Felix Herzberger in seinem Braukeller und das Glas mit seinem Konterfei und Spruch. FOTO: RGE
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Felix Herzberger in seinem Braukeller und das Glas mit seinem Konterfei und Spruch. FOTO: RGE

"Ich braue, was mir schmeckt"

  • vonRoger Schmidt
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Pohlheim(rge). In Deutschland gibt es immer mehr Brauereien, sagt die Statistik. Zu diesem allgemeinen Trend gehört trotz insgesamt fallendem Bierabsatz, dass viele kleine Haus- und Hobbybrauer in ihrer Mikrobrauerei mittlerweile ihre Biere zu Hause und ganz nach ihrem eigenen Geschmack brauen. 200 Liter kann man so im Jahr für den Eigenverbrauch als "Haustrunk" im Brauvorgang herstellen, ohne dass der Fiskus Biersteuern erhebt. Ein Braumeistertitel ist dank EU-Recht bereits seit 2004 nicht mehr notwendig.

Kälte wird in Kesselwand erzeugt

Einer, der sich der Zubereitung des Lieblingsgetränks der Deutschen seit einigen Jahren verschrieben hat, ist der 29-jährige Pohlheimer Felix Herzberger. "Das hat was mit dem Geschmackserlebnis zu tun, dass Industriebiere so nicht bieten", sagt er voller Überzeugung. Und wer kann von sich sagen, dass er aus dem schottischen und deutschen Nationalgetränk ein Whiskey-Bier kreiert hat? Eben was ganz Besonderes bestätigten ihm schon seine Freunde.

Der gelernte Schreiner und heutige Elektromeister an der Justus-Liebig-Universität Gießen ist begeisterter Bierliebhaber. Seine eigene kleine Brauerei im Keller in Watzenborn-Steinberg ist ein Unikat. Der Gärbehälter wurde 2019 nach seinen Plänen durch Handwerker in China als Prototyp gefertigt und mit dem Flugzeug eingeflogen.

Herzbergers Interesse an der Braukunst wurde vor vier Jahren geweckt. Im Internet war er damals auf entsprechenden Foren unterwegs und informierte sich über die deutsche Braukunst. Mit einem Einkocher fing - wie bei vielen anderen Hobbybrauern - alles an. Das erste Bier wurde nur aus Malz und Hopfen gebraut. Das kam bei seinen Freunden und ihm an, und motivierte, weiterzumachen.

Inzwischen bestellt der Pohlheimer gemeinsam mit Braukollegen aus der Region Malz aus Wallertheim und Hopfen aus der Hallertau. Gemeinsam haben die Freunde unter anderem aus Sinn, Biebertal und Linden einen Stammtisch, der aber in diesen Pandemie-Zeiten nicht zusammenkommen kann, bedauert Herzberger, der mit Abstand der Jüngste ist. "Ich braue, was mir schmeckt", sagt er und hat mittlerweile den 50. Sud angesetzt. So sind der kleine Sudkessel und Gärbehälter, beide aus A4-Stahl, kleine Ebenbilder von großen Silos in den Brauereien.

Sein Gärbehälter habe im Gegensatz zu frei verkäuflichen Exemplaren einen unschlagbaren Vorteil in Sauberkeit und Hygiene. Es ist keine Kühlspirale inmitten des Bieres verbaut, sondern die Kälte wird in den Wänden des Kessels erzeugt. "So lässt sich der Behälter leicht ohne Rückstände reinigen", weiß Herzberger aus Erfahrung.

Die Kontaktaufnahme in Asien sei problemlos verlaufen, und die Arbeit der chinesischen Partner einwandfrei. Lediglich acht Wochen dauerte es von der Zeichnung über die Fertigung bis hin zur Verzollung und Lieferung per Luftfracht. Und trotz der deutschen Steuern seien die Kosten überschaubar im Vergleich zu anderen Herstellern, sagt der Hobbybrauer. Sie sind aber nur der Mittel zum Zweck, denn auf den Brauvorgang und die richtige Mischung aus Hopfen und Malz sowie - wenn gewollt - die entsprechenden Geschmacksstoffe kommt es an.

Der Brauprozess im Sudkessel dauert je nach Rezeptur sechs bis acht Stunden, dann geht’s in den Gärbehälter, wo am Ende je nach Biersorte ein gut gekühltes Lager, Helles, Dunkel, Weizen oder ein Düsseldorfer Alt-Bier zur Abfüllung ansteht. Das kommt entweder in die Flasche oder in ein 20-Liter-Fass.

Mindestens ein Jahr seien seine Biere haltbar, also kein Problem in Corona-Zeiten, wenn der Stammtisch ausfällt und Freunde Distanz halten müssen. "Es ist einfacher, als man denkt", macht der Pohlheimer anderen Mut, das Brauen auszuprobieren.

"Eigenes Bier schmeckt mir einfach am besten", lacht Herzberger. Auch ein eigenes Glas mit seinem Konterfei hat er bereits. Darauf steht "Felix Herzbergers Bier… das Gebräu mit Herz".

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