Auf einer derzeit landwirtschaftlich genutzten Fläche von 25 Hektar soll in Garbenteich ein Gebiet mit Gewerbe und Industrie entstehen.
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Auf einer derzeit landwirtschaftlich genutzten Fläche von 25 Hektar soll in Garbenteich ein Gebiet mit Gewerbe und Industrie entstehen.

Offenlegung bis Freitag

Gewerbegebiet in Pohlheim: Warum die Bürgerinitiative von den Plänen enttäuscht ist

  • vonStefan Schaal
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Die Pläne für das Gewerbegebiet in Garbenteich liegen noch bis morgigen Freitag offen. Anwohner, Betroffene und Vereine nutzen die Gelegenheit, Wünsche und Forderungen zu dem Großprojekt zu äußern. Vor allem eine Sorge umtreibt derweil die Bürgerinitiative Garbenteich.

Die Zeit des Wünschens ist angebrochen - zumindest in Garbenteich. Die Pläne für das Gewerbegebiet liegen offen. Und Anwohner und Pohlheimer Vereine nutzen die Möglichkeit, bis kommenden Freitag Stellungnahmen zu dem Vorhaben zu formulieren und Vorschläge, Ideen und Forderungen zu dem Gebiet zu äußern, auf dem sich Unternehmen auf einer Fläche von 25 Hektar ansiedeln sollen. Auch die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) Garbenteich reichen ihre Einwände zu dem Projekt ein - gleichzeitig umtreibt sie eine große Sorge.

»Für das Gewerbegebiet fehlt das öffentliche Bewusstsein«, sagt Karsten Becker vom Vorstand der BI. »Viele glauben, weil das Factory-Outlet-Center gescheitert ist, dass auch das Gewerbegebiet nicht mehr kommt.« Für die BI sei es schwierig, Gehör zu finden.

Tatsächlich ist es ruhiger geworden um die Bürgerinitiative. Rund 200 Mitglieder gehören ihr weiterhin an. »Einige sind aber nicht mehr dabei«, räumt Michel Kögler vom Vorstand ein. Zwei Jahre ist es her, als es der BI gelang, mit kämpferischem Engagement einen Bürgerentscheid zum Outlet-Center zu erwirken. Kämpferisch und engagiert sei man weiterhin, versichert Becker. »Grundsätzlich hat sich, was das Gewerbegebiet angeht, gar nichts verändert.«

Aufmerksam haben die BI-Mitglieder in den vergangenen Monaten das von heftigen Protesten begleitete Vorhaben eines Logistikzentrums in Lich beobachtet. Der Investor in Garbenteich, Daniel Beitlich, hat Logistik ausgeschlossen. Dennoch befürchte man in Garbenteich einen großen Firmenkomplex mit riesigen Gebäuden, Lärm und einem hohen Verkehrsaufkommen. »Die Sorge ist, dass die Bürger wie in Lich ihren Protest zu spät organisieren«, sagt der stellvertretende Vorsitzende der BI, Hans Jürgen Jacob. Vorstandsmitglied Kögler untermauert die Befürchtung: »Lich schwebt über allem. Das wäre ein Albtraum.«

Es ist ein kühler Dienstagabend, Mitglieder der Bürgerinitiative sitzen plaudernd in den Admonter Stuben beisammen. Die Pläne für das Gewerbegebiet verwundern, sagt der Vorsitzende, Prof. Bernd Smarsly. »Ich hätte mehr Innovation erwartet, vielleicht ein Projekt mit Wasserstofftechnologie oder mit dem Vorhaben, klimaneutral, mit Begrünung oder etwas mit Solartechnik zu bauen.« Stattdessen biete der Investor Fläche, auf der Unternehmen »möglichst groß und billig etwas draufstellen«, sagt Smarsly. »Als wären das Pläne aus den 60er Jahren. Das ist enttäuschend.«

Das Thema des Klimaschutzes tauche in den Plänen bisher nicht auf, beklagt Becker. »Da wird nicht über den Tellerrand hinaus geschaut, maximal bis zur Tischkante. Dabei ist der Speisesaal viel größer.«

Die BI-Mitglieder lehnen ein Gewerbegebiet grundsätzlich ab. Gleichzeitig stellen sie die Frage, warum Gewerbe nicht zumindest etwas weiter entfernt von der Wohnbebauung angesiedelt werden könnte. Das vor Jahrzehnten einmal angedachte Gebiet »Gebrannter Triesch«, südlich vom nun geplanten Areal gelegen, »wäre mit 15 Hektar ausreichend groß«, sagt Becker.

In ihren Stellungnahmen, die die BI-Mitglieder in den vergangenen Wochen formuliert haben, beklagen sie unter anderem, dass laut der veröffentlichten Pläne in einem Mischgebiet im westlichen Abschnitt des Areals 60 Prozent der Grundstücksfläche überbaut werden können und zudem drei Vollgeschosse möglich sind. »Das Ergebnis könnten größere Wohnblocks sein«, sagt Smarsly.

Außerdem bemängelt die Bürgerinitiative, dass im östlichen Teil nahe der Autobahn Industrie ausgerechnet auf dem höchsten Punkt der Fläche angesiedelt werden soll. »Da werden Lärmschutzkonzepte wenig bringen«, sagt Kögler. Lärm sei ohnehin bereits ein großes Problem in Garbenteich durch die Autobahn und zwei Landstraßen. »Das Gebiet ist für Gewerbe nicht geeignet«, sagt Becker.

Ihre Hoffnung richten die BI-Mitglieder vor allem auf zwei Termine: Am 1. November wird in Pohlheim ein Bürgermeister gewählt. Und am 14. März wird bei den Kommunalwahlen das Pohlheimer Stadtparlament neu gebildet. »Da könnten sich die Mehrheitsverhältnisse ändern«, sagt Becker. »Und damit auch die Situation für das Gewerbegebiet Garbenteich-Ost.«

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