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Gemeindenzentrum und Kirche der "Mor Had-Bschabo"-Gemeinde in Hausen. Das Gebäude links würde bei der geplanten Erweiterung deutlich größer werden.

Umstritten

Hausener Ortsbeirat gegen Vergrößerung des syrisch-orthodoxen Gemeindezentrums

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Die syrisch-orthodoxe Kirche will in Hausen ihr Gemeindezentrum vergrößern. Der Ortsbeirat lehnte die Pläne ab - mit Verweis auf massive Kritik der Anwohner an der Parksituation.

In Hausen will die syrisch-orthodoxe Mor Had-Bschabo-Kirchengemeinde ihr Gemeindehaus erweitern. Die Kapazität soll von derzeit 350 auf 500 Plätze steigen. Beim Ortsbeirat in Hausen fiel dieser Vorschlag glatt durch. Nach einer intensiven Diskussion lehnten alle sechs anwesenden Mitglieder des Gremiums die Pläne ab. Zuvor hatten zahlreiche Anwohner ihre Kritik an der Ist-Situation deutlich gemacht.

Die Kirche der aramäischen Gemeinde mit angrenzendem Gemeindezentrum steht auf einem Grundstück mitten in einem Wohngebiet. Dies sorgt für zwei Konflikte: Parken und Lärm. Bei Ortsvorsteher Jörg Schwarz laufen immer wieder Beschwerden zu dem Thema auf. "Die Situation überschreitet jetzt schon die Belastbarkeitsgrenzen der Anwohner. Da kann man das nicht nochmal um 150 steigern", erklärt er, warum der Ortsbeirat die Erweiterungspläne ablehnte.

Lärm durch Feiernde

Im Sommer würden im Gemeindezentrum häufig Feste und Spieleabende stattfinden. "Wenn es hier und da mal lauter werden würde, würde keiner was sagen", sagt Schwarz. Gehende Besucher sowie geöffnete Fenster während Feiern würden jedoch regelmäßig für Krach zu später Stunde sorgen.

Ein weiteres Problem ist das Parken. 70 Parkplätze sind aktuell an der Kirche vorhanden. Bei größeren Veranstaltungen wie Kirchenfesten, Beerdigungen oder Hochzeiten reichen diese jedoch bei weitem nicht aus. Anwohner berichten, dass dann ganze Straßenzüge zugeparkt sind. Für Rettungsfahrzeuge sei kein Durchkommen, zudem würden Einfahrten blockiert. Einige der Kirchenbesucher würden ungehalten reagieren, wenn sie darauf angesprochen würden, dass sie ihre Fahrzeuge nicht richtig abgestellt haben.

Lage im Wohngebiet problematisch

Im Frühling dieses Jahres soll solch eine Situation eskaliert, eine Anwohnerin von Kirchenbesuchern bedroht worden sein. Andere Mitglieder der syrisch-orthodoxen Gemeinde hätten deeskalierend eingegriffen. Der Ortsbeirat habe daraufhin mit dem Vorstand der Kirchengemeinde gesprochen, eine Entschuldigung von der Kirche sowie dem Verursacher stehe noch aus. Sowohl Ortsbeirat als auch Gemeindevorstand und Anwohner seien eigentlich um ein friedliches Miteinander bemüht, sagt Schwarz.

Isa Bulut, Vizevorsitzender der Mor Had-Bschabo-Kirchengemeinde, hat Verständnis für die Kritik der Anwohner. "Unser Nachteil ist, dass sich unsere Kirche in einem Wohngebiet befindet. Wir können die Menschen verstehen. Wir wollen gute Beziehungen zu unseren Nachbarn pflegen." Gerade bei Hochzeiten und Beerdigungen würden viele Personen von außerhalb anreisen. Diese würden nicht alle im Gemeindezentrum Platz finden, dann draußen stehen und sich unterhalten. "Dann wird es laut."

Klimaanlage als Lärmschutz?

Mit einer Erweiterung des Gemeindezentrums hofft er, dass die Situation entschärft wird. Zudem wolle man eine Klimaanlage einbauen. Dadurch - so die Hoffnung - würde der Lärm entfallen, wenn bei Feiern nachts Fenster zum Lüften geöffnet werden. Bereits jetzt weise man die Kirchenbesucher regelmäßig darauf hin, ordnungsgemäß zu parken. Bei größeren Veranstaltungen setze man zudem Ordner ein.

Diese Bemühungen bestätigt auch Ortsvorsteher Schwarz. "Der Vorstand ist bemüht, aber einige Gemeindemitglieder sind es nicht." Dass in Hausen ein Gemeindezentrum mit 500 Plätzen entstehen soll, kann er sich nicht vorstellen. "Wir haben 2000 Einwohner." Selbst wenn die An- und Abreise der Gläubigen einmal nicht mehr durchs Dorf, sondern über den geplanten Kreisel vonstatten ginge, blieben als Probleme weiterhin die Parkplatzsituation und der Lärm. Eine Klimaanlage sieht er dabei nicht als perfekte Lösung. "Ich kann niemanden verbieten, das Fenster zu öffnen."

350 Plätze seien bereits Kompromiss

Die Kirchengemeinde wolle nun mit den Anwohnern ins Gespräch kommen, um eine Lösung zu finden, sagte Bulut. "Wir haben keinen Zeitdruck für eine Erweiterung." Ortsvorsteher Schwarz hält mit Blick auf die Stimmung im Ort eine Vergrößerung des Gemeindezentrums in absehbarer Zeit für nicht realistisch. Als man sich vor einigen Jahren auf 350 Plätze geeinigt habe, sei man bereits Kompromisse eingegangen. Die Entscheidung liegt nun erst einmal bei den Pohlheimer Stadtverordneten.

Eine Anfrage an Bürgermeister Udo Schöffmann blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

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