Zehnmal mehr Schüler als bisher steigen nun in Pohlheim auf das Fahrrad – und dürfen sich daher kleine Geschenke aussuchen.
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Zehnmal mehr Schüler als bisher steigen nun in Pohlheim auf das Fahrrad – und dürfen sich daher kleine Geschenke aussuchen.

Jeden Morgen kleine Geschenke

Wie eine Schule in Pohlheim Fahrradfahrer belohnt

  • vonStefan Schaal
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Wissenschaftler raten Kindern, auf dem Weg zur Schule auf das Fahrrad zu steigen statt in den Bus. Das Risiko, sich mit Corona anzustecken, sei geringer. Die Adolf-Reichwein-Schule in Pohlheim hat sich daher etwas einfallen lassen: Sie verteilt Geschenke an die Radfahrer unter ihren Schülern.

So viele Fahrräder standen schon lange nicht mehr vor der Adolf-Reichwein-Schule in Pohlheim wie am Montagmorgen. In den vergangenen Tagen, seitdem die Abschlussklassen wieder den Unterricht aufgenommen haben, waren es eher zwei, vielleicht auch mal drei Räder. Die Zahl hat sich nun aber verzehnfacht - auch vor dem Hintergrund, dass Fünft- und Siebtklässler nach der Corona-Pause wieder den Unterricht aufgenommen haben.

Geschenke in blauen Kisten

Zwei Dutzend Schüler kurvten gegen halb acht kurz vor Unterrichtsbeginn nach und nach auf zwei Rädern in den Fortweg in Watzenborn-Steinberg, stellten vor der Schule ihr Fahrrad ab und kramten dann draußen, bevor sie in die Klassenzimmer schlenderten, in blauen Kisten. Die Leitung der Schule um Petra Brüll hatte sich etwas einfallen lassen: Sie verteilt nun jeden Morgen kleine Geschenke an die Radfahrer unter ihren Schülern.

Hintergrund der Aktion ist, dass Wissenschaftler sowie Gesundheitsminister Jens Spahn Kindern und Jugendlichen raten, auf dem Weg zur Schule besser auf das Fahrrad zu steigen statt in den Bus. Das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken, sei so geringer.

Zehnmal mehr Schüler als bisher steigen nun in Pohlheim auf das Fahrrad – und dürfen sich daher kleine Geschenke aussuchen.

Soziale Distanz halten, so lautet weiterhin das Gebot der Stunde. Möglichst viele sollen auf das Fahrrad umsteigen und so in öffentlichen Verkehrsmitteln für Platz und Abstand sorgen. Das Coronavirus werde hauptsächlich über Tröpfcheninfektion auf kurze Distanz übertragen. Das Risiko, den Erreger auf dem Fahrrad "einzuatmen", gehe hingegen gen null, erklärte beispielsweise der Pneumologe Michael Barczok im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Fahrradfahren sei außerdem "in diesen Tagen weitgehend ohne Sport und Bewegung gut für die Fitness", so die Pohlheimer Schulleiterin Brüll.

"Was bekommen wir?", rief Schüler Danny von Weitem, als er auf das Schulgelände fuhr. Kurz darauf suchte er sich eine Trinkflasche aus. In den Kisten lagen außerdem Fahrradklingeln, Schlüsselanhänger und Packungen mit Erdnüssen. "Wir haben so viele Geschenke", sagte Brüll. "Wir setzen die Aktion in den kommenden Wochen fort."

Eine Stunde aus Nordeck nach Watzenborn-Steinberg geradelt

Die Schulleitung hatte sich an Fahrradhändler in Gießen und Wettenberg sowie an einen Supermarkt in Watzenborn-Steinberg gewandt, nach Spenden gefragt und so die Geschenke erhalten. Lehramtsreferentin Luljeta Caraku hatte ein Plakat entworfen, um auf die Aktion aufmerksam zu machen - mit dem Titel "Fahrrad statt Bus. Und mit Corona ist bald Schluss".

Die Aktion sei überraschend gut angelaufen, sagte Brüll. "Wenn man überlegt, dass sich jetzt gerade einmal 100 Kinder und Jugendliche im Schulgebäude aufhalten, sind gut 20 abgestellte Fahrräder draußen ein Erfolg."

Sie selbst hatte sich aus Oppenrod mit dem Rad auf dem Weg zur Arbeit gemacht. "Wir wollen natürlich mit gutem Beispiel vorangehen", sagte Brüll. Die weiteste Strecke hatte allerdings ihr Stellvertreter zurückgelegt. Eine Stunde lang war er auf dem Schulweg aus Nordeck nach Watzenborn-Steinberg geradelt.

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