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Auf der Wiese vor dem Haus Zur Lutherlinde 40 soll der Neubau entstehen. Jede Wohnung erhält einen eigenen Balkon.

Finanzieller Grundstein gelegt

  • VonPatrick Dehnhardt
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Pohlheim (pad). Die Wohnungsbaugenossenschaft Horlofftal mit Sitz in Hungen investiert in bezahlbaren Wohnraum in Hausen. Auf dem Areal in der Straße Zur Lutherlinde sollen insgesamt 16 Wohnungen entstehen. Der Landkreis unterstützt das Vorhaben durch die SWS mit 320 000 Euro.

Holger Frutig, Vorstand der Baugenossenschaft, informierte beim Ortstermin am Mittwoch über das Vorhaben. Acht Zweizimmerwohnungen mit je 64 Quadratmetern sowie acht Dreizimmerwohnungen mit zirka 76 Quadratmetern sollen entstehen. Vier Wohnungen werden barrierefrei errichtet, zudem wird es einen Aufzug geben.

Die Einstiegsmiete soll bei 6,50 Euro pro Quadratmeter liegen, die Preisbindung gilt für 20 Jahre. Die Genossenschaft rechnet mit Kosten von 3,2 Millionen Euro für das Projekt. Voraussichtlich im Oktober soll es losgehen.

Man habe bereits zu Beginn die Zusammenarbeit mit der SWS und der WI-Bank gesucht, sei dort auf offene Ohren gestoßen, sagte Frutig. Denn ohne Förderung sei solch ein Projekt für bezahlbaren Wohnraum nicht zu stemmen: »Wir müssen es ökonomisch gestalten.«

In Hausen sei ein Bau trotzdem nur möglich, da man das Grundstück bereits besaß und es bislang brachlag. Hätte man es erst noch kaufen müssen, wäre der Bau unwirtschaftlich, sagte Frutig.

Würde man die Wohnungen auf dem freien Markt anbieten, könne man problemlos Mieten von 10,50 Euro pro Quadratmeter aufrufen. »Die Differenz zwischen Marktmiete und sozialer Miete ist ungesund hoch«, warnte Frutig.

Um neuen Wohnraum zu schaffen, prüfe die Genossenschaft generell, ob sich Bestandsimmobilien aufstocken lassen oder Anbauten möglich sind. Die Horlofftal eG unterhält allein in Pohlheim 250 Wohnungen. Sozialwohnungen haben an den 517 Wohnungen und 55 Häusern im Genossenschaftseigentum einen Anteil von 46 Prozent.

Landrätin Anita Schneider überreichte den Förderbescheid der SWS. Der Landkreis hatte die »Sozialer Wohnungsbau und Struktfurförderung« (SWS) GmbH vor vier Jahren ins Leben gerufen, um mehr bezahlbaren Wohnraum für Alleinstehende, Senioren und Familien zu schaffen. In ihr sind die meisten Kommunen vertreten. Pohlheim ist bislang kein Mitglied, CDU und Freie Wähler hatten 2017 abgelehnt, dafür einmalig 5000 Euro in die Hand zu nehmen. Stadtrat Israel Be Josef kündigte an, dass die Limesstadt nun eintreten wolle.

16 neue Wohnungen in Hausen sind ein Anfang. Schaut man sich die Nachfrage an, wird klar: Das Projekt ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Frutig berichtet, dass dauerhaft rund 100 Interessenten auf der Warteliste der Baugenossenschaft stehen.

Prekäre Lage

Insgesamt sinkt die Zahl bezahlbarer Wohnungen im Landkreis kontinuierlich. Schneider sagte, dass man mit Bauprojekten wie dem in Pohlheim nur die Zahl der Wohnungen ausgleiche, die derzeit aus der Preisbindung herausfallen würden. »Das Thema war jahrzehntelang nicht im Fokus der Politik.«

Während es dank der Genossenschaften im Bereich bezahlbarer Wohnungen nicht ganz so düster aussieht, ist die Lage beim Thema »eigene vier Wände« prekär. Wenn beispielsweise in einem einschlägigen Immobilienportal das günstige Wohnhaus in Lich 570 000 Euro kostet und selbst in einem Ortsteil noch 400 000 Euro, dann sind dies Summen, die eine Familie mit niedrigen oder auch normalen Einkommen kaum aufbringen kann.

Die Idee, vorhandenen Wohnraum freizumachen, indem man Senioren den Umzug in sogenanntes »Service-Wohnen« schmackhaft macht, hilft kaum weiter. Denn oft sind diese Wohnungen so teuer, dass Senioren sie gar nicht mit dem Erlös aus dem Immobilienverkauf bezahlen können. In Lollar förderte der Landkreis ein Projekt für Service-Wohnen, um den Mietpreis auf sieben Euro pro Quadratmeter zu senken, sagte Schneider.

Allerdings kommen die frei gewordenen Immobilien - wenn sie nicht in der eigenen Familie weitergereicht werden - auf den freien Markt und werden dort meist mit maximalem Gewinn weiterverkauft. Da habe man keinen Einfluss drauf, sagte die Landrätin auf Nachfrage.

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