"Von oben"

Das Dorf unterm Schiffenberg

  • schließen

Ein begehrter Zuzugsort, insbesondere wegen seiner landschaftlich idyllischen Lage, ist Hausen. Der nördlichste Stadtteil Pohlheims hat ein ganz besonderes Wahrzeichen. Ein Ortsporträt.

Wer regelmäßig am südlichen Fuße des Schiffenbergs über die Wald- und Feldwege rund um Hausen schlendert, trifft irgendwann auch den freundlich grüßenden Karlheinz Müller. "Ich bin jeden Tag in der Gemarkung", sagt das 70 Jahre alte Hausener Urgestein. Die Felder und Wiesen "sind mein Leben", betont er, und: "Nicht nur, weil ich Landwirt bin." Wer will es ihm verdenken: Hausen, der nördlichste Stadtteil Pohlheims, ist ein malerisches Fleckchen an der Sonnenseite der Talaue des Lückebachs, dessen grüne Flächen auch viele Anwohner aus den Nachbardörfern zum Spazierengehen einladen.

Arzt-Sprechstunde in der Küche

Lange Jahre war Hausen ein Arbeiterdorf. Ein Großteil der Bewohner war in den einstigen großen Gießener Fabriken beschäftigt, bei Bänninger, Gail und Heyligenstaedt. "Mein Nachbar ist immer mit dem Fahrrad um 4.30 Uhr zur Frühschicht gefahren", erinnert sich Müller. Das Haus seiner Familie in der Alten Gießener Straße war unterdessen ein Mittelpunkt im Dorf. Die Großeltern führten dort bis Anfang der 50er Jahre einen Lebensmittelladen. "Zweimal in der Woche war außerdem der Arzt Dr. Rupp aus Garbenteich bei uns in der Küche, zur Sprechstunde für die Hausener." Als kleiner Bub saß Karlheinz Müller oft mit dabei, wenn Rezeptzettel ausgefüllt wurden. "Man kannte damals jeden."

Ende August wird groß gefeiert

Noch heute ist Hausen mit seinen gut 2000 Einwohnern ein lebendiges, reges Dorf. Müller, der 26 Jahre Ortsvorsteher war, spricht aus Erfahrung: "Mehr als 20 verschiedene Gruppen und rührige Vereine sind in Hausen aktiv", hält er fest, nennt unter anderem den TV 1864 Hausen mit seinen knapp 900 Mitgliedern und den Verein der Freiwilligen Feuerwehr. Die Burschenschaft "Veronika" lädt jährlich zur letzten verbliebenen großen Zeltkirmes in Pohlheim ein. Vom 25. bis 27. August kommt in wenigen Tagen wieder das ganze Dorf zusammen – inklusive Umzug, Volksfest, Dorfolympiade und Frühschoppen.

Zu Pohlheim gehört Hausen seit 1971; es ist heute ein begehrter Zuzugsort, insbesondere wegen seiner landschaftlich idyllischen Lage. Ein Wahrzeichen in Hausen ist die unter Naturschutz stehende weit über 100 Jahre alte Jahneiche.

Erste Urkunde stammt aus 886

Im 14. Jahrhundert hatte das "Dorf unterm Schiffenberg" – so der Titel einer 2003 erschienenen Chronik – nur 40 Einwohner, im 17. Jahrhundert erst 100. Es ist schwer erklärbar, warum eine so kleine Siedlung die Jahrhunderte überdauert hat. Möglicherweise war die kleine Kirche in Hausen der Grund; ein Gotteshaus hatte es nicht überall gegeben. Über die Entstehungsgeschichte Hausens ist wenig bekannt. Die Besiegelung einer Urkunde 886 gilt als "Geburtstag" Hausens. Die Besiedelung hat aber vorher begonnen. Ein sicherer Hinweis auf ein frühes Vorhandensein des Ortes kam 1969 zutage: Anlässlich des Umbaus der Hausener Kirche wurden Fundamente eines Vorgängerbaus ergraben. Sie belegen, dass Hausen bereits im 8. Jahrhundert existiert hat.

Malerisches Fleckchen wächst

Erst in den 1920er und 1930er Jahren wuchs die Gemeinde, als die Anneröder Straße und die Wiesenstraße bebaut wurden. Mit der Erschließung des ersten Neubaugebiets "Am Kirchberg" 1958 mit 42 Bauplätzen begann der kommunale Aufbau. Weitere Baulanderschließungen folgten "Am Oberwäldchen", in der Flur "Rabendriesch" und "Hinter dem Wäldchen" mit den ersten Mehrfamilien- und Appartement-Häusern.

Der größte Posten im gesamten Haushalt der Stadt Pohlheim ist in diesem Jahr mit 4,6 Millionen Euro übrigens ein seit langem geplantes Projekt in Hausen: ein Neubaugebiet im Osten des Dorfs. Rund 70 neue Bauplätze sollen in Hausen-Ost entstehen, der obere Bereich soll in diesem Jahr erschlossen werden. Das malerische Dorf am Fuße des Schiffenbergs – es wächst weiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare