Der Lärmschutz machts möglich: Von 22 bis 6 Uhr gilt in der Watzenborn-Steinberger Ludwigstraße Tempo 30. FOTO: PAD
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Der Lärmschutz machts möglich: Von 22 bis 6 Uhr gilt in der Watzenborn-Steinberger Ludwigstraße Tempo 30. FOTO: PAD

Geblitzt: 17 Prozent zu schnell unterwegs in der Ludwigstraße

  • Patrick Dehnhardt
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In der Pohlheimer Ludwigstraße gilt seit Kurzem nachts Tempo 30. Die Stadt hat dafür Jahre lang gekämpft - und kontrolliert nun regelmäßog.

Eigentlich könnte es ganz einfach sein: Die Stadt stellt ein Tempo-30-Schild auf und der Verkehr muss sich dann daran halten. So einfach ist es aber nicht. Bis vor wenigen Wochen für die Watzenborn-Steinberger Ludwigstraße zwischen 22 und 6 Uhr eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt werden konnte, dauerte es über zwei Jahre. Damit die neue Regelung auch greift, wird nun nachts öfters geblitzt.

Die Anwohner der Hauptverkehrsachse beklagen sich seit Jahren über den Verkehrslärm und über Raser. Bislang durfte rund um die Uhr auf der Ludwigstraße mit Tempo 50 gefahren werden. In der Pohlheimer Stadtverwaltung hätte man dies gerne schon seit langer Zeit geändert. Da es sich bei der Ludwigstraße jedoch um eine Landesstraße handelt, darf die Stadt nicht eigenmächtig Tempolimits verhängen.

28 Fahrzeuge zu schnell unterwegs

Pohlheims Bürgermeister Udo Schöffmann sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass man nach einem erfolgversprechenden Weg für eine Geschwindigkeitsreduzierung gesucht habe. Da die Straße in einem guten Zustand und kaum verwinkelt ist, zudem kein Unfallschwerpunkt vorliegt, war schnell klar, dass ein Tempolimit rund um die Uhr nicht erreichbar wäre. "So lange der Gesetzgeber da nichts ändert, können wir nichts tun." Für eine nächtliche Geschwindigkeitsbegrenzung sah man jedoch eine reale Chance. "Das war aber ein langer Weg", sagte der Bürgermeister.

Die Stadt wandte sich an das Regierungspräsidium (RP) Gießen und verwies darauf, dass nach dem Lärmschutzaktionsplan in der Ludwigsstraße dringender Handlungsbedarf bestand. Im August 2018 stimmte eine Abteilung des RP dem zu. Eine andere Abteilung hingegen forderte eine Stellungnahme der Straßenverkehrsbehörde an, im November 2019 wurde eine weitere Konkretisierung angefordert.

Ende Januar 2020 wurde schließlich geplant, wo die Schilder genau aufgestellt werden dürfen. Denn damit sich nicht Raser mit gewitzten Anwälten aus etwaigen Bußgeldern herauswinden können, muss hinter jeder Kreuzung das Tempolimit erneut ausgeschildert werden.

"Schilder aufstellen ist das Eine", sagte Schöffmann. "Das funktioniert aber auch nur, wenn man kontrolliert." So baute das Geschwindigkeitsmessteam in der Ludwigstraße nachts eine Messstelle auf - mit beachtlichem Erfolg. Von 167 gemessenen Fahrzeugen waren 28 zu schnell - das sind knapp 17 Prozent. Daher soll auch in Zukunft nachts kontrolliert werden, kündigte Schöffmann an. "Wir bleiben da am Ball."

Einige junge Fahrer verstanden die Geschwindigkeitskontrolle als Herausforderung: Kurz vor dem Blitzer wurde besonders stark heruntergebremst, um dann nach dem Durchqueren des Messpunkts wieder Gas zu geben. Nachdem sich dieses Spiel einige Male wiederholte, winkte die Polizei die Autos heraus, um die Fahrer darauf hinzuweisen, dass "übermäßige Straßenbenutzung" mit Knöllchen geahndet wird.

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