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Podiumsdiskussioon unter Corona-Sitzvorschriften in der Reithalle des Hofs Am Plattenberg.

Flächenverbrauch im Fokus

  • vonVolker Heller
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Pohlheim (vh). Eine ungewöhnliche Idee hatte Wolfgang Sames vom Hof Am Plattenberg als Mitglied der »PowerBauern«. Die Pohlheimer Initiative sorgt sich um den Flächenverbrauch und die Folgen für die Landwirtschaft. Im Vorfeld der Kommunalwahl sollten die Vertreter der fünf Fraktionen im Pohlheimer Stadtparlament ihre Standpunkte dazu abgeben. Eine Podiumsdiskussion führte Teilnehmer und Zuhörer in Sames’ Reithalle.

Auf braunem Sand waren die Sitzplätze mit Weichholzstreu markiert. Drei Turnier-Richterhäuschen an der Stirnseite besetzten Klaus Deppe (FDP), Hiltrud Hofmann (Grüne) und Peter Alexander (SPD). Den Moderator machte Albert Mehl. CDU und Freie Wähler hatten aufgrund der aktuellen Pandemielage abgesagt und Antworten auf die Hauptfragen im Internet veröffentlicht.

Wolfgang Sames rügte die »große Poltik«. Sie stelle die Landwirte »an den Pranger«. Er regte für Pohlheim an, dies zu vermeiden. Ihn verwundere, dass trotz Flächenrückgangs die Betriebsgröße der Bauern zunehme. Weitere »PowerBauern« nahmen dazu Stellung. Manfred Balser wusste von einer Vergrößerung des Lkw-Parkplatzes an der A 5 und von drei Hektar Ausgleichsfläche für das Gewerbegebiet Garbenteich-Ost.

Monika Sames wünschte sich bei Begegnungen im Feld ein »nettes Miteinander« und Respekt. Voriges Jahr habe sie das erste Feldfest zum besseren Kennenlernen organisiert. Anne Häuser etablierte vor drei Jahren auf dem Limeshof einen Schulbauernhof. »Mehr Nähe zu den Menschen« sei ihr wichtig. Sven Arnold zeigte als Direktvermarkter Verständnis für die Entwicklung der Stadt und den damit verbundenen Landverbrauch.

Um eben diesen im Spannungsfeld zwischen kommunaler Entwicklung und regionalem Bedarf an Lebensmitteln ging es bei der ersten Hauptfrage. Alexander sagte, das Reden über Bau- oder Gewerbegebiete erzeuge »Spannung automatisch«. Gewerbegebiete von der Größe in Garbenteich-Ost (25 Hektar) lehne er künftig ab. Die laut Regionalplan gegenüber liegende Gewerbe-Vorrangfläche lehne die SPD ab.

Hofmann bedauerte, »Garbenteich-Ost haben wir schlucken müssen«. Pohlheim habe »auf den großen Player gewartet statt kleinteilig vorzugehen. Anstelle von Ausgleichsflächen sollten Bau- und Gewerbegebiete zunächst selber klimaneutral ausgerichtet sein. Bürger, Landbesitzer und -nutzer müssten mitreden.

Nachverdichtung Vorrang geben

Dette tat sich mit neuen Baugebieten schwer, möchte »Nachverdichtung statt Außenentwicklung«. Etwas mehr Kontrolle bezüglich freilaufender Hunde fände er gut, vielleicht durch den althergebrachten »Feldschütz«. Mehl nahm das auf: »Feldschütz als Pilotprojekt«.

Hauptfrage zwei drehte sich um die Freizeit in Wald und Feld bei weniger Fläche. Alexander lehnte größere Eingriffe in der Natur, etwa »Rennstrecken«, ab. Besser seien Lehrpfade für Wald- und Landwirtschaft, um die Menschen zu sensibilisieren. Hofmann sagte, etwas Dreck auf dem Feldweg störe nicht. Freizeiterholung und Forstwirtschaft müssten vereinbar sein. Dette: »Wiesen sind Futterreservoire«, Hunde seien anzuleinen.

Bei der Hauptfrage drei standen die Perspektiven für landwirtschaftliche Betriebe im Fokus. Alexander nannte eine größere Vielfalt von Bewirtschaftungsformen. Die Stadt könne sich für Direktvermarktung einsetzen. Man könne einen Bauern- und Wochenmarkt einrichten. Hofmann meinte, Bauern sollten für ihre Produkte wie auch für Landschaftspflege bezahlt werden. Schon vor 20 Jahren habe ihre Fraktion, damals zusammen mit der SPD, einen Bauernmarkt angedacht. Dette will sich einsetzen für die Wertigkeit von Landschaftspflege und einem Wochen- und Bauernmarkt. Politik solle Veranstaltungen fördern wie das Reitturnier 2020.

Was die Thematik »Erneuerbare Energien und Landwirte« bei Hauptfrage Nummer vier anging, machte Dette sich für Solaranlagen und Bioenergie stark. Bei der Windkraft seien alle erst dafür und später dagegen. Hofmann hatte als Idee eine Bürgergenossenschaft. Weideflächen und Solar vertrügen sich. Kleine Windanlagen seien vielleicht sinnvoller. Energiepflanzen statt Nahrungspflanzen sehe sie kritisch. Alexander meinte, dass der Klimaschutzbeauftragte und Klimabeirat ein »Stadtteilbild erarbeiten« sollten. Landwirte, Bürger und Stadt seien aber anzuhören.

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