Daniel Beitlich, Geschäftsführer der Revikon GmbH, will die Ansiedlung von Unternehmen im Gewerbegebiet Garbenteich-Ost in Pohlheim langsam angehen.
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Daniel Beitlich, Geschäftsführer der Revikon GmbH, will die Ansiedlung von Unternehmen im Gewerbegebiet Garbenteich-Ost in Pohlheim langsam angehen.

Großprojekt im Kreis Gießen

Gewerbegebiet Garbenteich-Ost: So soll das Gelände in Pohlheim vermarktet werden

  • vonStefan Schaal
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In der vergangenen Woche hat das Pohlheimer Stadtparlament den Satzungsbeschluss für das Gewerbegebiet Garbenteich-Ost gefasst. Nun erklärt Daniel Beitlich, Geschäftsführer der Revikon GmbH, wie es mit dem Großprojekt im Kreis Gießen weitergehen soll.

Am Donnerstag ist die politische Entscheidung für die Realisierung des Gewerbegebiets Garbenteich-Ost gefallen. Wann könnte die Fläche fertiggestellt sein?

Die Erschließung des Gebiets, das heißt der Bau von Straßen, die verkehrliche Anbindung und die Verlegung von Kanälen werden wir schnell hinbekommen. Bei der Ansiedlung der Unternehmen haben wir und die Stadt vereinbart, dass Schnelligkeit nicht im Vordergrund steht. Wir wollen einen Mix aus Unternehmen, die gute Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen für Pohlheim bringen. Mir ist es offen gesagt auch nicht so wichtig, ob es fünf bis sechs oder zwei bis drei Jahre dauert.

Was ist wahrscheinlicher?

Eine Zeitangabe ist momentan schwierig. Ohne Corona wäre die Fläche sicher in fünf Jahren mit Unternehmen voll belegt. Jetzt müssen wir schauen, welche Auswirkungen die Pandemie hat.

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Wie läuft eigentlich die Entscheidungsfindung, wenn sich ein Unternehmen in Garbenteich ansiedeln will?

Der erste Weg geht zum Bürgermeister. Wir stellen das Unternehmen dem Bürgermeister vor, der stellt es daraufhin dem Magistrat vor. Wenn der Magistrat sagt, dass es noch Diskussions- und Handlungsbedarf gibt, können außerdem die Fraktionsvorsitzenden oder das Stadtparlament befragt werden.

Ist eine solche enge Einbindung der Stadt in eine unternehmerische Entscheidung nicht ungewöhnlich?

Das ist es. Aber wir haben immer gesagt, dass wir für absolute Transparenz stehen. Also auch bei der Ansiedlung.

Das Risiko ist, dass der Bürgermeister oder der Magistrat auch mal Nein sagen.

Das sprengt meinen Vorstellungsrahmen. Und so, wie ich Pohlheim kennengelernt habe, gehe ich davon auch nicht aus. Was daran liegt, dass ich auch nicht plane, irgendetwas Schlechtes vorzustellen.

Wie haben Sie den Satzungsbeschluss am Donnerstag aufgenommen?

Es hat mich extrem gefreut, dass wir eine breite, parteiübergreifende Mehrheit gefunden haben, bei 27 Ja- und zwei bis drei Gegenstimmen. Die Bürgerinitiative hat uns in ihrer Petition ja vorgeworfen, dass hinter dem Gewerbegebiet keine Mehrheit steht. Es ist auch schön, wenn man eine solche Behauptung widerlegen kann.

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Gibt es Bedenken oder Kritikpunkte der BI, die Sie in ihren Planungen berücksichtigt haben?

Die Bürgerinitiative habe ich als eher klein wahrgenommen, aber sehr engagiert. Ihr einziges Ziel ist die Verhinderung des Gewerbegebiets. Das ist natürlich ein schwieriger Ansatz für irgendein Entgegenkommen. Als würden sich die Zahlen 0 und 1 gegenüberstehen. Die 1 ist bereit, runter zu gehen, auf 0,8 oder auf 0,5. Das Gegenüber aber sagt: Nein, null ist null. Tatsache ist, dass das Gewerbegebiet mit jetzt rund 25 Hektar kleiner geworden ist und wir auch nicht in zwei bis drei Jahren schauen werden, ob man die Fläche noch erweitern kann, dann ist das auch ein Entgegenkommen an die BI.

Bis Mai wollen Sie den Kauf der Grundstücke auf der Fläche abschließen. Welche weiteren Schritte stehen in den kommenden Wochen bevor?

Die Vermarktung geht langsam los. Und wir sprechen uns mit den Landwirten ab, damit wir eine saubere Übergabe der Flächen hinbekommen. Wir wollen nicht in Fruchtfolgen oder die Ernte eingreifen. Mit der Erschließung beginnen wir Ende des Jahres.

Wie läuft denn die Vermarktung?

Wir sind gut vernetzt in der Region, haben in den vergangenen Jahren Gewerbegebiete und Ansiedlungen von Unternehmen in ganz Hessen durchgeführt, sei es in Büdingen, Gießen, Butzbach, Rabenhausen oder Ehringshausen. Wir haben daher viel mit ortsansässigen Unternehmen zu tun, nutzen unsere Kontakte. Wir bekommen früh mit, wenn ein Betrieb in der Region sich verändern will.

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Läuft die Vermarktung durch Corona eher zäh an?

Wir haben noch nicht begonnen. Es wäre unseriös gewesen, wenn wir eine Fläche vor dem Satzungsbeschluss vermarktet hätten. Natürlich ist Garbenteich wie ganz Deutschland von der Pandemie betroffen. Trotzdem glauben wir fest an dieses Gewerbegebiet, sonst würden wir auch nicht 15 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Im Pohlheimer Stadtparlament hat ein Abgeordneter der Freien Wähler zu Ihrem Projekt vor ein paar Monaten den Satz geäußert: Der große Wurf ist das jetzt nicht. Was antworten Sie auf einen solchen Vorwurf?

Die Frage ist: Was ist ein großer Wurf? Es gibt immer zwei Wege. Stellen wir dort ein Unternehmen hin, das eine Riesenfläche braucht, mit einem speziellen Bebauungsplan, wie zum Beispiel ein Factory-Outlet-Center? Wir haben uns für den zweiten Weg entscheiden: Wir wollen die Region stärken und wollen dort Betriebe haben, die zu Garbenteich, zum Landkreis und den Leuten passen, die dort leben und arbeiten. Eine solche Lösung kann ökologischer, grüner oder zukunftsfähiger sein. Das Setzen auf mehrere kleine und mittlere Unternehmen kann am Ende des Tages auch der große Wurf sein.

Sie haben keine große Bürgerinformationsveranstaltung zum Gewerbegebiet durchgeführt, vor allem aufgrund der Pandemie. Kritiker des Großprojekts werfen Ihnen Intransparenz vor.

Ich weiß gar nicht, was man mehr an Transparenz machen soll. Wir waren bei jeder Partei in Pohlheim, haben uns mit der Bürgerinitiative getroffen. Wenn Gerüchte über Großlogistik oder Schüttgut oder zuletzt über ein Chemiewerk aufgekommen sind, haben wir das ausgeschlossen und in den städtebaulichen Vertrag aufgenommen. Wenn Leute, die das Gewerbegebiet nicht wollen, falsche Gerüchte verbreiten, ist eher das intransparent. Es gibt keine Geheimnisse, nichts wurde im stillen Kämmerlein beschlossen. Und wir sind mit dem Bürgermeister und dem Magistrat ständig im Austausch. Übrigens wird auch ein Atomkraftwerk nicht kommen. Mit einem solchen Vorschlag würden wir beim Bürgermeister erst gar nicht über die Türschwelle kommen.

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