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Die Gesangsgruppe »Die Mollys« bei ihrem Auftritt 1998.

Erste Auftritte und zeitlose Klassiker

  • vonPatrick Dehnhardt
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Pohlheim (pad). Ein Jahr ganz ohne Karneval - das ist auch für die »Mollys« aus Watzenborn-Steinberg undenkbar. Nur sind viele Dinge derzeit nicht möglich, die zu einer echten Mollys-Sitzung einfach dazugehören - etwa Gesang und Showtanz. Als Ersatzprogramm haben die Pohlheimer darum zu einer Youtube-Sitzung eingeladen.

Zum Auftakt gibt es sogar Gardetanz bester Güteklasse. Es handelt sich um eine Aufnahme vom Auftritt der Junioren- und Jugendgarde von vor einem Jahr. Die Bühne ist rappelvoll mit motivierten jungen Tänzern - was waren das noch für Zeiten!

Der Senior-Sitzungspräsident Volkmar Wolters führt durch das gut einstündige digitale Programm, begrüßt »die Karnevalsfreunde in Pohlheim, New York und Wuhan«. Es ist eine Show mit den Höhepunkten aus den letzten Jahrzehnten - soweit diese mitgefilmt wurden. Natürlich sieht man manchen Aufnahmen aus den 1990ern und 2000er Jahren ihr Alter an - nicht etwa, weil die Witze klemmen würden, sondern weil die Bilder ein wenig grisselig sind. Gleichzeitig sind es kostbare Perlen, denn eine Zeitreise zurück zu diesen stimmungsvollen Abenden ist nicht möglich, auch wenn die sich mancher Narr gerade dieses Jahr sich wünschen würde.

Eine dieser Perlen ist eine Büttenrede von Manfred Mülln aus dem Jahr 2000, ein zeitloser Klassiker. In dieser freut er sich, dass er Narr und nicht Politiker ist. Denn bei diesen würden sich die Leute nach jeder Pointe fragen, ob sie das als Scherz oder ernst meinen und ob sie lachen oder weinen sollen.

Damals führte Mülln das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung darauf zurück, »dass die Deutschen den Ausgang der ›Lindenstraße‹ miterleben wollen«. Nun ist die Endlosserie Geschichte.

Moderator Wolters riet den Zuschauern auch bei der Youtube-Sitzung zur Vorsicht: »Sie können gerne lachen, aber lachen Sie in die Armbeuge.« Alternativ biete sich die Narrenkappe an, die sei FFP2-geprüft.

Konrad Wagner fand in seiner Büttenrede Zusammenhänge zwischen Sport und Politik heraus: »Sportfunktionäre sind wie Politiker: Erst werden sie demokratisch gewählt, dann regieren sie diktatorisch und wenn sie Mist bauen, ist keiner zu greifen.«

Walter Allert berichtete vom Eheleben: »25 Jahre war ich glücklich - dann habe ich die Emma getroffen.« Früher habe er sich gewundert, warum der Standesbeamte so lächelt - nun wisse er: Es war Schadenfreude.

Im Zwiegespräch der Putzfrauen begrüßte Wolfgang Schäfer seine Dialogpartnerin Gaby Häuser mit den Worten »So früh bist du noch nie zu spät gekommen.« Thema darin war eine Nachbarin, die mit 73 noch ein Kind bekam und jetzt immer warten müsse, bis dieses schreit, um es wiederzufinden.

Einer der ältesten Clips in der Online-Sitzung zeigt den ersten Auftritt der »Mollynchen« im Jahr 1994. Jahre später wurde diese Gruppe das Pohlheimer Aushängeschild in Sachen Showtanz, mischte bei den Deutschen Meisterschaften regelmäßig mit. Ein emotionaler Höhepunkt der Online-Sitzung ist die aus dem Jahre 1998 stammende Aufnahme des Auftritts der Gesangsgruppe »Die Mollys«: Dabei war unter anderem Achim »Schnecko« Häuser als Solist zu hören. Das Urgestein der Pohlheimer Fastnacht ist am 28. Dezember 2020 verstorben.

Die Online-Sitzung kann noch bis Aschermittwoch über www.diemollys-pohlheim.de aufgerufen werden.

Nun hoffen die »Mollys«, dass die nächste Kampagne wieder von närrischen statt medizinischen Masken dominiert wird: Am 19. Februar 2022 wollen sie ihr 66-jähriges Bestehen feiern. SCREENSHOT: PAD

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