der Mann war in der Vergangenheit bereits polizeilich in Erscheinung getreten, er war wegen Betrugsdelikten und Wucher schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Im verwahrlosten Fahrzeug fanden sich Rechnungsblöcke und Arbeitsutensilien, außerdem ein EC-Kartenlesegerät, ein Teleskopschlagstock, mehrere Goldketten und eine Kreditkarte von einem Mann aus Münster. Alles Gründe, genauer hinzuschauen.

Die Fahnder schauten sich das Klemmbrett mit den Rechnungsvordrucken an und hoben den letzten Eintrag hervor. Dieser stammte von einem Auftrag in Fernwald. Die Polizisten kontaktierten die arglose Rentnerin. Sie bestätigte die Beauftragung eines Kammerjägers, der die Mäuse in ihrem Garten entfernen sollte. Der Mann habe etwa eine halbe Stunde lang eine Flüssigkeit in Mauselöscher gespritzt und dafür 700 Euro verlangt. Diesen Betrag habe sie sofort über das Kartenlesegerät begleichen müssen.

An den Dienstleister sei ihr Sohn über das Internet gekommen. Die seriös anmutende Seite habe eine Handynummer als Kontakt enthalten, über die er den Kontakt hergestellt habe. Die Leistung des beauftragten Mäusejägers war jedoch wenig erfolgversprechend ausgeführt und ihr Geld nicht wert, berichtet die Polizei. Die Ermittler leiteten ein Verfahren wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges gegen den 24-Jährigen ein. Ob er auch für eine betrügerische Rohrreinigung für 1200 Euro am gleichen Tag in Bad Vilbel verantwortlich ist, werden weitere Ermittlungen zeigen. Personen- und Fahrzeugbeschreibung lassen dies zumindest vermuten.

Wie kam er an die Kreditkarte?

Die im Fahrzeug aufgefundenen Ketten sind goldfarben. Ob es sich dabei tatsächlich um solche aus Edelmetall handelt und wie hochwertig sie wirklich sind, werden ebenfalls weitere Untersuchungen ergeben. Betrüger nutzen häufig Billigware und bieten sie zu überhöhten Preisen zum Kauf an. Auch geben sie oft an, sich in einer Notsituation fern der Heimat zu befinden, zum Beispiel dringend Tanken zu müssen, um nach Hause zu gelangen. Sie tauschen mit gutmütigen Bürgern Schmuck gegen Bargeld. In der Regel entspricht der Wert des sogenannten »Autobahngoldes« letztlich nicht dem Bargeldbetrag. Bislang sind der Polizei in der Region keine Straftaten mit solchem Schmuck Anfang/Mitte Juni bekannt geworden, weshalb dem Westfalen diesbezüglich nichts vorgeworfen werden kann. Damit mit dem Schmuck niemand betrogen werden kann sowie zu Ermittlungszwecken, wurden auch die Ketten sichergestellt.

Den in der Ablage der Fahrertür gefundenen Teleskopschlagstock zogen die Kontrolleure ein. Der Mann bekam ihn nicht zurück, da es sich um eine verbotene Waffe handelt. Die Polizisten leiteten ein Verfahren wegen Verstoß gegen das Waffengesetz ein.

Was es mit der Kreditkarte aus Münster auf sich hat, ist noch zu klären. Die bereits gesperrte Karte muss irgendwie in den Besitz des Betrügers gekommen sein. Auf welchem Wege dies geschah, wird ermittelt. Darüber hinaus wird geklärt werden, ob mit der Karte schon Straftaten begangen wurden. Die Karte wandert mit den anderen sichergestellten Gegenständen in die Asservatenkammer.

Der 24-Jährige durfte schließlich seiner Wege gehen. Dank eines festen Wohnsitzes in NRW ist er für die Justiz erreichbar. »Der Erfolg der Zivilfahnder ist ein Glücksgriff«, berichtet die Polizeisprecherin, denn in den meisten Fällen verschwinden Betrüger unerkannt, ohne weitere Ermittlungsansätze und große Hoffnung auf Identifizierung.

Die Polizei rät zur Vorsicht und gesundem Misstrauen und empfiehlt unter anderem, von Haustürangeboten Abstand zu nehmen. Bei der Beauftragung von Handwerkern sei man gut beraten, sich an Empfehlungen im Bekanntenkreis oder ortsansässige Betriebe zu wenden. Offerten aus dem Internet sollten besonders geprüft werden, z.B. ob die angegebene Firma einen konkreten Firmensitz eingetragen hat und über eine Ortsnetznummer erreichbar ist. Und: »Verlangen Sie einen Vertrag und eine Rechnung«.

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