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Die Kirche in Grüningen ist mit einem Kostenaufwand von 1,3 Millionen Euro saniert worden. 180 000 Euro davon hat die Bevölkerung gespendet.

Eine Jahrhundert-Investition

  • VonRoger Schmidt
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Pohlheim (rge). Das Ensemble der evangelischen Kirche in Grüningen ist wahrlich ein Schmuckstück. Der Stadtteil ist zudem mit seiner Burg und den Diebesturm reich gesegnet mit wertvoller baulicher Historie. Die evangelische Kirche von 1151 als ein Teil davon erstrahlt jetzt wieder im neuen Glanz, rundum saniert vom Dach über die Kirchenmauer bis hin zum in den letzten Monaten neu verlegten Pflaster.

Dazwischen im frisch eingesäten Kirchgarten vor dem Portal begrüßt zudem die über 350 Jahre alte Dorflinde als Naturdenkmal die Kirchgänger und Gäste und lädt zum schattenspendenden Verweilen ein.

Über den nun erfolgten Abschluss der Arbeiten zeigten sich nicht nur der Kirchenvorstand mit Reinhold Hahn und Gerdi Leidich beim Pressetermin an Ort und Stelle: Schließlich haben die gesamte Gemeinde und die Bürger dazu beigetragen, dass dieses Stück Grüninger Gemeinschaftswerk finanziell getragen werden konnte. Die fachkundigen Handwerker taten ihren Teil mit dem entsprechenden historischen Wissen in der Denkmalpflege, damit das Kirchengebäude wieder für die kommenden Jahrzehnte gut gerüstet ist und in alter Pracht erstrahlt. Vor neun Jahren war mit der Sanierung am Dach begonnen worden.

»180 000 Euro haben die Bürger gespendet«, unterstreichen Hahn und Leidich. Das finden sie beispielhaft für bürgerlichen Gemeinsinn und danken im Namen der Kirchengemeinde allen Spender auf diesem Wege. Alles in allem 1,3 Millionen Euro wurden so in die Sanierung des Gotteshauses insgesamt investiert. Von diesem Betrag wurden zwischen 65 und 80 Prozent von der Landeskirche gefördert. Der Rest der Kosten war Sache der Kirchengemeinde. Ein nicht unerheblicher Euro-Anteil. Nachdem das Kirchendach und das Dach des Paul-Hutten-Chores fertig waren, dachte man zunächst, das Werk sei vollendet. Allerdings hatte man die Rechnung ohne die alte Bausubstanz ringsum gemacht.

Die Kirchenmauer kam in bedrohliche Schieflage und musste teilweise neu errichtet werden. Dann wurden die holprig gewordenen Wege zur Kirche in Angriff genommen. Entsprechendes Pflaster aus einer Mischung von altem Kopf- und neuen Betonstein wurde besorgt und nun abschließend verlegt. »Hübsch sieht es jetzt aus, und vor allem einladend«, finden die beiden Kirchenaktiven. Bedauerlich ist für sie nur, dass nicht alle der geplanten Feierlichkeiten aus Anlass des Wiederaufbaus nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg mit »350 Jahre Kirchenschiff« und »500 Jahre Paul Hutten Chor« stattfinden konnten.

Auch das für dieses Jahr terminierte Gemeindefest ist inzwischen pandemiebedingt auf Mai 2022 verschoben worden. Dieses Fest möchte man gemeinsam mit den Ortsvereinen feiern, wenn es die Pandemielage zulässt. Noch für den Herbst plant man ein öffentliches Konzert: Auftreten wird das »Paul Simpson Projekt« mit Musik von Pop bis Soul am Sonntag, 24. Oktober, um 18.30 Uhr in der alten Kirche.

So ganz sind die Ideen für Arbeiten um das Gotteshaus aber dann noch nicht ausgegangen, verraten die beiden Kirchenvorstände. Von Kurt Dern wurde angeregt, das Flächenwasser des Kirchendachs für die Bewässerung des benachbarten Friedhofes zu nutzen. Mit dieser ressourcen- und umweltschonenden Idee stieß der Grüninger nicht nur bei der Kirchengemeinde, sondern auch in der politischen Gemeinde auf offene Ohren. Die Initiative passt auch zum Naturschutz in der Kirche, die als vogelfreundliches Gebäude bereits Turmfalken über Generationen im Turm eine Heimat als Nistplatz mit entsprechenden Einflugöffnungen bietet. »Jetzt wird das Projekt mit der Anlage einer Zisterne zur Wasserspeicherung bei der Stadt geprüft«, informiert Hahn.

Zumindest die zurückliegende wichtige »Jahrhundert-Investition« für ihre Kirche ist allerdings für den Grüninger Kirchenvorstand und die Gemeinde jetzt abgeschlossen.

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