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Derzeit werden im Haus "Herbstzeitlose" brandschutztechnische Maßnahmen ausgeführt.

Haus "Herbstzeitlose" wird keine Flüchtlingsunterkunft

Pohlheim (chh). Es tut sich etwas in der ehemaligen Watzenborn-Steinberger Seniorenresidenz "Herbstzeitlose": Seit einigen Tagen stehen Fahrzeuge von Baufirmen vor der Tür, die Arbeiter schleppen Material und Werkzeug ins Innere. Wird das Haus eine Unterkunft für jugendliche Flüchtlinge? Nein, betont ein Mitarbeiter der Inhaberfirma.

Demnach werden derzeit im Gebäude die elektrischen Anlagen erneuert, auch brandschutztechnische Maßnahmen stehen an. Dazu gehöre auch der Einbau einer Trinkwasser-Trennstation. Abgeschlossen sein sollen die Arbeiten am 1. April. Und dann? Laut des Viam-Mitarbeiters sind vielfältige Nutzungsmöglichkeiten denkbar. Es sei nicht ausgeschlossen, dass ins "Herbstzeitlose" wieder Senioren einziehen.

Wie schon vor 40 Jahren. 1975 war das Haus im Fortweg 3 als Alten- und Pflegeheim gebaut worden. Im Laufe der Zeit musste es mehrfach saniert werden. Doch anscheinend rechnete sich der Betrieb nicht. Im Sommer 2005 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, das Haus ging an ein Cottbusser Unternehmen. Ende 2014 – zu dieser Zeit wurde das Haus von der Michael-Bethke-Unternehmensgruppe betrieben –, standen erneut Sanierungsarbeiten an. Rund 50 Bewohner sollten für ein halbes Jahr in die ebenfalls von der Bethke-Gruppe betriebene Seniorenheime "Haus Neue Mitte" in Watzenborn-Steinberg und die "Burgresidenz Luitgard" in Staufenberg ziehen. Doch dann kam die Flüchtlingskrise. Da das Haus aufgrund seiner Raumaufteilung mit Apartments, Sozialräumen und sanitären Einrichtungen sehr gut für die Unterbringung von Flüchtlingen geeignet wäre, verhandelten die Besitzer mit dem Landkreis.

Zunächst über eine Nutzung als Gemeinschaftsunterkunft, später als Domizil für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge.

Doch vor einigen Tagen teilte Pohlheims Bürgermeister Udo Schöffmann mit, aus dem Vorhaben werde nichts. Grund sei unter anderem, dass der Landkreis nicht mehr so viele unbegleitete jugendliche Flüchtlinge zugewiesen bekomme. Außerdem sei die Finanzierung wohl nicht stemmbar. Schöffmann sagte gegenüber dieser Zeitung, die Betreuung für zwei Jahre werde rund vier Millionen Euro kosten, und es sei nicht klar, ob das Land die Kosten übernehme.

Wer demnächst in das "Herbstzeitlose" einzieht, ist also ungewiss. Flüchtlinge werden es nicht sein. Vielleicht sind es Senioren. So wie schon vor 40 Jahren.

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