»Ende in etwa zehn Jahren angestrebt«

  • VonStefan Schaal
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Pohlheim (srs). Das Regierungspräsidium (RP) Gießen hat zu den Vorwürfen Stellung genommen, es kümmere sich zu wenig um die Rekultivierung des ehemaligen Steinbruchs in Grüningen. Das Gelände werde von RP-Mitarbeitern aufgesucht, erklärte ein Sprecher auf Nachfrage dieser Zeitung. Letztmals sei dies Ende 2019 geschehen. »Verstöße gegen den zugelassenen Abschlussbetriebsplan konnten nicht festgestellt werden.

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Der ehemalige Umweltdezernent der Stadt Pohlheim, Ewald Seidler (Freie Wähler), hatte beklagt, dass das RP und der Eigentümer des Geländes, die Johannes Nickel GmbH, den Schutz der Tierarten auf dem Areal vernachlässigten. Gemäß eines Rekultivierungsplans sollen Ersatzbiotope geschaffen werden, um auf dem Gelände das Überleben von Amphibien wie des Kammmolchs und der Geburtshelferkröte zu garantieren. Dies sei noch immer nicht geschehen, beklagt Seidler. Der Kammmolch sei auf der Fläche inzwischen nicht mehr anzufinden. »Eine Schande«, sagte Seidler. Vom Regierungspräsidium, das die Einhaltung des Rekultivierungsplan beaufsichtigen soll, »bin ich enttäuscht. Es handelt nicht.«

Einen festgelegten Zeitpunkt, wann die Rekultivierung des Gebiets abgeschlossen sein soll, gibt es nicht. Es werde ein Ende der Bergaufsicht durch das Regierungspräsidium in etwa zehn Jahren angestrebt, erklärt der Sprecher. »Zunächst muss die Verfüllung mit unbelastetem Boden abgeschlossen sein.«

RP sieht keinen Handlungsbedarf

Die Johannes Nickel GmbH hat indes bereits auf Verzögerungen bei den Verfüllungsarbeiten hingewiesen. Hauptgrund dafür sei, dass man seit fünf, sechs Jahren nur noch wenig Erde angeliefert bekomme, erklärt Geschäftsführerin Dr. Bettina Nickel. Das habe vor allem damit zu tun, dass nach einer Gesetzesänderung im Jahr 2014 Gutachten und Laboruntersuchungen für die angelieferte Erde erforderlich sind, bevor sie zum Verfüllen verwendet werden kann. Kunden bevorzugen daher Alternativen, »um diesen finanziellen und organisatorischen Mehraufwand zu umgehen«, erklärt Nickel. So lande Erde eher in Lärmschutzwällen als dass sie in Grüningen angeliefert wird. »Wir werben für unsere Erdeinlagerungsmöglichkeit«, sagt sie. »Aber der Markt im Gießener Raum hat andere Möglichkeiten.«

Zum Vorschlag Seidlers, den Rekultivierungsplan zu ändern, um eine Umsiedlung der streng geschützten Geburtshelferkröte von einem früheren Pumpensumpf in den westlichen Teil des Areals zu vermeiden, erklärt das RP, dass der Plan im Januar 2017 zugelassen worden sei. »Wenn seitens des Betreibers keine Änderung beantragt wird, hat dieser bis zur vollständigen Umsetzung Gültigkeit.« Vonseiten des RP bestehe zudem kein Handlungsbedarf, sofern die Johannes Nickel GmbH die Bestimmungen des Zulassungsbescheids einhält,

Das Regierungspräsidium macht derweil auch darauf aufmerksam, dass für eine baldige Umwandlung der Fläche des früheren Steinbruchs in ein Naturschutzgebiet kaum Aussichten bestehen. Das Ziel haben vor wenigen Wochen CDU und Freie Wähler in einem Antrag im Pohlheimer Stadtparlament formuliert.

Das Gebiet könne erst in ein Naturschutzgebiet umgewandelt werden, wenn die Rekultivierung und die Bergaufsicht abgeschlossen sind, betont der Sprecher des Regierungspräsidiums. Die entsprechende Prüfung unterliegt der Naturschutzbehörde. Konsequenz einer solchen Ausweisung wäre, dass auf der Fläche beispielsweise der Bau von Anlagen, Freizeitnutzungen oder Motocross-Fahrten ausgeschlossen wären. »Solange das Areal unter Bergaufsicht steht«, so der Sprecher, »dürften derartige Nutzungen aber ohnehin kein Thema sein.«

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