"Jede Form, jede Kurve ist individuell und selbst gemacht", sagt Sebastian Büttner. "Nichts ist kopiert." 
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"Jede Form, jede Kurve ist individuell und selbst gemacht", sagt Sebastian Büttner. "Nichts ist kopiert." 

Kunstwerk aus Kirsche

Ehemaliger Jona:S-Musiker baut einzigartige E-Gitarre in Pohlheim

  • vonStefan Schaal
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Sebastian Büttner, einst Gitarrist der Band Jona:S, baut in einer Werkstatt in Grüningen eine E-Gitarre aus Kirschholz. An diesem Wochenende wird er das Instrument auf Schloss Rauischholzhausen ausstellen. Ihm zur Seite steht in Martin Schlimbach ein Tischler, der auf Kunstwerke spezialisiert ist - etwa auf Fahrräder aus Holz.

Van Halen dringt leise durch die Werkstatt an der Taunusstraße 46 in Grüningen. "Why can’t this be love?". Übertönt wird der Song immer wieder von einem hellen Schrubben. Sebastian Büttner steht an einer Werkbank und schleift an den Kurven eines flachen, 60 Zentimeter breiten Holzkörpers. Büttner, einst Gitarrist der Band Jona:S, baut hier sein eigenes, individuelles Instrument aus Kirschholz.

Ein Kunstwerk soll es werden, dieses Wochenende präsentiert Büttner die E-Gitarre auf der "Artinea", einer Ausstellung für Kunst, Handwerk und Design auf dem Schloss Rauischholzhausen.

"Klanglich will ich die eierlegende Wollmilchsau bauen"

"Das ist schon der dritte Hals", sagt der 37 Jahre alte Gitarrist und Songwriter. "Der muss jetzt was werden. Sonst haben wir nichts auszustellen." Vor Beginn der Arbeit hat Büttner Bücher gelesen und im Internet recherchiert. Gestalterisch dienen die Instrumente "Telecaster" und "Jazzmaster" von Fender als Inspiration. Schalter, die normalerweise unten am Korpus liegen, sind allerdings etwas höher angebracht, um sie besser zu erreichen. "Jede Form, jede Kurve aber ist individuell und selbstgemacht", betont Büttner. "Nichts ist kopiert."

Martin Schlimbachs Rad aus einer Ulme aus dem Schlosspark in Rauischholzhausen (Foto) ist eines der gezeigten Objekte auf der "Artinea".

Klar, sagt der Musiker. Heavy Metal und Country könne man nicht mit ein und derselben E-Gitarre spielen. Dennoch soll das Instrument vielseitig sein. Büttner lächelt. "Klanglich will ich die eierlegende Wollmilchsau bauen."

Fahrrad aus einer Ulme in Schlosspark Rauisschholzhausen

Dass die E-Gitarre am Ende ein wohlklingendes und elegantes Instrument wird, dafür garantiert ohnehin ein Tischler, der auf individuelle Kunst- und Bauwerke spezialisiert ist. Martin Schlimbach baut in seiner Werkstatt in Grüningen filigran gestaltete Fahrräder mit Rahmen aus Holz. Jedes Rad ist einzigartig, sie heißen Tom, Jacques und Alice. Sie sind allerdings auch teuer, die Fahrräder kosten zwischen 5000 und 8000 Euro. "Für ein Rad brauchen wir ungefähr einen Monat."

Der Pohlheimer hat mit dieser Geschäftsidee ein angesehenes Startup unter dem Namen "Woodbike 46" aufgebaut und für seine Fahrräder bereits zahlreiche Designpreise gewonnen. In den vergangenen Wochen hat Schlimbach aus einer Ulme aus dem Schlosspark in Rauischholzhausen ein geländetaugliches Fahrrad mit Elektroantrieb, dicken Mopedreifen und hohen Schutzblechen gebaut. "Man könnte damit auch die Zugspitze erklimmen", sagt er. Der 52 Jahre alte Pohlheimer stellt das Rad erstmals an diesem Wochenende auf der "Artinea" vor.

"Wenn ich Rollläden repariere, verdiene ich mehr Geld. Aber das ist auch viel langweiliger"

Schlimbach baut auch Möbel. Die Hälfte der Arbeitszeit aber investiert er in die Fahrräder. "Wenn ich Rollläden repariere, verdiene ich mehr Geld", sagt er. "Aber das ist auch viel langweiliger."

Büttner arbeitet unterdessen weiter an den Rundungen der Gitarre. Am Dienstagabend stand er bis Mitternacht an der Werkbank, um rechtzeitig zur Kunstausstellung auf Schloss Rauischholzhausen fertig zu werden. "Ich bin gerade an der Halsrundung der E-Gitarre", sagt er. "Da schleift man sich tot."

"Wir wollen die Kirsche zeigen"

Büttner ist 2011 aus der Band Jona:S ausgestiegen, noch vor dem ersten Plattenvertrag und vor der Umbenennung in OK Kid. Um eine Familie zu gründen.

Vor ein paar Jahren haben er und Schlimbach sich kennengelernt. Der Tischler hat beim Musiker Böden aufbereitet, nun werkeln sie gemeinsam an ihrem Kunstwerk. Die Gitarre werden sie am Ende nicht lackieren. "Wir wollen die Kirsche zeigen", sagt Schlimbach.

Ausstellung "Artinea" beginnt an diesem Freitag

Auf Schloss Rauischholzhausen beginnt heute die Ausstellung "Artinea", auf der sich heimische Tischler und Künstler präsentieren. Martin Schlimbachs Rad aus einer Ulme (Foto) ist eines der gezeigten Objekte. Heute ist von 16 bis 22 Uhr geöffnet, Samstag von 10 bis 22 Uhr, Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

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