Gisela Distler-Brendel
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Gisela Distler-Brendel

Gisela Distler-Brendel

Mit 102 Jahren zur Corona-Impfung

  • vonRoger Schmidt
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Pohlheim (rge). Ihren 102. Geburtstag vollendete am Montag in Hausen Gisela Distler-Brendel, ehemalige Professorin für Musikpädagogik am Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Coronabedingt ohne Feier. Mit ihrer polnischen Betreuerin an der Seite antwortete sie auf die Frage, ob sie sich im hohen Altern gegen das Virus noch impfen lassen möchte, mit fester Stimme: »Ja, klar!« Dies spiegelte einmal mehr ihre positive Lebenseinstellung wider, die sie durch äußere Ereignisse als junge Frau geprägt hatte. Die Musik half ihr dabei.

Überhaupt beobachtet Gisela Distler-Brendel geistig hellwach die Welt. Sie hört nach wie vor gerne klassische Musik und verfolgt die Nachrichten. Geboren am 11. Januar 1919 im niedersächsischen Quakenbrück, verschrieb sie sich über das Klavierspielen schon früh der Liebe zur Musik. Als Tochter eines Gymnasiallehrers und ihrer russischstämmigen, jüdischen Mutter erlebte Gisela Distler-Brendel die eigene Verfolgung in der Nazi-Zeit. Sie überlebte. 1945 heiratete sie und gab mit ihrem Mann Hubertus Distler, der bereits 1972 verstarb, Konzerte im In- und Ausland.

Nach ihrem Pädagogikstudium wurde Distler-Brendel 1961 erste hauptamtliche Lehrkraft im Fach »Musikerziehung« an der Justus-Liebig-Universität. 1973 wurde sie am Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik zur Professorin ernannt. Nach ihrer Pensionierung 1985 spielte sie europaweit noch viele Jahre in dem von ihr mitgegründeten Barockensemble.

Nach 2001 adoptierte sie ein verfolgtes afghanisches Mädchen, die in ihrer neuen Heimat inzwischen verheiratet ist. Heute freut sich die Jubilarin nicht nur über ihre Adoptivtochter, sondern auch über drei Enkelkinder. FOTO: RGE

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