In Deutschland soll es spätestens bis Ende Juni einen digitalen Impfpass geben. Um im Sommer Reisen ins Ausland zu ermöglichen, ist auch ein digitales EU-Zertifikat in Zeiten der Corona-Pandemie geplant. (Symbolbild)
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In Deutschland soll es spätestens bis Ende Juni einen digitalen Impfpass geben. Um im Sommer Reisen ins Ausland zu ermöglichen, ist auch ein digitales EU-Zertifikat in Zeiten der Corona-Pandemie geplant. (Symbolbild)

Corona-Impfungen

»Einen solchen digitalen Impfpass gibt es schon längst« – Pohlheimer Hausarzt kritisiert Auftragsvergabe

  • Lena Karber
    vonLena Karber
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Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) lässt einen digitalen Impfpass entwickeln. Der Pohlheimer Hausarzt Oliver Hanemann kann das nicht nachvollziehen und verweist auf eine vorhandene Software.

Solange der EU-Impfpass noch nicht verfügbar ist, soll in Deutschland ein eigener digitaler Impfpass den Nachweis der Impfung ermöglichen. Für die Entwicklung einer entsprechenden Software hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) einen Auftrag mit einem mutmaßlichen Gesamtvolumen von 2,7 Millionen Euro vergeben. Der Pohlheimer Hausarzt Oliver Hanemann kann das nicht nachvollziehen. »Einen solchen digitalen Impfpass gibt es schon längst, das wissen jedoch die wenigsten«, sagte er im GAZ-Gespräch über die Situation in den Hausarztpraxen.

Digitaler Impfpass: Gesellschaft zur Förderung der Impfmedizin (GZIM) bietet ImpfPassDE-App

Bereits seit mehreren Jahren arbeitet Hanemanns Praxis mit einem Impfverwaltungsprogramm der Gesellschaft zur Förderung der Impfmedizin (GZIM). Mit der dazugehörigen ImpfPassDE-App bietet das Programm seiner Meinung nach alles, was der digitale Impfpass leisten soll – und zwar sowohl in Hinblick auf die Funktionen als auch bezüglich der datenschutzrechtlichen Aspekte. Er kritisiert, dass der Bund das Programm nicht allen Praxen zur Verfügung stellt.

Wie GZIM-Geschäfsführer Hans-Jürgen Schrörs auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte, arbeiten deutschlandweit bisher rund 5000 Praxen mit dem Programm. Auch der Hausärzteverband habe eine »light-Version«, die die entsprechenden Funktionen biete. In Sachsen und Thüringen arbeite man zudem seit zwei Jahren mit der AOK-Plus und der KV Sachsen zusammen. »In der Tat stellt sich nicht nur für uns die Frage, warum wird das Rad zweimal erfunden?«, äußerte Schrörs sein Unverständnis über die Auftragsvergabe..

Angebotsabgabe für digitalen Impfpass: Grundvoraussetzungen laut GZIM zu hoch

Laut GZIM sei man zwar zur Angebotsabgabe eingeladen worden, habe jedoch die Grundvoraussetzungen – erfolgreiche Großaufträge im hohen sechsstelligen Eurobereich sowie App-Produkte mit sechsstelligen Anwenderzahlen – nicht erfüllen können. Dies hätte man vielleicht durch eine Konsortialpartnerschaft mit einem Konzern erfüllen können – jedoch nicht innerhalb des Ausschreibungszeitraums von zwei Werktagen, erklärte Schrörs. Darauf habe man das Bundesgesundheitsministerium auch hingewiesen, damit jedoch nichts bewirken können. (lkl)

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