Er hoffe, "dass wir gut zusammen arbeiten", sagte Bürgermeister Ruck. "Und dass wir immer über der Gürtellinie bleiben."	SRS
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Er hoffe, »dass wir gut zusammen arbeiten«, sagte Bürgermeister Ruck. »Und dass wir immer über der Gürtellinie bleiben.« SRS

»Für alles verantwortlich«

  • vonStefan Schaal
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Pohlheim (srs). Es war eine ungewöhnliche Zeremonie - unter den Vorzeichen der Pandemie und geprägt von politischem Streit.

Bei der Amtseinführung eines Bürgermeisters unter normalen Bedingungen wäre der Saal brechend voll gewesen. So aber saßen die Pohlheimer Stadtverordneten am Freitag in der Volkshalle mit gebührendem Abstand an einzelnen Tischen, hinten hatte die Familie des neuen Rathauschefs Andreas Ruck Platz genommen. Bevor sich der vereidigte Bürgermeister und der Stadtverordnetenvorsteher unter Blitzlichtgewitter traditionell und symbolisch für mehrere Sekunden fest die Hand drückten, wurde fleißig mit Desinfektionsmittel gesprüht. Und am Rand der Versammlung bestimmte die Abwesenheit des scheidenden Bürgermeisters Udo Schöffmann (CDU), der aus Verärgerung über eine Aussage Rucks fern geblieben war, viele Gespräche.

Für einen würdevollen Abend sorgten dennoch neben der Vereidigung, dem Überreichen der Amtskette und der Ernennung Rucks zum Bürgermeister mehrere Gratulationsreden, die auch die Verdienste Schöffmanns würdigten.

Landrätin Anita Schneider (SPD) wünschte Ruck »Kraft, Geschick und ein Quentchen Glück«. Der neue Bürgermeister Pohlheims habe sich in seiner Heimatstadt Bad Schwalbach Jahrzehnte lang ehrenamtlich mit Herzblut und Wissen unter anderem in der Freiwilligen Feuerwehr und im Deutschen Roten Kreuz engagiert und sei dafür 2019 auch mit dem Ehrenbrief des Landes gewürdigt worden.

Schneider sprach zudem Schöffmann Dank aus. Sie gehe davon aus, ihn im Kreistag wiederzusehen und freue sich auf politische Auseinandersetzungen mit ihm. Schöffmann kandidiert auf Listenplatz 19 der CDU für den Kreistag, im Pohlheimer Stadtparlament wird er sich kommunalpolitisch nicht engagieren.

Als Bürgermeister müsse man viel Freizeit opfern, gemeinsame Stunden mit Familie und Freunden müsse man häufig zurückstellen und gleichzeitig mit Anfeindungen umgehen, sagte die Landrätin. »Ist das ein Traumjob?« fragte sie - und fügte hinzu: »Ja. Wenn man es mit Herz und Seele macht«

Die Amtseinführung besuchten am Freitagabend auch die Bürgermeister Jörg König (CDU) aus Linden und Stefan Bechthold (SPD) aus Fernwald. Als Bürgermeister müsse man sich bewusst sein, dass es um mehr gehe als eine Kommune zu repräsentieren, sagte Bechthold. Ein Bürgermeister begleite und präge die Entwicklung der Stadt, »ist Ideengeber für die Zukunft«.

Die Bürgermeisterkollegen im Kreis stünden Ruck mit Rat und Tat zur Seite, versicherte Bechthold. Auf Ruck komme viel Arbeit zu, sagte er und gab Pohlheims neuem Rathauschef eine kleine Warnung auf den Weg. »Ein Bürgermeister ist nicht für alles zuständig«, erklärte Bechthold. Aus Sicht der Bürger aber sei er »für alles verantwortlich.«

An den neuen Namen des Bürgermeisters müsse er sich erst noch gewöhnen, räumte Jakob Ernst Kandel (CDU) vom Pohlheimer Magistrat ein. Er wünschte Ruck »eine glückliche Hand«, Augenmaß bei allen Vorhaben, die möglich seien, und Weisheit für alle Pläne, die nicht gelingen können. »Die Felder sind hervorragend bestellt«, sagte Kandel. »Nutzen Sie bitte diese hervorragenden Vorgaben.«

Glückwünsche und Gratulationen gab es auch von Vertreter der Fraktionen im Pohlheimer Stadtparlament. »Ich bin überzeugt, dass sich positive Entwicklungen ergeben werden«, sagte Peter Alexander, der Fraktionsvorsitzende der SPD. Michael Wagner von der CDU-Fraktion hieß Ruck, der vor seinem Umzug aus Bad Schwalbach nach Dorf-Güll steht, symbolisch willkommen und überreichte ihm ein Geschenk des Obst- und Gartenbauvereins in Dorf-Güll.

Fabian Schäfer, Vorsitzender der FDP-Fraktion, wünschte Ruck viel Geduld, Kraft, Ruhe und Resilienz«. Schäfer fügte hinzu: »Was auch immer du tust, tue es klug und bedenke das Ende.«

Schöffmann begründete sein Fernbleiben von der Versammlung damit, dass Ruck behauptet habe, der scheidende Bürgermeister habe seinem Nachfolger die Übergabe der Amtsgeschäfte in seinem Büro verweigert. Das seien »ungeheuerliche Behauptungen«. Ruck habe niemals eine solche Anfrage an ihn gestellt.

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