Zum ersten Mal steuert Janek Neundorf die MS Molly.
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Zum ersten Mal steuert Janek Neundorf die MS Molly.

Mission

Janek Neundorf will die Fassenacht retten

  • vonStefan Schaal
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Janek Neundorf ist der jüngste Sitzungspräsident der Mollys in Watzenborn-Steinberg. Ganz bewusst setzt der Verein auf Schritte, um mehr junge Menschen für die Fassenacht zu gewinnen.

Pohlheim - Janek Neundorf ist müde, erschöpft. Und glücklich. Es ist Samstag, weit nach Mitternacht. Fünf Stunden lang hat der 20-Jährige gerade die große Prunksitzung der Mollys in Watzenborn-Steinberg geleitet. "Ich war am Anfang sehr aufgeregt", gesteht er, als er die Narrenkappe abnimmt. "Einmal habe ich Abmarsch statt Ausmarsch gesagt", sagt er schmunzelnd. Neundorf ist der jüngste Sitzungspräsident, den der Pohlheimer Carnevalverein je hatte.

Ganz bewusst setzen die Mollys auf Verjüngung. Die Fastnacht verliere leider zunehmend an Bedeutung in der Gesellschaft, sagt der Vereinsvorsitzende, Sven Haase. "Junge Menschen interessieren sich kaum noch für Karneval." Wer am Samstagabend in der Volkshalle sitzt, würde Haase sofort widersprechen. Zahlreiche Kinder hüpfen und rennen durch den Saal, während oben auf der Bühne auch mal mehr als 50 Mädchen des Vereins einen Gardetanz vorführen. "Wir müssen an die Zukunft denken jetzt den Schalter umlegen", sagt Haase. Daher setze man auf junge Leute, auch im Elferrat.

Im vorigen Jahr hat Neundorf noch in Hausen auf der dortigen Prunksitzung gekellnert, nun ist er Sitzungspräsident der Mollys. "Vom Tellerwäscher zum Millionär", ruft ihm Büttenrednerin Pia Krämer zu.

Es ist ein knallbuntes Programm, das die Aktiven den 380 Gästen in der Volkshalle am Samstag bieten. Als Fische verkleidet flüchten die Junioren in einem Showtanz vor einer Qualle, bis diese plötzlich "Ein bisschen Frieden" anstimmt. Besucher liegen sich während einer "Helene-Fischer-Show" singend in den Armen. Büttenredner Prof. Volkmar Wolters erinnert daran, dass die Mollys bereits vor vier Milliarden Jahren in der Ursuppe ihr Unwesen trieben - als "Mollyküle". Als zum Finale das Lied "Wir sind die Mollys" erklingt, steht Neundorf oben im weißen Kostüm eines Schiffskapitäns auf dem Tisch des Elferrats und schunkelt.

Erst vor wenigen Monaten hat ihn der bisherige Sitzungspräsident Jörg Buß gefragt, ob er sich die Aufgabe vorstellen könnte. Neundorf sagte spontan zu. Im nächsten Jahr wolle er eigene Akzente setzen. Es gehe auch darum, den Partycharakter zu verstärken, sagt er. Eine seiner Ideen ist zum Beispiel, einen DJ für die Stunden nach der Sitzung zu engagieren, um mehr junge Besucher zu gewinnen. Dass ihm das gelingen wird, ist Neundorf zuzutrauen. In Gießen hat er im vergangenen Jahr das Lahnuferfest maßgeblich auf die Beine gestellt und wird dort im Frühjahr die Betriebsleitung der Strandbar übernehmen. "Viele Freunde in meinem Alter haben mit Karneval nichts zu tun", sagt Neundorf. "Das Helau ist ihnen fremd."

So gut wie alle Fastnachtsvereine im Kreis müssen sich in den kommenden Jahren die Frage stellen, ob und wie sie die Fastnachtsveranstaltungen für das junge Publikum attraktiver gestalten. Am Samstag stehen in der Pohlheimer Volkshalle einige Ältere beisammen und erinnern sich, dass es vor Jahren noch zwei Prunksitzungen gab. "Früher war die Volkshalle proppenvoll, da standen die Tische viel enger beisammen", erzählt einer.

Karneval bedeute für ihn Freude, Spaß und Zusammenhalt, sagt Neundorf. Man müsse neue Ideen finden, um dies weiter mit Leben zu füllen. Haase, der Vorsitzende der Mollys, hebt die Hand und fügt noch eines hinzu, was den Karneval ausmacht: "Brauchtum."

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